Poets of the Fall - Temple of Thought

Eine Rockband mit Ohrwurmgarantie, die ihr experimentelles Potenzial gerne weiter ausbauen kann!

Albumcover Poets of the fall - Temple of Thought

2003 verkaufte der finnische Sänger Marko Saaresto seinen gesamten Besitz, um sein Leben voll und ganz seiner großen Liebe zu widmen: der Musik. Er zog in die Kellerwohnung seiner Eltern ein und gründete mit seinen Freunden Olli und Captain die Rockband Poets of the Fall (PotF). In Captains Wohnzimmer richteten sie sich ihr eigenes Studio ein und Ollis altes Auto wurde zum Büro umfunktioniert. Und schon ihr erstes Album landete auf Nummer 1 der finnischen Charts. So haben PotF schon einen Rekord aufgestellt: Sie sind die erste Band, deren erste vier Longplayer den ersten Platz erreichten.
Inzwischen gehört die Band zu einer der beliebtesten aus Finnland, mit „Temple of Thought” legen sie nun ihr fünftes Studioalbum vor. Sie selbst bezeichnen es als Abschluss ihrer mit „Signs of Life“ und „Carnival of Rust“ begonnenen Trilogie.

*Genre*
So richtig einordnen lassen sich die Finnen in kein Genre. Ihr Name klingt beinahe nach einer Metalband, ihre Songs reichen von Rockhymnen bis zu sehr ruhigen Balladen, mal klingt die Stimme des Sängers Marko ganz sanft, dann ist sie wieder richtig energiegeladen.  Eine weitere Band, der man aus Mangel einer besseren Bezeichnung den Stempel „Alternative Rock“ aufdrückt.

*Überwiegend ruhige Lieder versetzt mit rockigem Power*
Das Album „Temple of Thought“ zeigt erneut, dass dieser Begriff nicht ganz zutreffend ist. Eingeleitet wird die Platte mit der Rockhymne „Running Out of Time”, einem würdigen ersten Lied, das vor allem durch sein abruptes Ende einen gewissen Wiedererkennungswert gewinnt. Irreführend ist es allerdings schon, denn die Erwartungen an ein klassisches Rockalbum, die man nach diesem Auftakt hat, werden nicht erfüllt. Schon der Titelsong „Temple of Thought“ ist deutlich ruhiger, dafür allerdings so stimmungsvoll und an den richtigen Stellen mit lauteren Gitarren versesetzt, dass er das Album wohl tatsächlich am besten repräsentiert.

Bei „Cradled in Love“, dem ruhigsten Lied auf der Platte, überrascht Sänger Marko mit erstaunlich hohen Tönen und einer unglaublich sanften Stimme, perfekt untermalt mit Akustik-Gitarre und Keyboard. Die darauffolgenden Lieder werden im Vergleich zu diesem Titel zwar wieder etwas schneller, wirklich rockig ist aber erst „Show Me This Life“ wieder. Es stellt in gewisser Weise den Mittelpunkt der Platte dar, da es mit seinen lauten Gitarrenriffs aus der zumindest beim ersten Hören ineinander verschwimmenden Masse an Songs hervorsticht.
Fast musical-artig wirkt etwa „The Ballad of Jeremiah Peacekeeper”, besonders der Refrain unterstützt die epische Anmutung dieses Titels.

*Experimentelle Seite*
Das auffälligste und zugleich letzte Lied des Albums „Temple of Thoughts“ ist eindeutig „The Happy Song“. Die Zeile „I told you I’m a psycho“ wird musikalisch perfekt umgesetzt, verspielt und experimentell wie sonst kein anderes Lied auf dieser Platte ist es ein richtiges Highlight! Kann man PotF sonst vielleicht eher mit Bands wie Shinedown vergleichen, so klingen sie an dieser Stelle wie eine Mischung aus Royal Republics vor energiestrotzendem Rock und System of a Downs experimentellen Stücken.
Dieses Lied zeigt, dass die finnischen Rocker es sich durchaus leisten können, öfter in die Trickkiste zu greifen und sich zu trauen, ein bisschen verrückter zu sein. Denn bei der aktuellen Zusammenstellung der Songs auf der CD wartet man stellenweise vergebens auf den überspringenden Funken.

*Fazit*
Einer der großen Vorteile der Band ist natürlich die Stimme des Sängers. Es gibt wenige, die es schaffen, ein so großes Spektrum zu bedienen und immer „echt“ zu klingen, doch auch die Gitarrenriffs sollten nicht unerwähnt bleiben.
Wer also auch mal auf ruhigere Rockmusik steht und nichts gegen großes experimentelles Potenzial hat, sollte seine Freude an der Platte haben. Es mag auch einige Anläufe brauchen, um sich auf einige zuerst vielleicht nur kitschig wirkende Lieder einzulassen, aber diese oft gelungene Mischung zwischen emotionalen Texten und brodelnder Power hat durchaus ihren Reiz.
Ein richtiges Händchen für Ohrwürmer haben PotF auf jeden Fall, auch wenn die Mitte des Albums gegenüber dem starken Anfang und Ende ein wenig schwächelt.

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Autorin / Autor: Jana Schaefer - Stand: 25. November 2013