Online schneller durchs Studium

Studie zeigt: Online-Angebote an Universitäten haben einen positiveren Nutzen, als viele denken

Online-Kurse waren in den USA nicht erst seit der Corona-Pandemie eine häufig genutzte Lehrform an Colleges und Universitäten. Dennoch herrscht in der öffentlichen Meinung zumeist Konsens darüber, dass diese Form des Unterrichts vor allem Nachteile mit sich bringt. Etwa, dass Studierende weniger lernen oder schlechtere Noten erhalten als mit Präsenzunterricht. Dass Online-Kurse aber auch Vorteile haben können, zeigt eine Studie vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen in Kooperation mit der University of California, Irvine. Je häufiger die Studierenden Online-Kurse belegt hatten, desto schneller und effizienter kamen sie zu ihrem Bachelorabschluss. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Educational Evaluation and Policy Analysis veröffentlicht.

Die Wissenschaftler_innen analysierten Studienverläufe von rund 11.000 Studierenden in einem Zeitraum über sechs Jahre an einer amerikanischen Universität. Sie untersuchten, ob die Teilnahme an Online-Kursen die Studiendauer beeinflusste. Die Ergebnisse unterstreichen den Nutzen von Online-Kursangeboten im Rahmen der universitären Lehre.

So schlossen Studierende, die die Möglichkeit erhielten, an Online-Kursen teilzunehmen, ihr Bachelorstudium schneller ab als jene, die diese Chance nicht erhalten hatten. Zugleich war die Wahrscheinlichkeit, das Bachelorstudium in der Regelstudienzeit zu absolvieren, bei Studierenden, die das Online-Kursangebot nutzten, höher als bei anderen. Bei Studierenden, die aus vergleichsweise schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen stammten, waren die positiven Effekte der Online-Lehre geringer als bei ihren Kommiliton_innen aus weniger schwierigen Verhältnissen. Trotzdem hatten auch sie durch die Teilnahme an Online-Kursen verbesserte Chancen darauf, ihr Bachelorstudium effizienter abzuschließen.

„Die Studien beziehen sich zwar auf Studierende in den USA, die Ergebnisse können aber durchaus auf das deutsche System übertragen werden“, erklärt Christian Fischer, Professor für Educational Effectiveness am Hector-Institut. In den USA belegten auch vor der Corona-Pandemie bereits rund 30 Prozent der Studierenden in ihrem regulären Präsenzstudium Online-Kurse. Dadurch war es ihnen möglich, auch Kurse zu besuchen, für die es Zulassungsbeschränkungen gab, zum Beispiel aufgrund zu hoher Studierendenzahlen oder zu wenig Lehrpersonal. „Unsere Studie hat somit einen weiteren Weg aufgezeigt, das Studium erfolgreich in der Regelstudienzeit abzuschließen“, so Fischer.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung - Stand: 25. Mai 2022