Nachtschwärmer

Autorin: Moira Frank

Helena hat einen Halbbruder, Lukas. Er hat sie auf Facebook gefunden und Kontakt zu ihr aufgenommen. Das ist erst drei Wochen her. Die Erkenntnis beflügelt sie. Sie telefonieren stundenlang und planen ein baldiges Treffen. Obwohl sie sich noch nicht getroffen haben, ist Helene absolut begeistert. Lukas bedeutet ihr mehr als alles andere. Dennoch erzählt sie weder ihrem (alleinerziehenden) Vater, bei dem sie wohnt, noch ihren Freundinnen oder ihrem Freund Ole von Lukas. Doch dann geschieht das Unfassbare: Lukas stirbt bei einem Verkehrsunfall. Dieser Verlust reißt Helena den Boden unter den Füßen weg. Sie ist verzweifelt, igelt sich immer mehr ein, wird depressiv und erzählt niemanden von Lukas, ihrer Trauer, ihrer Verzweiflung und ihren Gefühlen.

Sie fasst einen Plan und setzt diesen in die Tat um. Zusammen mit ihrem Freund Ole fährt sie in den Ferien für ein paar Tage in den Ort in die Uckermark zum Zelten, in dem Lukas gewohnt hat, um das Grab zu besuchen. Ole erzählt sie zunächst nichts von dem wahren Grund der Reise. Sie wartet auf den passenden Zeitpunkt. Doch dort angekommen, streiten sich immer wieder und Helena schafft es nicht, Ole die Wahrheit zu erzählen. Sie ist viel allein unterwegs. Dabei lernt sie die beiden besten Freunde und das Mädchen, mit dem Lukas zusammen war, kennen und verbringt viel Zeit mit ihnen. Sie sind so ganz anders als die Leute, mit denen Helena sonst ihre Zeit verbringt und haben ein ganz anderes Leben. Helena durchbricht ihren Stillstand und ihre Depression und lernt durch sie viel über Lukas und sein Leben, ihre Trauer und auch sich selbst. Und dann merkt sie: Es ist der Zeitpunkt für sie gekommen, Entscheidungen zu treffen, zu sich selbst zu stehen und zu entscheiden, was sie will und was nicht.

Die Geschichte hat mir wahnsinnig gut gefallen. Sie ist mitreißend, spannend und sehr emotional. Sie greift sehr viele Themen auf: Trauer, Verlust, Familie, Zugehörigkeit, Verlassen sein, aber auch Zusammenhalt, Mut, Respekt, Anderssein und zu sich selbst stehen. Helena ist sehr sympathisch und realistisch beschrieben und dargestellt. Ich konnte die ganze Zeit mit ihr mitfiebern, mitfühlen, mitleiden und mich identifizieren. Auch die anderen Personen sind sehr gut, realistisch und authentisch beschrieben. Ich hatte das Gefühl, ich bin wirklich mit dabei.
Der Sprachstil von Autorin Moira Frank hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Er ist ziemlich locker und ruhig, reißt aber trotzdem mit und schafft eine sehr emotionale und besondere Atmosphäre.

Das Ende war sehr emotional. Die Geschichte hat mich sehr berührt, bewegt und betroffen gemacht. Sie lässt den Leser nicht mehr los. Der Nachhall ist enorm. Ich musste nach dem Lesen die ganze Zeit an die Geschichte, das Ende und die Personen denken und über die Geschichte als Ganzes nachdenken.

Fazit:
Eine besondere, vielschichtige, emotionale, traurige, ernste und tiefsinnige aber auch sehr realistische Geschichte, die mich stark beeindrucken, fesseln und überzeugen konnte. Für Leser, die auch Bücher ohne viel Aktion mögen, absolut empfehlenswert.


*Erschienen bei Randomhouse*

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Autorin / Autor: Kathi - Stand: 02. September 2019