Missing Page - Tödliche Worte
Autorin: Katie Kento
Tori ist von einer erwartungsvollen Freude durchdrungen: Als eine von sechs Jugendlichen wurde sie ausgewählt, an einem exklusiven Schreibseminar im abgelegenen Herrenhaus eines Bestseller-Autors teilzunehmen. Die Aufregung unter den Teilnehmenden steigt noch einmal an, als der Hausherr ihnen eröffnet, dass es sich bei seinem Seminar um einen Wettbewerb handelt, dessen Sieger er als seinen alleinigen Erben benennen wird. Doch es gibt einige Bedingungen: Außer den Teilnehmerinnen und Teilnehmern darf niemand von dem Wettbewerb erfahren - auch seine Hausangestellten nicht. Außerdem verabscheut der Hausherr Smartphone und Laptops. Für ihn geht es beim Schreiben darum, eine echte Verbindung zum Papier aufzubauen. Während sich die anderen Jugendlichen in die Schreib-Aufgaben stürzen, geht es für Tori um mehr als die Möglichkeit, ihr Idol kennenzulernen oder über Nacht reich zu werden. Sie will ein Unrecht korrigieren, das ihrer Familie angetan wurde. Dafür ist sie auch bereit, sich über die Regeln hinwegzusetzen, sollte das nötig sein. Doch als der Gastgeber auf einmal spurlos verschwindet und die Jugendlichen mit den Hausangestellten auf dem Anwesen zurückbleiben, kippt die Stimmung. Warum verhalten sich die Angestellten so seltsam? Und ist Tori wirklich die Einzige mit einer geheimen Agenda? Plötzlich erscheint jeder verdächtig.
"Missing Page" hat mich vor allem neugierig gemacht, weil mir ein Cozy Crime mit Parallelen zu Holly Jacksons Geschichten versprochen wurde. Das Cozy Crime habe ich auf jeden Fall bekommen, wahrscheinlich sogar noch etwas mehr, da der Grusel-Faktor durchaus ausgeprägt ist. Das englische Herrenhaus, der Gärtner und die Köchin, die vielen dunklen Räume und das britische Wetter tragen jeweils ihren Teil dazu bei. Doch im Vergleich mit Holly Jackson kann Katie Kento leider nicht ganz mithalten. Kento baut zwar ebenfalls viele Twists und doppelte Böden ein, doch diese wirken angestrengt und teilweise unnatürlich. Statt Puzzle-Teilen, die mühelos ineinander klicken hat man eher den Eindruck die Teile verschiedener Puzzle vor sich zu haben, die nur mit viel Fantasie und sanfter Gewalt zusammenpassen. Trotzdem ist "Missing Page" durchaus spannend und hat mich gefesselt. Der Schreibstil ist flüssig und nahbar, von jedem Charakter erfahren wir gerade genug, um seine Handlungen einordnen zu können. Auch die Aufmachung des Buches mit aufklappbarem Fenster und düsterem Farbschnitt passt wirklich perfekt zur Handlung und fasst die Gesamtstimmung der Geschichte sehr gut ein. Die Auflösung am Ende hat mich zumindest teilweise mit den etwas schrägen Entwicklungen im Mittelteil versöhnt. Doch der Love Interest für Tori war mir leider wirklich etwas "too much".
Insgesamt ein spannender Thriller mit blutigen Elementen, der zum Miträtseln einlädt. Wer über die ein oder andere etwas abstruse Entwicklung hinweg sehen kann, wird hier wirklich gut unterhalten.
Erschienen bei One
Autorin / Autor: lacrima - Stand: 10.- August 2026