Mirage - Die Schattenprinzessin

Autorin: Somaiya Daud
Aus dem Amerikanischen von Sabine Schilasky

Seit das grausame Volk der Vath Amanis Heimat eroberte, werden die Menschen auf Cadiz von ihnen unterdrückt. Dennoch träumt Amani von einer besseren Welt und hofft, dass irgendwo ein Abenteuer auf sie wartet. Sie hat allerdings nicht damit gerechnet, dass dieses Abenteuer darin besteht, entführt und zum Hof des Vath-Königs verschleppt zu werden. Dort angekommen wird ihr schnell klar, warum man ausgerechnet sie ausgewählt hat: Sie sieht der verhassten Prinzessin Maram, der einzigen Tochter des Königs, verblüffend ähnlich und soll zu deren Schutz in der Öffentlichkeit deren Platz einnehmen - und notfalls an ihrer Stelle sterben. Amani hat keine andere Wahl als mitzuspielen, wenn sie überleben und ihre Familie jemals wiedersehen will …

Meine Meinung
Mit Mirage - Die Schattenprinzessin hat Somaiya Daud einen soliden Reihenauftakt geschrieben, der trotz einiger Schwächen durchaus zu unterhalten vermag, sofern man nicht mit falschen Erwartungen an die Geschichte herangeht. Zunächst sollte man dabei beachten, dass der Roman zwar formal dem Science Fiction Genre zuzuordnen ist, sich die entsprechenden Elemente aber bislang in Grenzen halten. Statt auf einem fernen Planeten bzw. Mond könnte die Handlung genauso gut in einer fiktiven Welt aus dem Fantasy-Bereich spielen, es würde keinen großen Unterschied machen, zumal die Autorin der Beschreibung ihres eigentlich faszinierenden Settings insgesamt noch zu wenig Beachtung schenkt. In dieser Hinsicht hat sie leider Potenzial verschenkt, doch vielleicht erfährt man dann im zweiten Band mehr über die Welt, die sie erschaffen hat.

Im Fokus stehen vielmehr die Ereignisse um Amani im Palast des Vath-Königs. Gegen ihren Willen muss sie als Double der Prinzessin einspringen, die von dem unterdrückten Volk natürlich genauso verachtet wird wie ihr Vater. Es droht ihr jedoch nicht nur Gefahr von den Feinden der Vath, sondern auch aus dem inneren des Palastes, falls sie ihre Rolle nicht überzeugend genug spielt. Demzufolge muss sie verhindern, dass der Verlobte der Prinzessin herausfindet, wer sie wirklich ist. Besonders problematisch wird dies, als Amani beginnt Gefühle für Idris zu entfalten. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist ganz süß, kommt aber etwas zu plötzlich und lässt eine spürbare Entwicklung vermissen.

Letzteres gilt auch für Prinzessin Maram, die erst als grausame Unterdrückerin dargestellt wird, nur um kurze Zeit später ohne sinnvollen Übergang als armes Opfer präsentiert zu werden. Grundsätzlich ist diese Veränderung wünschenswert, sie hätte allerdings verständlicher gestaltet werden müssen, um der Figur mehr Tiefgang zu verleihen und ihr Verhalten wirklich nachvollziehbar erscheinen zu lassen. In die Protagonistin Amani kann man sich dank der Ich-Perspektive hingegen viel besser hineinversetzen und mit der Zeit wird sie einem als Leser immer sympathischer.

Die Handlung ist insgesamt fesselnd, denn auf Amani warten als Doppelgängerin der Prinzessin einige Überraschungen und man fiebert richtig mit ihr mit. Zum Glück endet dieser erste Band nicht mit einem Cliffhanger, er lässt aber immerhin etliche Fragen offen, die neugierig auf die Fortsetzung machen.


Fazit
Obwohl die Autorin an einigen Stellen etwas Potenzial verschenkt hat, ist ihr mit Mirage - Die Schattenprinzessin ein unterhaltsamer Reihenauftakt gelungen, dessen vielversprechende Fortsetzung man sich daher nicht entgehen lassen wird. Womöglich erfährt man dann sogar endlich mehr über die faszinierende Welt, in der die Heldin lebt.


Erschienen bei Heyne fliegt

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    Autorin / Autor: stephie - Stand: 2. Mai 2019