Midnight Girl - Das Lied des Feuervogels

Autorin: Melissa Grey
übersetzt von Eva Müller-Hierteis
ab 12 Jahren

Die siebzehnjährige Echo scheint auf den ersten Blick ein ganz normales Mädchen zu sein, doch dieser Eindruck täuscht. Seit ihrer Begegnung mit der Ala ist die magische Welt der Avicen Echos Zuhause. Die Avicen sind vogelähnliche Wesen, die im Geheimen unter den Straßen Manhattans leben. Echo hält sich durch kleine Diebstähle und Botengänge über Wasser. Als ihr durch eine alte Spieluhr Hinweise auf den legendären Feuervogel in die Hand fallen, ist das der Beginn einer gefährlichen Suche. Denn nicht nur bei den Avicen, sondern auch bei den Drakhari hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Feuervogel den Krieg zwischen beiden Völkern beenden kann…

Meine Meinung
Bereits die ersten Seiten von „Midnight Girl“ haben mir unglaublich gut gefallen. Sie waren nicht nur spannend geschrieben, sondern der Leser wurde hier auch von einer einzigartigen, magisch angehauchten Atmosphäre umgeben.

Natürlich hatte ich erst einmal keine Ahnung, was ich mir unter den „Avicen“  vorzustellen habe. Meiner Ungewissheit hat Melissa Grey jedoch schnell ein Ende bereitet: Die Avicen sind vogelähnliche Wesen, die Federn anstelle von Haut besitzen. Und jeder von ihnen sieht ein wenig anders aus. Der ähnelt einer Eule, der andere einem Adler, Falken oder Pfau. Mit diesen Beschreibungen hat mich die Autorin total in ihren Bann gezogen.
Ich habe Echo wirklich beneidet, dass sie bei ihnen leben darf – auch wenn die Avicen sie nicht als ein Teil ihres Volkes sehen. Echo ist nämlich ein Menschenmädchen, das die Ala, die Seherin der Avicen, vor gut zehn Jahren in einer Bibliothek gefunden und schließlich bei sich aufgenommen hat. Die Ablehnung schmerzt Echo natürlich, doch lässt sie sich davon nicht unterkriegen. Und genau das mochte ich so an ihr. Sie ist ein wirklich taffes Mädchen, das sich von nichts und niemand den Mund verbieten lässt. Alles in allem war Echo eine tolle Protagonistin, weshalb ich es unbeschreiblich schade fand, dass ich bis zum Schluss das Gefühl hatte, dass zwischen ihr und mir eine gewisse Distanz geblieben ist.

Mit Caius, dem Prinz der Drakhari, kam ein weiteres faszinierendes Völkchen hinzu. Die Drakhari stammen nämlich von Drachen ab. Allerdings ist davon in ihrem Äußeren nicht mehr viel zu sehen. Lediglich die Schuppen auf ihren Wangenknochen weisen auf ihren Wurzeln hin. Caius war mir wie Echo sofort sympathisch, da man auf Anhieb gespürt hat, dass er anders als die anderen Drakhari ist. Im Gegensatz zu seiner Zwillingsschwester Tanith verspürt er keinen Hass auf die Avicen. Was der Grund dafür ist, wird von der Autorin immer wieder mal angedeutet.

Die Avicen und die Drakhari verbindet seit Jahrhunderten eine tiefe Feindschaft, die sogar dazu geführt hat, dass der Krieg zwischen ihnen ausgebrochen ist. Und obwohl bereits auf beiden Seiten zahlreiche Opfer zu beklagen sind, scheint kein Ende in Sicht. Durch eine zufällige Entdeckung kommt jedoch der sagenumwobene Feuervogel, von dem es heißt, dass er der einzige sei, der den Krieg zwischen den Völkern beenden kann, ins Spiel.

Der Feuervogel und die Suche danach haben mich zunächst noch mehr an die Seiten gefesselt, da ich echt gespannt war, ob es Echo und/oder Caius gelingen wird, ihn zu finden. Mit der Zeit hat diese Wirkung allerdings etwas nachgelassen. Zwar gab es einige interessante Wendungen, doch die ruhigeren Stellen dazwischen haben sich ziemlich gezogen. Darüber hinaus konnte ich mit den aufkommenden Gefühlen zwischen Echo und Caius leider nicht so richtig was anfangen, da für mich keine Chemie spürbar war.

Mein Fazit
Mit „Midnight Girl: Das Lied des Feuervogels“ ist Melissa Grey ein guter Auftakt zu einer vielversprechenden Trilogie gelungen. Die Geschichte gestaltet sich spannend und abwechslungsreich, wobei mich die Autorin nicht voll und ganz überzeugen konnte. So hätte ich mir beispielweise noch mehr Informationen über die Avicen und Drakhari gewünscht. Die Protagonistin Echo war mir zwar sehr sympathisch, doch habe ich mich bis zum Schluss nicht wirklich verbunden mit ihr gefühlt. Nichtsdestotrotz bin ich sehr neugierig wie es mit ihr (und Caius) in Band 2 weitergehen wird.


Erschienen bei cbj Verlag

Autorin / Autor: riina - Stand: 14. Dezember 2015