Marmor Kuss

Autorin: Jennifer Benkau
ab 16 Jahren

Jarnos größtes Hobby ist die Photographie und dafür begibt er sich auch mal in Gefahr, indem er beispielsweise Orte aufsucht, an denen er eigentlich nichts zu suchen hat. In einer alten Villa hat er auf einmal eine geheimnisvolle Figur aus weißem Marmor vor der Linse und lässt sich nach einigen Photos schließlich dazu hinreißen, die Statue zu küssen.

Dabei hat er allerdings nicht mit der magischen Wirkung dieses Kusses gerechnet. Die Statue erwacht plötzlich zum Leben und ist nun eine lebendige junge Frau. Eine, die offenbar hundert Jahre geschlafen hat und die nichts und niemanden in dieser Welt kennt …

Meine Meinung
Als Märchenfan war ich von Anfang an auf diese Neuinterpretation des Märchens Dornröschen gespannt und wurde nicht enttäuscht, obgleich das Buch ganz anders war als ich es erwartet hatte. Natürlich ist Marmorkuss eine phantastische Liebesgeschichte, denn Jarno und Klara entwickeln schon bald Gefühle füreinander. Darüber hinaus war die Handlung aber überraschend spannend, sodass man das Buch fast schon als Thriller bezeichnen könnte, was mir sehr gut gefallen hat. So war ich stets gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, sobald ich einmal damit begonnen hatte.

Mit Jarno und Klara hat die Autorin Jennifer Benkau zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen liebenswerte und authentische Charaktere erschaffen. Jarnos große Leidenschaft ist die Photographie, und seine Begeisterung dafür ist beinahe ansteckend. Klara sorgte durch ihre verständliche Unwissenheit oft für amüsante Situationen, denn viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind für Klara völlig unbekannt, wie z.B. auch das Internet. Es ist interessant, diese alltäglichen Dinge einmal aus der Perspektive einer Person zu betrachten, für die sie Neuland sind.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Blickwinkeln von Jarno sowie Klara, wobei die Autorin dabei jeweils auf verschiedene Erzählstile zurückgreift. Durch Jarnos Perspektive erfahren wir, was in der Gegenwart passiert; durch Klaras haben wir einen Einblick in ihre Vergangenheit und erfahren, wie ihr Leben damals aussah. Besonders gut gelingen Jennifer Benkau zudem die Übergänge zwischen den beiden Sichtweisen.

Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse dann fast und man kann es kaum noch erwarten zu erfahren, wie die Geschichte endet, zumal Jarno in ziemlich finstere Machenschaften verstrickt ist und man sich fragt, ob und wie er sich daraus wohl wieder befreien wird.

Fazit
Wer Märchenadaptionen mag, die auch mal vom Original abweichen und neue Wege beschreiten, der kann mit Marmorkuss eigentlich nichts falsch machen. Neben der Liebesgeschichte bekommt man als Leser eine spannende Handlung geboten, die dazu noch brillant erzählt ist. Was will man mehr?


Erschienen bei Script5

Autorin / Autor: stephie - Stand: 16. Juni 2016