Letzte helle Tage

Autor: Martyn Bedford
übersetzt von  Katharina Orgaß und Gerald Jung
ab 14 Jahren

Als Shiv mit ihren Eltern und ihrem Bruder Declan nach Griechenland fährt, um dort Urlaub zu machen, ahnt keiner, dass diese Reise ihr aller Leben grundlegend verändern wird. Shiv verliebt sich in den vier Jahre älteren Nikos, und als ihr Bruder verunglückt, gibt sie sich die Schuld an seinem Tod.
Danach ist nichts mehr wie zuvor – ihre Mutter schottet sich ab, ihr Vater beschäftigt sich mit den rechtlichen Dingen, die nach dem Unfall geregelt werden müssen, und Shiv wandert von einem Therapeuten zum nächsten. Doch nichts hilft. Die Korsakow-Klinik verspricht, anders zu sein und Shiv hofft, dass ihr der 60-tägige Aufenthalt dort weiterhilft. Dort findet sie auch schnell Anschluss und freundet sich mit einer anderen Bewohnerin – Patientin – an, Coran. Mit dem kleinen Mikey, der ihr als Partner zugeteilt wird und als einziger nicht wirklich kooperiert und aus der Reihe tanzt, fühlt sie sich ebenfalls irgendwie verbunden und will ihm helfen.
Im Zuge der Behandlung wird Shiv nach und nach immer mehr mit dem Unfall konfrontiert. Das Mädchen muss die Erinnerung zulassen, um zu erfahren, was damals wirklich geschehen ist. War es wirklich ihre Schuld?

Das Buch ist eingeteilt in „Vor Kyritos“ „Kyritos“ und „Nach Kyritos“. Diese drei Zeiten wechseln sich Kapitelweise ab; meistens jedoch spielt der Roman im Jetzt, also in der Klinik, und immer wieder werden Kapitel aus dem Urlaub in Kyritos eingeschoben. Anfangs hat mich das ein wenig verwirrt und sogar genervt, da in den ersten hundert Seiten die Story noch nicht sehr spannend war. Bedford hat für die Erzählung in der Klinik das Präsens gewählt, womit ich mich bis zum Schluss hin nicht wirklich anfreunden konnte. Die Story dümpelt anfangs mehr oder weniger seicht dahin.
Gegen Mitte jedoch wirft sich plötzlich die Frage auf, wie Declan eigentlich genau gestorben ist, und von da an wird es interessant. Dann sind auch die Einschübe aus dem Urlaub gut, da in beiden Zeiten unabhängig voneinander die Spannung gesteigert und durch die Unterbrechung noch mehr geschürt wird.
Einige Stellen gegen Ende hätten meiner Meinung nach noch ein wenig besser ausarbeitet werden können, zum Beispiel was mit Nikos passiert, hätte ich gerne gewusst.
Was noch positiv anzumerken ist, ist der therapeutische Teil. Die Klinik, beziehungsweise die Therapie wirkt von Anfang bis Ende hin authentisch, der Sinn hinter den einzelnen Phasen wird erklärt, da dürfte sich der Autor gut erkundigt haben.
„Letzte helle Tage“ ist für mich ein netter Roman für Zwischendurch gewesen, ich kann ihn an Leute weiterempfehlen, die gerne Bücher mit therapeutischem Hintergrund lesen, oder sich gerne mit Büchern über Verlust befassen. Es hat sich einfach gelesen, nach nur wenigen Stunden hatte ich den Roman durch. Ein zweites Mal würde ich ihn aber wahrscheinlich nicht lesen wollen.

Erschienen bei dtv

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    Autorin / Autor: klexxx - Stand: 5. August 2015