Kreativ beim Einschlafen

Studie: Der Schlaf kann unsere Kreativität beflügeln, zumindest in einer bestimmten Phase

Euch will einfach nichts Geniales einfallen? Das Blatt bleibt leer, die Lösung ist unauffindbar, keine Idee entsprudelt eurem Geist? Dann macht mal fix ein Nickerchen. Vielleicht kommt euch in der ersten Phase des Einschlafens dann die rettende Idee. Denn offenbar ist das eine Phase, die die Kreativität befeuert.

Das haben die Forscherinnen Célia Lacaux und Delphine Oudiette von der Sorbonne-Universität in Paris in einer Studie mit 203 Testpersonen herausgefunden. Sie wollten wissen, ob die Einschlafphase wirklich diesen Effekt hat, den ihr verschiedene Legenden über große Künstler und Wissenschaftler nachsagen. Es rankt sich etwa der Mythos um den Erfinder Thomas Edison, dass ihm  bahnbrechende Ideen just beim Einschlafen gekommen seien. Er soll zum Einschlafen immer ein Objekt in der Hand gehalten haben, dass ihm dann vor Eintreten des Tiefschlafs aus der Hand fiel und weckte, um seine Einfälle festzuhalten. Auch Albert Einstein und Salvador Dali sollen ihre Kreativität durch kurze Schlafphasen stimuliert haben.

Ob das Mythen sind oder der Schlaf wirklich in einer bestimmten Phase große Ideen zu Tage bringt, haben die Wissenschaftlerinnen mit der Lösung von Matheaufgaben untersucht, denn Kreativität ist nichts anderes, als Lösungen für Probleme zu finden – oder eben für Matheaufgaben. Die Testpersonen bekamen also lösbare Aufgaben, die allerdings einer gemeinsamen Regel folgten, die den Testpersonen nicht bekannt war. Alle Personen, die beim ersten Lösen nicht auf die dahintersteckende Gesetzmäßigkeit kamen, wurden eingeladen, ein kleines Schläfchen zu halten. Wie einst Edison sollten sie dabei ein Objekt in den Händen halten.

Die ersten 15 Sekunden der Schlafphase, die auf das Einschlafen folgt, erhöhten die Wahrscheinlichkeit, plötzlich auf die verborgene Lösung zu stoßen, um das Dreifache, stellten die Forscherinnen fest. Dieser Effekt verschwand allerdings, wenn die Teilnehmenden in einen tieferen Schlaf sanken. Die Forscherinnen hatten außerdem erfasst, welche neurophysiologischen Schlüsselmarker in dieser kreativitätsfördernden Schlafphase wirksam werden.

Sie schlussfolgern, dass es also offenbar eine ganz spezielle Phase des Schlafes gibt, die das Zeug hat, unserer Kreativität auf die Sprünge zu helfen. Dafür bräuchte es aber eine perfekte Balance zwischen schnellem Einschlafen, aber nicht zu tiefem Wegschlummern. Diese kleinen Kreativitätsnickerchen wären ein einfaches Mittel, uns im Alltag auf die allerbesten Ideen zu bringen.

In der Vergangenheit wurde die Einschlafphase in der Forschung einigermaßen vernachlässigt, erklärt Oudiette. Zudem würde Schlaf oft als unproduktive Zeitverschwendung betrachtet. Ihre Studie hätte hingegen gezeigt, dass Schlaf für Kreativität essenziell ist. Die Forscherinnen hoffen, dass die Wichtigkeit des Schlafes auch von der Öffentlichkeit wieder stärker wahrgenommen wird.

Für euch heißt es, beim Kreativitätsmangel einfach mal ein Nickerchen machen (dabei nicht zu tief einschlafen). Und wenn Lehrkräfte euch beim Unterrichtsschlaf erwischen, dann habt ihr ja jetzt eine passende Ausrede (und vielleicht auch gleich die richtige Lösung parat).

Die Ergebnisse wurden veröffentlicht im Fachjournal Science Advances.

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Autorin / Autor: Redaktion / Presemitteilung - Stand: 16. Dezember 2021