Ich will das nicht

Autorin: Susanne Fülscher

Dass es keinen seitenlangen Roman braucht, um intensiv und fesselnd eine Geschichte zu erzählen, beweist Susanne Fülscher in ihrem Buch Ich will das nicht. Ihre Hauptfigur Zoe durchlebt eine Zeit, in die sich sicherlich viele der Mädchen aus der Zielgruppe hineinfühlen können. Mitten in der Pubertät und dann auch noch ein Umzug aufs Land. Grund dafür: die Trennung ihrer Eltern. Ohne ihre beste Freundin muss sich Zoe erst einmal in ihrer neuen Schule zurechtfinden. Auch ihr Hobby, das Kunstturnen, musste sie aufgeben. Da kommt es gerade recht, dass Zoes Sportlehrerin sie mit dem Leiter der Zirkus-AG, Timo, bekannt macht. Schon bald fühlt sich Zoe nicht nur in der AG, sondern auch unter ihren Mitschülerinnen aufgenommen. Das neue Leben auf dem Land könnte ihr nun richtig gut gefallen, wäre da nicht das seltsame Verhalten von Timo. Natürlich kommt es während des Turnens in der AG zu Körperkontakt zwischen den Mädchen und ihrem Trainer, doch Zoe fühlt sich zunehmend unwohl. Timos Hände verweilen immer öfter an Stellen ihres Körpers, auf denen sie nichts zu suchen haben. Anfangs versucht sie sich zu beruhigen und das Ganze als Zufall abzutun, doch dann zeigt er immer mehr Interesse an ihr. Die Situation eskaliert, als er sie alleine abfängt und sie sogar in ihrem eigenen Zuhause körperlich bedrängt. Zoe ist völlig schockiert und fühlt sich hilflos, was soll sie bloß tun? Schließlich rückt die Aufführung der AG immer näher, und ihre neuen Freundinnen benehmen sich ebenfalls zunehmend komischer.

Meine Meinung
Einfühlsam aber ohne zu beschönigen, beschreibt Fülscher sexuelle Belästigung im Schulalltag. Dass es dabei meist Vertrauenspersonen der Schüler und Schülerinnen sind, die das Vertrauen ihrer Schützlinge ausnutzen, wird deutlich betont. Ebenfalls vermittelt Fülscher eindringlich, dass sexuelle Belästigung keinesfalls eine bestimmte Gruppe von Mädchen betrifft, sondern jede_r, unabhängig von Ethnizität, Alter oder Herkunft, Opfer sexueller Gewalt werden kann. 
Durch eine klare Sprache und das Verwenden eines Jugend-Slangs, fällt die Identifikation mit der Protagonistin leicht. Durch ihre Sicht erlebt die Leserschaft die Vielzahl der Gefühle, die Opfer von sexueller Gewalt überrollen. Der anfängliche Zweifel darüber, dass es sich niemals um Absicht handeln konnte, alles ein "aus Versehen" war, bis hin zu der Angst, dass man selbst Schuld an seiner Situation trage, indem man den Täter ermutigt habe. Dieses große Gefühlsspektrum integriert Fülscher geschickt in einen nicht abreißenden Spannungsbogen, dessen Ende den Lesern aufzeigt, dass Hilflosigkeit und Verzweiflung in Situationen der sexuellen Übergriffigkeit nur durch eines beendet werden können: Den Mut sich anderen anzuvertrauen. Und das schafft Susanne Fülschers Buch: Es macht Mut. Nicht nur dahingehend, dass es etwas bringt, über sexuelle Übergriffigkeit zu sprechen, sondern auch, dass man niemals alleine ist, möge die Situation noch so aussichtlos scheinen!

Erschienen bei Carlsen Clips

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Autorin / Autor: Ann-Kathrin