High Love

Autorin: Madlen Ottenschläger

Buchcover Malden Ottenschläger: High Love

Die 16-jährige Manja hat eine beste Freundin – Sophie, einen älteren Bruder – Alex und fürsorgliche Eltern. Nach einem Aufenthalt in England wird ihr allerdings klar, dass sich etwas ändern muss. Sie will zu den Angesagten gehören und wie durch einen Zufall spricht ausgerechnet Kati sie an. Kati, die alle mögen. Kati, die Beliebte. Manja wird eingeladen und trifft sich am Nachmittag mit Kati und ihrer Clique am Ufer der Isar. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Samuel, den sie aber erst später näher kennenlernt.

Manja stößt zu Kati und ihren Freunden, zu denen auch Moritz gehört. Es ist Liebe auf den ersten Blick, weshalb es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass sie sich bereits nach dem zweiten Wiedersehen auf Katis Party allein treffen und zusammen sind. Manjas Welt könnte nun perfekt sein. Sie gehört zu den Beliebten, hat einen wundervollen Freund und eine klasse Familie, wenn da nicht das Kiffen wäre. Kati, Moritz und der Rest der Gruppe rauchen Gras und Haschisch, wobei vor allem Moritz stets Manja um Geld anbettelt, um sich neuen Stoff zu kaufen. Sie vertraut ihm und will ihn glücklich machen, weshalb sie nachgibt, doch nach und nach bemerkt sie die Auswirkungen der Drogen und die Aussetzer ihrer Freunde. Da ist es nicht unbedingt hilfreich, dass auch Sophie noch mitmischt.

Madlen Ottenschläger stellt vor allem die Abhängigkeit von Drogen in den Mittelpunkt ihres Buches. Dabei geht sie sowohl darauf ein, wie man an Drogen kommt als auch auf die Auswirkungen. Etwas untergeordnet wurden auch die Thematiken Freundschaft und Liebe eingebunden. Allgemein finde ich, dass das Thema Vertrauen eine wichtige Nebenrolle bekommt, da sowohl Freundschaft als auch Liebe darauf aufbauen und es durch das Einnehmen von Drogen, wie es in diesem Buch der eintretende Fall ist, stark beschädigt, wenn nicht sogar ganz verloren, werden kann.

Das erste, was einem bei diesem Buch auffällt und weshalb ich es auch ansprechend finde, ist das Cover. Es fasst den Inhalt eigentlich sehr schön in einem Bild zusammen. Das nur in Umrissen erkennbare Liebespaar stellt Manja und Moritz dar und das grüne Blatt im Vordergrund die Droge, also das Marihuana. Ihre Beziehung wird stets und ständig überschattet durch das Gras, welches für Moritz so wichtig ist. Das Cover ist also sehr anschaulich gestaltet und man verliebt sich fast in das Buch, ohne es überhaupt gelesen zu haben.

Nun aber zum wichtigen Teil, dem Inhalt. Das Aussehen eines Buches kann noch so fesselnd sein, wenn der Inhalt nicht überzeugt, dann hat es trotzdem verloren.

Leider haben sich meine Vorstellungen nicht ganz erfüllt. Ich persönlich hatte Probleme, mich in die Hauptperson einzufühlen. Das begann bereits auf den ersten Seiten, als klar wurde, dass Manja zu den Beliebten gehören möchte. Warum genau, das wurde aber unterschlagen. Es gibt viele Menschen, die gar nicht im Mittelpunkt stehen wollen, warum will ausgerechnet Manja zu den Beliebten gehören? Nach einem holprigen Start verstand ich dann aber doch allmählich das Verhalten der Hauptperson und der Spaß am Lesen stellte sich ein.

Obwohl nicht jede Entscheidung so recht nachvollziehbar gewesen ist und auch die ein oder andere Frage offen blieb, konnte ich immer mehr mitfühlen. Wäre ich an Manjas Stelle, hätte ich das ganze wohl eher beendet und Moritz verlassen, bevor es zu spät war, aber jeder Mensch und somit auch jeder menschliche Buchcharakter reagiert und fühlt anders.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin noch ein wenig mehr auf die Auswirkungen von Drogen eingegangen wäre. Sie hat zwar sehr viele, mitunter erschreckende Folgen eines regelmäßigen Konsums eingebaut, aber sie wurden meiner Meinung nach zu leicht abgetan. Meist wurde das ganze nach zwei, drei Seiten wieder fallen gelassen und selten wieder aufgegriffen, was eigentlich schade ist. Man hätte sicherlich die Sorgen, die sich Manja macht, noch ein wenig detaillierter betrachten können. Andererseits wurden diese Aussetzer aber auch wieder als „normal“ für Moritz und Kati dargestellt, was vielleicht auch nicht so richtig gewählt wurde, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eltern vom Kiffen ihrer Kinder so gar nichts mitbekommen sollten, zumal sie die Drogen auch noch im Zimmer haben.
Allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang das Ende sehr positiv hervorheben. Die Autorin hat sich entschieden, es offen zu lassen. Zum einen hat sie damit die Chance auf eine Fortsetzung, die ich ebenfalls lesen würde, und zum anderen regt sie damit den Leser an, sich Gedanken zu machen. Der Leser wird aufgefordert, sich mit der Problematik zu beschäftigen und sich zu fragen, was er machen würde. Wie er sich entscheiden und verhalten würde.
Wen nun noch interessiert, wie es mit der Spannung aussieht, den kann ich beruhigen. Die Autorin hebt sich den Schock, also die schwerwiegendste Folge, bis zum Schluss auf und überrascht damit noch einmal den Leser.

Zuletzt möchte ich noch kurz auf den Schreibstil eingehen.
Er ist jugendgerecht und leicht zu lesen. Trotz der nicht ganz leichten Thematik ist die Geschichte an sich gut verständlich. Es wurden keine Fach- oder Fremdwörter benutzt und wenn doch, wurden sie sofort erklärt. Die Kapitel waren teilweise etwas kurz, aber für Jugendliche, die wenig lesen, wiederum sehr passend.

Alles in allem muss ich, trotz der scheinbar umfangreichen Negativpunkte, sagen, dass das Buch recht gelungen ist. Die Autorin hat sich sichtlich bemüht den Jugendlichen die Gefahren des Kiffens aufzuzeigen, ohne belehrend zu wirken. Man merkt, dass sie sich wirklich bemüht hat, alles ausführlich zu recherchieren und dass ihr das Thema wichtig ist, zeigt meiner Meinung nach auch der Anhang, in dem Internetseiten zum Thema Sucht und Entzug sowie das Erkennen einer Abhängigkeit angegeben sind.

Ein lesenswertes, informatives Jugendbuch

Erschienen bei Carlsen

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Autorin / Autor: unforgettable - Stand: 3. Februar 2014