Hier stirbt keiner

Autorin: Lola Renn

Buchcover Hier stirbt keiner

Zu Beginn des Sommers steht Annika vor einem Scherbenhaufen. Zuhause das ständige Streiten ihrer Eltern, mit dem sie alleine ist, seit ihr Bruder seine Sachen gepackt und nach Amerika geflogen ist. Ihrer besten Freundin Theresa kann sie sich nicht mehr so recht anvertrauen – die würde sie ja sowieso nicht verstehen, und zu Chris, dem besten Freund ihres Bruders, entwickelt sie auf einmal tiefere Gefühle, mit denen sie auch nicht wirklich umzugehen weiß.
Das ist das Grundgerüst zu Lola Renns Jugendroman "Hier stirbt keiner", einem durchaus interessanten, wenngleich nicht ganz gelungenem Jugendbuch. Zwar ist die Balance zwischen zarten romantischen Banden und Familienkrise sehr gut abgewogen, jedoch kann der Roman in Tiefe, Lebendigkeit und Sprache nur wenig überzeugen.

Der Stil ist weitgehend nüchtern und unpassend sachlich, es fällt schwer, einen Zugang zu finden, und Annika selbst bleibt ein flach gezeichneter, substanzloser Charakter. Sie hat durchaus eine Persönlichkeit, aber die wirkt nur in wenigen Momenten, besonders in ihrer Unsicherheit Chris gegenüber, auch tatsächlich greifbar. Ansonsten bleibt sie eher bleich, ein wenig lieblos und definitiv kein Charakter, in den man sich hineinversetzen kann. Umso ärgerlicher, da die Idee des Romans und der nüchterne Stil in Kombination viel Potenzial aufweisen.
Da man sich schlecht in Annika als Protagonistin und Erzählerin der Geschichte versetzen kann, wird das Lesen zu einem zähen und weitgehend substanzlosen Zeitvertreib.
Der einfache Satzbau und umgangssprachliche Formulierungen sollen wohl an Jugendsprache erinnern, wirken stattdessen eher gewollt und unglaubwürdig.
Dem entgegen steht leider wenig – im Großen und Ganzen ist es verschenktes Potenzial.

Erschienen bei Fischer

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 25. Juli 2017