Herzdenker

Autor: David  Arnold

In dem Roman "Herzdenker" von David Arnold geht es um nichts Geringeres als die ewige Liebe, Loyalität, echte Freundschaft, was "Zuhause" bedeutet, das Möbius-Syndrom, die "Theorie der simultan-diamentralen Gegensätze", Kunst im engeren und weiteren Sinne, über das Überwinden von Verlusten und Rückschlägen im Leben und wie man daran wächst, Vorurteile in ihren zahlreichen Facetten, vom Alt-neu-Sein, "Spitzenrennpferden", seitlichen Umarmungen und Rückgrat zeigen, Aus- und Abgrenzung, Wegschau-Mentalität, Verlogenheit, die Bedeutung ein Flüchtling zu sein und Kriegstraumata. Vieles, auch vermeintlich "schwere Kost", das dennoch mit spielerischer Leichtigkeit und Fabulierfreude, Situationskomik und Humor, großer Erzählkunst gepaart mit starker Einfühlsamkeit und Lebensweisheit, wie man sie oft in den Erzählungen Jack Londons findet, zu einem homogenen Ganzen und Gesamtkunstwerk vereint wurde.

Arnold, der mal als Grundschullehrer gearbeitet hatte und heute in Kentucky mit Frau und Kind als Autor lebt, versteht es, uns LeserInnen etwas Wesentliches mit auf unseren Lebensweg zu geben: Nämlich auf das, was wirklich zählt im Leben zu hören - und damit auch und vor allem auf unser "Bauchhirn", sprich unser Herz und nicht nur auf den Verstand, der - bei all seiner Klugheit - nicht immer der perfekte Wegweiser ist. Und dass wahre Freunde in der Not mit nichts aufzuwerten oder gleichzusetzen und damit unbezahlbar sind.

David Arnold entführt uns in seinem Buch "Herzdenker" in eine Welt, in der Phantasie, Gedankenwelt und Realität derart miteinander verwoben sind, dass sie sich zu einer anregenden Einheit vereinen und uns seelisch bereichern können. Der Begriff "Herzdenker" wurde laut Vic von seinem Vater geprägt
und meint all jene Menschen, die mehr mit dem Herzen denken und so erkennen können, was sie selbst und andere mit dem Verstand allein nicht erfassen können.

Herzdenker ist ein Appell an unser aller Gewissen, unsere bourgeoise Verlogenheit und Wegschaumentalität gegen Rückgrat-Zeigen einzutauschen, sich nicht mit oberflächlicher Schönheit abzufinden oder an ihr allein festzuhalten und Aus-/Abgrenzung weder im eigenen Alltag noch in dem anderer  zuzulassen. Es ist gleichzeitig eine Hommage an die echte, ewige Liebe und an die Kraft der Freundschaft und Treue, mit deren Hilfe sich alles überwinden lässt.
Humorvoll, aber auch von schonungsloser, berührender Offenheit, Ehrlichkeit und Herzlichkeit ist dieser Roman, ein wahrer Gral des Herzens.
Es ist ein Buch für Kopf- und Herzdenker gleichermaßen - und all jene, die Letzteres werden wollen.

Darum geht´s:
Victor Benucci III., jugendlicher Protagonist, der erst vor Kurzem seinen Vater verloren hat, reißt von daheim aus und trifft auf eine Gruppe Wohnungsloser in ähnlichem Alter, die ihm ein Gefühl von Familie und Geborgenheit vermitteln. Er weiß auch, dass er die Weichen für seine Zukunft -  und damit einhergehend, wo und wer sein Zuhause darstellt - jetzt stellen muss.  Er verliebt sich (in Mad), muss zahlreiche Aufgaben für sich, andere und mit ihnen lösen und erkennt dabei den Wert wahrer, tiefer Freundschaft und Liebe; wie man mit vereinten Kräften schier unüberwindbare und hässliche Seiten des Lebens meistern kann, ohne sich selbst dabei zu verbiegen.
Und am Ende wird nicht nur die Frage nach einem Mord aufgelöst, dessen Ablauf man so wirklich nicht erwartet hätte...(und es war nicht der Gärtner ;-)), sondern es wendet sich alles zum Guten.

Fazit: Herzdenker finden immer eine Lösung, die für alle Beteiligten akzeptabel, gut, gerecht und vorteilhaft ist. Dieses Buch ist nicht allein für Jugendliche geschrieben - auch wenn es ein Jugendbuch ist, denn was es uns zu sagen hat, ist von Wert und daher auch wert, von Leuten weit jenseits der 18 gelesen zu werden. Denn strahlende Gedanken haben keinen Gradmesser der Zulässigkeit.
Die läppischen paar Hundert Seiten sollten niemanden schrecken, dieses Wunder von einem Buch zu lesen. Ich kann es getrost weiterempfehlen! Nicht umsonst ist es auf der Bestsellerliste der N.Y. Times Book Review.
Einziges Manko: Zu Beginn des Buches wirkt die Sprechweise Vics für einen Jungen seines Alters arg gestelzt, so dass ich beinahe den fatalen Fehler begangen hätte, es für immer beiseite zu legen, doch ich war ja in die Pflicht genommen, zu rezensieren... was für ein Glück! 
Bemerkenswert finde ich, dass der Autor phasenweise mal in jene, mal in die andere Gedankenwelt seiner Figuren Einblick gewährt, sodass man ein und dieselbe  Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und sehen kann, wie unterschiedlich ein und dieselbe Situation von Menschen wahrgenommen wird und Wahrheit damit immer auch etwas rein Subjektives bleibt, egal wie sehr wir sie an Daten und Fakten festmachen wollen.


Erschienen bei Arena

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Autorin / Autor: Roswita - Stand: 3. Juli 2018