Hellwach

Autorin: Hilary Smith
übersetzt von Jenny Merling
ab 14 Jahren

Kiris Eltern sind im Urlaub und auch der große Bruder ist aus dem Haus. Perfekte Voraussetzung um in Ruhe für einen Musikwettbewerb zu üben und ihrem Kumpel Lukas zu zeigen, dass sie mehr als nur seine Bandkollegin sein will. Doch als sie einen Anruf von einem Fremden bekommt, beginnt alles aus dem Ruder zu laufen. Doug, der sie angerufen hat, ist ein Freund von ihrer verstorbenen Schwester Sukey und er hat noch Sachen von ihr, die Kiri abholen soll, sonst landen sie im Müll. Also schwingt sich Kiri auf ihr Fahrrad und wappnet sich gegen die Vergangenheit ihrer Familie.

Das Debüt von Hilary Smith wird als "Feel-Good-Roman"  beworben, was jeder, der sich für das Buch interessiert, vergessen sollte. Hier geht es um Alkohol, Drogen, Psychosen, Exzesse, Tod und Trauer. Zusammen mit Kiri wird man in eine Gefühlsachterbahn geschnallt, die Kiri seit dem Anruf von Doug durchlebt. Dabei wechselt das Gefühlchaos so schnell zwischen absoluter Euphorie und auffressender Traurigkeit hin und her, das es für mich schwierig war, einen Draht zu ihr aufzubauen. Dieses Auf und Ab wurde zum Ende hin immer anstrengender, da Kiri immer mehr selbstzerstörerische Züge annahm, die weit entfernt von einem "Feel-Good-Roman" waren.  Die ganze Zeit habe ich mir eine Freundin für sie gewünscht, die sie in ihrer extremen Gefühlslage unterstützt. Doch es gab niemand. Obwohl es natürlich noch Nebencharaktere gibt, ist sie im Grunde alleine, was das Buch noch schwermütiger macht. Skunk, ein Junge den Kiri zufälligerweise kennenlernt, übernimmt diese Rolle kurzzeitig, ist aber letzten Endes ebenfalls ein Faktor, der Kiri weiter ins Gefühlschaos stürzt.

Dabei weiß die Autorin genau, wie sie dem Leser das Gefühlschaos von Kiri näher bringt. Ihr Schreibstil sorgt dafür, dass es immer wieder poetische Momente gibt, die so treffend Kiris Gefühle beschreiben. Dazu passen auch die Themen Kunst und Musik, die als roter Faden durch das Buch gezogen werden und eine Art Soundtrack erzeugen. Ob Kiri mit ihrer Band auf der Bühne rockt oder sie zu Hause am großen, schwarzen Flügel Beethoven spielt und dabei an das Bild denkt, was Sukey für sie gemalt hat.

"Hellwach" hebt sich vor allem durch die Charaktere von dem grauen Einheitsbrei ab, die dafür sorgen, dass die Geschichte im Gedächtnis bleibt. Wer hier mit den richtigen Erwartungen heran geht, kriegt einen schwermütigen und auf seine Weise extremen Roman geliefert.


Erschienen bei FJB

    Autorin / Autor: livvy - Stand: 1. Juni 2015