Hazelthorn

Autorin: CG Drews
Übersetzt von: Britta Keil

"Hazelthorn" ist ein düsterer, queerer Jugendroman mit Horrorelementen von CG Drews. Die Autor*in selbst ist nichtbinär und im autistischen Spektrum.

Ein geheimnisvoller Mord.
Zwei eigenwillige Jungen.
Und ein monströser Garten.

Es gibt drei Regeln in Evanders Leben: Verlasse niemals das Hazelthorn-Anwesen. Betritt niemals den Garten. Und vor allem sei niemals wieder allein mit Laurie. Dabei ist Laurie doch so charmant; von seinem Versuch, Evander umzubringen, mal abgesehen. Als der reiche Vormund der Jungen stirbt, erbt Evander unvorhergesehenerweise dessen beträchtliches Vermögen und das riesige gotische Anwesen. Doch etwas ist faul im Hause Hazelthorn. Evander ist sich sicher, es war Mord; und Laurie ist der Einzige, der ihm helfen kann, den Täter zu finden. Und das besser schnell, denn der verwilderte Garten streckt bereits seine Ranken in Richtung Hazelthorn Manor aus. Und er hat Hunger.

Das Vorwort hat mich sehr überrascht, denn hier ist bereits die Rede davon, dass "Hazelthorn" von einer queeren, autistischen Wut erzählt, und davon, wie es sich anfühlt, in den Abgrund gestoßen zu werden. Ein für mich vielversprechender Einstieg. Das Setting mit Hazelthorn Manor war für mich ein Highlight, da ich alte Häuser und gruselige Anwesen in Kombination mit verwilderten Gärten sehr mag. Die ersten Kapitel erzählen dann von einem Jungen, der abgeschottet auf dem Hazelthorn-Anwesen lebt. Evander lebt nach Regeln, die andere für ihn aufgestellt haben. Er kämpft viel mit Unsicherheiten und Ängsten. Überrascht hat mich das nicht, wo er seine Zeit in einem Zimmer eingesperrt verbringt. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Zimmertür plötzlich nicht mehr verschlossen ist.

Evander darf das Haus nicht verlassen und den Garten nicht betreten. Außerdem ist es ihm verboten mit Laurie alleine zu sein, dem Enkel seines Vormunds, der ihn vor einigen Jahren beinahe getötet hätte. Diese Regeln werden natürlich nicht lange befolgt, nachdem die Türe offen ist. Zudem kommt es zum Tod des Vormunds. Die Handlung entfaltet sich nach und nach und versteht es, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Gänsehautfeeling ist hier garantiert.

Mit "Hazelthorn" ist es CG Drews aus meiner Sicht erneut gelungen, eine Geschichte zu schreiben, die mich in ihren düsteren und atmosphärischen Sog gezogen hat. "Don't Let The Forest In" hatte mir schon sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist sehr bildhaft, düster und poetisch. Die Beziehung zwischen den Charakteren entwickelt sich mit der Zeit. Evander hat eine ganz besondere Wahrnehmung der Welt, verspürt Zweifel ob seiner eigenen Erinnerungen. Laurie hingegen wirkt mysteriös.

Was ich noch besonders hervorheben möchte ist, dass auch in diesem Buch wieder einige Zeichnungen enthalten sind. Es sind nicht viele, aber für mich ist das ein weiteres Highlight.

"Hazelthorn" ist eine melancholische, unheimliche und emotionale Geschichte, die noch lange nach dem Lesen im Kopf bleibt. Wer "Don't Let The Forest In" gelesen hat oder generell Gothic-Romane mag, wird bei "Hazelthorn" sicher auch nicht enttäuscht sein. Von meiner Seite gibt es zumindest eine klare Leseempfehlung.


Erschienen am 29.04.2026 bei Fischer Sauerländer

Autorin / Autor: zonneschijn - Stand: 7. August 2028