Hans sticht in See

Autor: Øyvind Torseter
Maike Dörries (Übers.)

Die Graphic Novel „Hans sticht in See“, ein bunter Bilderrausch, lässt Kinder- und Erwachsenenaugen gleichermaßen aufleuchten.
Hans, ein langnasiger Taugenichts mit zwei linken Händen, hat soeben erneut seinen Job verloren. Als er bekümmert vor seiner Wohnungstür steht, muss er feststellen, dass diese verkauft und all sein Hab und Gut im Pfandhaus gelandet ist. Um die 70.000 Kronen für die Auslösung seines Eigentums aufzubringen, sticht er kurzerhand mit einem Milliardär in See.
Dieser ist auf der Suche nach dem größten Auge der Welt, um seine Sammlung zu vervollständigen. Doch die Reise birgt einige Gefahren und überraschenderweise einen blinden Passagier. Von einer Begegnung mit seltsamen Meereswesen zur anderen hangelnd, manövriert sich Hans über das Meer, durch Stürme, bis er letztendlich eine Insel erreicht, die das lang ersehnte Auge zu verstecken scheint.

Die fantasievollen Bilder, eine Symbiose aus leuchtenden Farbflächen und detaillierten Graphiken, ziehen wie in einem Zeichentrickfilm an einem vorbei. Allerdings mit dem positiven Unterschied, dass es hier Zeit gibt, auf einer Seite zu verweilen, solange man möchte. Und solcherlei Gelegenheiten bieten sich hier viele, etwa, um in dieser oder jener Ecke noch ein verstecktes Detail zu finden, über das man unwillkürlich schmunzeln muss oder um das treffsichere Gespür des Autors und Zeichners für die karikativ anmutenden Gestalten zu bewundern.

Die Geschichte kann einfach als ein fantasievolles Abenteuer gelesen werden, aber sie thematisiert auch plötzlichen Verlust und Klassenunterschiede. Der Protagonist Hans weckt unweigerlich Mitgefühl für die Pechvögel und schwarzen Schafe in unserer Gesellschaft. Man fragt sich, was wäre, wenn ich eines Tages vor verschlossenen Türen stehen würde, mit dem Wissen, all mein Hab und Gut verloren zu haben? Wohin würde es mich verschlagen? Wie vielen Seemännern ging es wohl genauso wie Hans? Was bewegt einen Menschen in See zu stechen? Ist es Abenteuerlust? Armut? Perspektivlosigkeit? Die Liebe zum Meer?

Denn das Meer soll natürlich nicht unterschlagen werden.
Zu kurz kommt es definitiv nicht bei Øyvind Torseter. In vielen blauwilden Zeichnungen wird dieses große, geheimnisvolle Wunder sowohl unter als auch über der Oberfläche abgebildet.
Der Entdeckergeist, ganz im Sinne von Jules Vernes wird in einem geweckt.
Selbst die obligatorische Lovestory kommt neben Abenteuerroman und subtiler Gesellschaftskritik nicht zu kurz.
Und so erwartet einen selbstverständlich ein Happy End auf der letzten Seite.
Habe ich jetzt zu viel verraten?
Sicher nicht, denn viel besser, als sich von jemandem die gelungenen Bilder beschreiben zu lassen, ist es, sie sich einfach selbst anzusehen.
Die Graphic Novel erschien im Deutschen erstmals 2019 im Gerstenberg Verlag und kostet 26 Euro.


Erschienen bei Gerstenberg

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Autorin / Autor: Milena - Stand: 19. Februar 2019