Gone Cat – Die stumme Zeugin

Autor: Sam Gasson
übersetzt von Ann-Kathrin Schwarz

Eines vorweg: Gone Cat - Die stumme Zeugin, ist nicht die Fortsetzung des US-amerikanischen Bestsellers Gone Girl, sondern ein britischer Detektivroman mit viel Situationskomik und skurrilen Charakteren.

In einem beschaulichen englischen Dorf spielen sich zwischen Mr. Simmers Süßigkeitenladen und den umliegenden Häuserzeilen merkwürdige Dinge ab - und mitten drin Familie Raw: Erst verschwindet ihre Katze Mildred spurlos, und dann wird auch noch die Nachbarin und Familienfreundin ermordet. Die drei stellen sich diesen Herausforderungen und nehmen die Ermittlungen auf.

Vater John Raw ist ein Privatdetektiv mit Leib und Seele, der seinen Beruf aus Gesundheitsgründen aufgeben hat, dennoch seine Finger noch nicht ganz davon lassen kann und sich geschickt in die Mordermittlungen einmischt. Er hat seinem elfjähriger Sohn Bruno die Spürnase vererbt. Dieser versucht zunächst anhand der GPS-Daten des Kamerahalsbandes die geheimen Wege seiner Katze Mildred zu verfolgen. Als sich diese sich mehr und mehr mit den polizeilichen Ermittlungen kreuzen, mischt der Knirps auch hier mit. Mutter Gwen verfolgt das Treiben ihrer Männer zwar mit Sorge, ganz entziehen kann sie sich dem jedoch nicht und trägt durch ihre psychologischen Schlussfolgerungen und mentale Unterstützung ihren Teil zur Aufklärung bei.

Sam Gassong gelingt mit seinem Debütroman Gone Cat eine kurzweilige, unterhaltsame Geschichte, die keine Langeweile aufkommen lässt. Mitunter wirken Handlung und Charakterzüge zu konstruiert. So kauft man Bruno seine elf Jahre nicht ab: Auf der einen Seite schaut er sich ein Video der Tatnacht ohne mit der Wimper zu zucken an und verhält sich und spricht mit der Polizei wie ein Erwachsener. Auf der anderen Seite ist er kindlich-naiv und macht Anstalten, nachts zu seinen Eltern ins Bett zu kriechen. Diese zwei Pole sind zu weit von einander entfernt, um glaubhaft einer Person zugeschrieben werden zu können. Auch in den Formulierungen holpert es mitunter gewaltig. Sätze wie „Systematisch sucht Jim unter allen Küchenschränken, falls etwas heruntergefallen und dorthin gerollt war.“ (93), rufen jedenfalls bei mir Schmerzen ähnlich einer Zahnwurzelbehandlung hervor. Alles drei mag der Ursache geschuldet sein, dass es sich um Gassongs Erstlingswerk handelt.

Fazit
Das schnelle Tempo, die liebevollen Formulierungen und der feine britische Humor machen Gone Cat zu einem unterhaltsamen Roman und insbesondere von Bruno kann man als Leser noch einiges lernen - oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Um ein Verbrechen aufzuklären, muss man wie eine Katze denken- alle Sinne in höchster Alarmbereitschaft“. (344)

Erschienen bei Egmont-LYX Verlag

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Autorin / Autor: L.M. - Stand: 27. Mai 2016