Für immer Blue

Autorin: Amy Harmon
übersetzt von Frauke Lengermann

Blue ist 20 Jahre alt und fast fertig mit der High School. Darüber ist sie auch ziemlich froh, denn eigentlich gibt es kaum etwas, das sie und ihre Mitschüler verbindet. Blue kleidet sich aufreizend, schminkt sich auffällig und provoziert gerne. Sie ist das, was man gemeinhin ein Flittchen nennen würde. Doch Blue ist es egal, was die Leute über sie sagen. Sie hat größere Probleme, denn sie befindet sich in einer Art permanenten Identitätskrise. Als sie zwei Jahre alt war, hat ihr Mutter sie einfach am Straßenrand ausgesetzt. Ein indianischer Trucker, sein Name ist Jimmy, hat Blue daraufhin bei sich aufgenommen und sich von da an um sie gekümmert. Als dieser jedoch etwa 10 Jahre später verstirbt, muss Blue sich wieder ein neues Zuhause suchen. Die Polizei macht Jimmys Schwester, Cheryl ausfindig und liefert Blue dort ab. Seitdem lebt Blue dort; in Cheryls viel zu kleiner, verdreckten und verrauchten Wohnung. Cheryl kümmert sich kaum um Blue, stattdessen arbeitet sie viel und bringt jeden Abend einen anderen Mann mit nach Hause.

Blue fühlt sich heimatlos und entwurzelt. Sie weiß nicht, was sie nach der High School mit sich anfangen soll oder wie lange sie noch bei Cheryl leben kann, oder besser gesagt will. Während ihrem letzten Jahr auf der High School bekommt Blue einen neuen Geschichtslehrer: Darcy Wilson. Er ist eine Art Überflieger aus England, erst 22 Jahre alt und hat einen knuffigen Akzent. Sofort wird er zum Liebling aller Schüler, nur Blue will sich auch von ihm nichts vorschreiben lassen und legt auch bei ihm ihre gewohnt rockig-rebellische Art an den Tag. Doch Mr Wilson ist ein besorgter und aufmerksamer Lehrer: Schon bald merkt er, dass Blues Leben aus dem Ruder zu laufen droht, und wird zu ihrem Fels in der Brandung.

Insgesamt ist Blues Geschichte eine Art Crossover von „Juno“ und „Liberal Arts“. Neben ihrer Identitätsfindung und ihrer Adoleszenz spielen auch ihr Privatleben sowie die sich entwickelnde Beziehung zu ihrem Lehrer Mr Wilson eine Rolle. Dadurch gestaltet sich die Geschichte trotz der überschaubaren Anzahl an Hauptcharakteren abwechslungsreich und man hat nicht das Gefühl, dass es sich „nur“ um die Nacherzählung von Blues Leben handelt. Durch einige recht überraschende Wendungen ist das Buch durchaus unterhaltsam und auf jeden Fall angenehm zu lesen. An manchen Stellen passieren entscheidende Wendungen jedoch etwas zu schnell und werden kaum ausgeführt. Dadurch fühlt man sich als Leser manchmal etwas vor den Kopf gestoßen, dieser Eindruck verfliegt jedoch schnell wieder. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, er lässt sich flüssig lesen und verzichtet auf unnötig lange Schachtelsätze. An vielen Stellen ist der Text reich an Metaphern, die Blues Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen. Einige Metaphern tauchen immer wieder auf und scheinen den Leser so durch das gesamte Buch zu begleiten. Einzig die Übersetzung wirkt an manchen Stellen etwas unpassend, so gehört zum Beispiel das Wort „Muffelkopf“ definitiv nicht zu meinem aktiven Wortschatz. Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen, es ist eine angenehm romantische Coming-Of-Age-Story, die den Leser zugleich bezaubert und mit Blue mitfühlen lässt. 

Erschienen bei INK Egmont Verlag

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Autorin / Autor: lacrima - Stand: 26. Oktober 2015