Für eine Nacht sind wir unendlich

Autorin: Lea Coplin

Durch Zufall laufen sich Liv und Jonah auf einem der größten Festivals weltweit mehr als nur einmal über den Weg, fast wie ein Wink des Schicksals, als müssten sie den letzten Festivaltag gemeinsam verbringen. Und da beide in gewisser Weise auf der Flucht zu sein scheinen und dringend Ablenkung brauchen, tun sie das auch. Einfach so, ganz unverbindlich, nur für diese eine Nacht.

Meine Meinung
Auf den ersten Blick haben mir die beiden Protagonisten wirklich sehr gut gefallen und ich konnte mit ihnen mitfiebern. Allerdings kam mir Jonah im laufe des Buches als Charakter immer mehr unsauber ausgearbeitet vor; er denkt, handelt und beschreibt sich widersprüchlich. Natürlich kann eine Figur ihr Handeln und bestimmte Denkweisen im Laufe ihrer Geschichte verändern. Dazu braucht es einen Auslöser, der sich hier allerdings - wenn überhaupt- nur undeutlich benennen lässt. Jonah verändert seine Denkweise, seinen Willen und sein Handeln zu sehr, als dass es glaubwürdig erscheinen könnte.
Wie oben erwähnt treffen sich die beiden auf einem Festival, was abgesehen von der Masse der Menschen kaum zur Geltung kommt. Da hätte man meiner Meinung nach noch mehr raus holen können.
Zudem werden im Buch einige extremere Themen wie Misshandlung oder Magersucht angesprochen, auf die man eventuell durch eine Triggerwarnung hätte aufmerksam machen müssen. Dafür, dass das Buch als Jugendbuch verkauft wird, werden diese Themen meiner Meinung nach auch zu negativ beschrieben. Natürlich will man Realität und keine Beschönigungen, allerdings zählt zu dieser Realität auch, wie die Protagonisten mit einer solchen Situation umgehen sollten und eventuell auch, wo sie sich Hilfe suchen könnten. Gerade in einem Jugendbuch wäre mir das wichtig, einfach um Mut zu machen, auch wenn es nur in einem Anhang erwähnt würde.

Nichts desto trotz schreibt Lea Coplin in einem angenehmlesbaren Schreibstil, der einen ständig dazu anregt weiter zu lesen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt, so dass man schnell merkt, wie schwierig es den beiden fällt, voneinander Abstand zu halten. Ihre Gedanken dabei sind wirklich sehr interessant mitzuerleben.

Auch wenn mir im Nachhinein einige Punkte durch den Kopf gegangen sind, die mich an den Protagonisten und dem Umgang mit sensiblen Theman gestört haben, hatte ich Spaß beim Lesen. Es wird zu keiner Ziet langweilig und die Geschichte nimmt an sich wirklich einen schönen Lauf.
Eine Sommerlektüre für zwischendurch. 

Erschienen bei dtv

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Autorin / Autor: Paula - Stand: 7. August 2020