Four Dead Queens

Autorin: Astrid Scholte
Übersetzt von: Diana Bürgel

Keralie ist schnell. Und das muss sie auch sein, wenn sie ihre Finger in den Taschen fremder Menschen versenkt, um eine Uhr, ein Comm Case oder ein Messer herauszuziehen. Meist macht sie das für ihren Arbeitgeber, Mackiel. So auch dieses Mal, als sie einem eonistischen Boten ein CommCase mit CommChips (Erinnerungschips) abnehmen soll.
Diese Technologie kommt, genau wie der Bote Varin, den sie bestehlen soll, aus Eonia. Das ist einer der vier Quadranten in Quadara, dem Kontinenten, auf dem die Geschichte spielt. Nach heftigen Streitereien wurde das Land in vier Regionen unterteilt: Eonia im Norden arbeitet an technischen Entwicklungen und treibt die Forschung voran. Kinder die hier geboren werden, werden von ihren Familien getrennt und müssen lernen, ihre Gefühle zu unterdrücken. Toria, der Quadrant aus dem Keralie stammt, ist die Region der Händler_innen, ein Volk, das immer neugierig ist und alles Fremde erkunden möchte. Außerdem sind da noch die landwirtschaftlich genutzte Insel Archia, auf der Elektrizität verboten ist und die die Kornkammer für ganz Quadara darstellt und Ludia, die Region der Künstler_innen, die in Prunk und Feierlichkeiten schwelgen.
Regiert werden die vier Bezirke von den vier Schwesterköniginnen. Sie herrschen jede für sich über ihren Quadranten und doch alle gemeinsam über Quadara.

Keralie kümmert sich eigentlich wenig um die Königinnen, bis Varin in dem Auktionshaus auf der Jetée auftaucht und es zu einem Handgemenge zwischen Varin, Mackiel und ihr selbst kommt. Ihr angeblich bester Freund und Auftraggeber zeigt sich dabei von seiner fiesesten Seite, und um ihre eigene Haut zu retten, schluckt die Diebin die Erinnerungschips. Und wird Zeugin, wie die vier Herrscherinnen Quadaras ermordet werden. Ab da kommt es zu einem Wettlauf von Keralie und Varin gegen die Zeit, gegen Mackiel und gegen den unbekannten Attentäter, der die vier Herrscherinnen des Matriarchats ermordete…

Meine Meinung
Die Geschichte von Astrid Scholte hat mich positiv überrascht. Quadara erinnert an eine Mischung aus Game of Thrones und Science Fiction. Während in dem einen Quadranten noch alles per Hand gemacht wird, existieren in dem anderen Technologien, die der Zukunft entsprungen scheinen. Dieser reizvolle Kontrast spiegelt sich auch in den Charakteren und kommt besonders durch die Erzählstruktur des Romans zum Tragen. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Keralie (in der Ich Perspektive) und aus der einer der Königinnen geschrieben, wobei diese rotieren. Was zunächst verwirrend klingt, funktioniert als Roman überraschend gut. So erhält man Einblick in das Leben der geschickten Straßendiebin, in ihre Gedanken und Beweggründe und in das Leben im Palast und den unterschiedlichen Quadranten.

Four Dead Queens hat es immer wieder geschafft, mich zu überraschen. Auch wenn schon im Klappentext verraten wird, dass die Königinnen ermordet werden, habe ich bis zum Ende mitgefiebert und gerätselt, wer die Königinnen ermordet haben könnte. In den „königlichen“ Kapiteln erfährt man viel über die Vergangenheit der Königinnen, Motive ploppen auf und Fährten werden gelegt. Aber immer, wenn ich sicher war zu wissen, was als nächstes passieren würde, wurde ich überrascht. Bravo!

Der Roman ist in einem flüssigen, leicht zu lesenden Stil verfasst, der am Anfang noch etwas holpert, sich aber schnell eingegrooved hat. So stehen ein paar entspannten Abenden voller Intrigen, Raub, Mord und einer fremden Welt nichts im Weg.

Erschienen bei Piper

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Autorin / Autor: karla94 - Stand: 17. April 2020