For Whom the Belle Tolls
Autorin: Jaysea Lynn
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
„For Whom the Belle Tolls“ geschrieben von Jysea Lynn ist ein erotischer Fantasy-Liebesroman. Die Hauptperson Lilly erfährt gleich zu Anfang der Geschichte von ihrer Krebserkrankung – und stirbt kurz darauf. In anderen Büchern wäre dies das Ende, hier ist es der Anfang. Denn der Tod ist in Jysea Lynns Welt nicht ein großes Nichts, sondern öffnet einem den Weg ins Jenseits. Von hier geht es weiter zur Wiedergeburt, ins Paradies – oder in die Hölle. Wo wird Lilly am Ende landen, nachdem ihr von klein auf mit der Hölle gedroht wurde?
Meine Meinung (Enthält Spoiler!)
Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen. Der einzige Schwachpunkt war für mich der gewalttätige Umgang mit „bösen“ Menschen (Darüber lässt sich natürlich streiten: Haben schreckliche Taten eine schreckliche Strafe verdient? Ich komme da ehrlich gesagt erst einmal zu keinem eindeutigen Ja). Außerdem wird ein sehr idealisiertes Bild von Mutterschaft vermittelt: Es gibt ein, zwei Herausforderungen, aber alles in allem ist es in der Geschichte einfach nur schön und einfach – was einfach nur unrealistisch ist. Ansonsten wurde mit vielen Klischees gebrochen: Dämonen sind nicht die Ausgeburt des Bösen, sondern helfen den Menschen nach dem Tod, während religiöser Fanatismus angeprangert wird. Frauen dürfen genauso wie Männer Lust und Leidenschaft empfinden und zwischen den weiblichen Charakteren herrscht vorwiegend wohlwollende Freundschaft und keine Konkurrenz. Die Liebesstory erwächst aus gemeinsamen Vorlieben und nicht aus toxischen Abhängigkeiten und es kommen – zumindest am Rande – auch ein paar queere Liebesgeschichten vor. Außerdem gibt es keine dramatischen Irrungen und Wirrungen, sondern es ist eigentlich die ganze Zeit klar, dass die Gefühle der beiden Liebenden echt und ehrlich sind und die Kommunikation ist zwischen ihnen in der Regel sehr offen und wertschätzend. Das Jenseits wird übrigens als wahrhaft himmlischer Ort beschrieben und nimmt einem ein wenig die Angst vor dem Tod, macht aber gleichzeitig die zerbrechliche Schönheit sterblichen Lebens deutlich.
Ich würde das Buch insgesamt erst für Leser*innen ab 16 Jahren empfehlen, da es wirklich einige sehr explizite Szenen gibt.
Erschienen bei penhaligon