Flammenwüste

Autor: Akram El-Bahay

Der Roman „Flammenwüste“ von Akram El-Bahay spielt in einer fiktionalen Welt, die dem Nahen Osten zur Perserzeit ähnlich ist. Darin existieren allerlei  magische und mythische Wesen, wie Drachen, Ghoula oder andere schreckliche Kreaturen.
Doch die Menschen, welche in der Stadt Nabija, am Rand der Tiefen Wüste leben, glauben schon seit hundert Jahren nicht mehr an diese Wesen. Denn zu dieser Zeit verschwand die Magie von ihrer Welt und mit ihr die Drachen. Doch dann gehen plötzlich die Gerüchte um, ein letzter, furchtbarer Drache sei gesichtet worden. Wahllos greift dieser Karawansereien an und versetzt die Menschen in Schrecken. 
Der Sultan von Nabija sieht sich nun gezwungen, etwas gegen ihn zu unternehmen. Er beschließt, den alten Geschichtenerzähler Nûr um Rat bezüglich des Drachen zu fragen. Denn Nûr kennt alle Erzählungen, die es über jene magischen Wesen gibt und – so hofft der Sultan – auch seine Schwachstelle.
Hier kommt der Hauptcharakter Anûr ins Spiel. Er ist der Enkel des alten Geschichtenerzählers und ist in diesem Gebiet ebenso begabt und erfahren wie sein Großvater. Als schließlich Soldaten des Sultans nach Nûr fragen, um ihn in den Palast zu begleiten, gibt sich Anûr kurzerhand als dieser aus. Denn er hat schon immer davon geträumt, einmal einen Palast zu betreten.
Ein Ereignis jagt das nächste und Anûr wird unerwartet das Mitglied einer Expedition, die vom Sultan ausgeschickt wird, um den Drachen zu besiegen.
Eine abenteuerliche Reise beginnt somit für Anûr, der nach und nach in der Tiefen Wüste – die verstreut noch voller Magie ist – eben jenen Wesen begegnet, die er so gut aus den Geschichten seines Großvaters kennt. Und er muss feststellen, dass sie in echt noch schrecklicher und gefährlicher sind, als er es je erwartet hätte.

Meine Meinung:
Obwohl ich ein großer Fan von Fantasy bin, konnte mich „Flammenwüste“ nicht wirklich fesseln. Die Handlung ist irgendwie ziemlich seicht und es dauerte mehrere Kapitel, bis tatsächlich etwas Aufregendes geschah.

Die Figuren sind nett und vielseitig, die Umgebung und die Städte haben einen wundervoll orientalischen Touch. Der Autor versucht sich immer wieder an der Beschreibung von Räumen oder Bildern, doch die darin vorkommenden Metaphern wirken erzwungen.

Gut gefällt mir, dass es einige unerwartete Wendungen in der Handlung gibt, die das Ganze auflockern und um einiges interessanter machen. Doch kurz nach diesen Plot-Twists verläuft alles wieder in demselben monotonen Handlungsfluss wie bisher, bei dem selbst ein Drachenüberfall oder ein Sandsturm wie eine unwichtige Kleinigkeit erscheinen. Grundsätzlich wird kaum Spannung aufgebaut und erst ab Seite 120 hat man das Gefühl, dass es so richtig losgeht.

Ein Punkt, der mir das Buch auch nicht sehr „schmackhaft“ gemacht hat, war der sehr einfach gehaltene Schreibstil. Den Sätzen fehlt der Rhythmus, der einen von Wort zu Wort tragen sollte, und stattdessen wirken sie zwanghaft zusammengestutzt. Für meinen Geschmack werden für Beschreibungen zu wenig „wundervolle“ oder bildhafte Worte benutzt und es kommen oft Wortwiederholungen vor.

Meine letzte, negative Anmerkung bezieht sich auf das Gefühl, welches die ganze Welt von „Flammenwüste“ beim Lesen in mir hervorgerufen hat. Um es direkt zu sagen, wirkt die Welt in gewisser Weise künstlich und vom Autor grob und an manchen Stellen plump geformt zu sein. Ich hatte den Eindruck, dass der Welt etwas fehlt – dass sie allein nicht funktionieren würde – und nur durch das ständige Eingreifen des Autors eine fortlaufende Handlung erhält. Ohne den Autor würde sie in einen tiefen Schlaf fallen und langsam absterben.
Diese Welt lebt nicht. Sie ist keine unabhängige Existenz, welche auch ohne den Autor fortbesteht und seinen eigenen Lauf nimmt. Bei anderen Büchern hatte ich das Gefühl, dass jede Handlung, jedes Ereignis von der Welt selbst hervorgebracht wurde und der Autor ihr nur hin und wieder einen leichten Stoß in die gewünschte Richtung geben musste, damit sie die Dinge nach seinen Wünschen passieren ließ.
Hier jedoch ist es der Autor, welcher seiner Welt künstlich etwas aufzwingt, das nicht in die restliche Umgebung hineinpasst. Zum Beispiel fand im 4. Kapitel ein Drachenangriff auf die Hauptpersonen statt. Doch es fehlte die Spannung, der wahre Schrecken und vor allem die daraus resultierenden Folgen. Bis auf ein paar erschrockene Worte von den Charakteren hatte der Angriff keine Konsequenzen. Er wirkte für mich plump platziert, nur mit dem Zweck, den Leser für einen Moment aus der starren Langeweile zu reißen.

Zu meinem eigenen Bedauern habe ich das Buch nur mit Mühe und Überwindung weitergelesen. An sich ist die Idee dahinter nicht schlecht, aber die Umsetzung könnte um einiges besser sein.
Für Kinder, die einen Einblick in die orientalische Mythologie erhalten wollen, könnte ich mir das Buch schon vorstellen, aber für Jugendliche und junge Erwachsene eher nicht empfehlenswert.

Erschienen bei Bastei Lübbe

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    Autorin / Autor: nacarmen - Stand: 2. September 2015