Dunkelnacht

Autorin: Kirsten Boie

Der Roman „Dunkelnacht“ von Kirsten Boie beruht auf den wahren Begebenheiten, die sich in der Kleinstadt Penzberg am Ende des zweiten Weltkriegs abspielten. Drei Jugendliche stehen im Mittelpunkt der Erzählung und sind auf unterschiedliche Weise mit den Ereignissen verwoben.

Kirsten Boie will mit dem Buch verhindern, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus in Vergessenheit geraten. Außerdem will sie aufmerksam machen auf diesen grausamen Abschnitt der Geschichte einer harmlos wirkenden Stadt. Dort weist heute kaum etwas auf die geschehenen Verbrechen hin und die Nachkommen von Tätern und Opfern leben immer noch zusammen, ohne dass je eine Strafe vollzogen wurde.

Es geht um Zivilcourage und das blinde Folgeleisten von Befehlen, Verantwortungsdiffusion (also dass niemensch sich verantwortlich fühlt/Verantwortung übernehmen will) und Liebe, um Hilfsbereitschaft und Zivilcourage (also dass mensch sich mutig für andere einsetzt).
Ich finde es schade, dass das Buch so kurz ist. Im Nachwort schreibt Boie, dass es ihr schwerfiel einen Schlussstrich zu ziehen, jedoch hatte ich das Gefühl, dass ich kaum angefangen hatte zu lesen, als die Geschichte schon vorbei war. Natürlich kann die Würze auch in der Kürze liegen, aber in diesem Fall sorgte die Kürze dafür, dass der Roman kaum in mir nachklang.

Ich fand es aber sehr interessant etwas über diesen Abschnitt der deutschen Geschichte zu lesen, da oft andere Thematiken rund um den zweiten Weltkrieg (berechtigterweise) im Vordergrund stehen. Es ist wirklich erschreckend zu welchen Grausamkeiten Menschen in der Lage sind – nicht, weil sie müssen, sondern aus rein ideologischen Gründen. Was auch spannend ist, ist wie anders sich Nachrichten ausbreiteten, als die technische Kommunikation noch sehr viel rudimentärer (und durch den Krieg zusätzlich gestört) war – für mich ein fast unvorstellbares Szenario und doch gar nicht so lange her. Hilfreich fand ich das Wörterverzeichnis am Ende des Buches, durch das ich auch noch neue Begriffe lernen konnte.

Insgesamt würde ich „Dunkelnacht“ geschichtsinteressierten Leser_innen ab ca. 14 Jahren empfehlen. Älter ginge auf jeden Fall immer, auf jüngere Leser_innen könnten die beschriebenen Hinrichtungen verstörend wirken. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der Roman eine Bereicherung für den Deutsch und/oder Geschichtsunterricht darstellt (falls eine Lehrkraft das hier lesen sollte ;-)).

Abschließen will ich diese Rezension mit den Worten von Kirsten Boie selbst:
„Solange uns diese Taten im Gedächtnis bleiben, solange wir nicht vergessen, was alles an Unvorstellbaren möglich ist, sehen wir mit einem anderen Blick auch auf das, was heute geschieht, und treffen Entscheidungen vor diesem Hintergrund anders, vorsichtiger, vielleicht sogar menschlicher.“

Erschienen im Verlag Friedrich Oetinger

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Autorin / Autor: Johanna R. - Stand: 31. Mai 2021