Dreckstück

Autorin: Clémentine Beauvais
übersetzt von Annette von der Weppen
ab 14 Jahren

Fünf Jugendliche schwänzen die Schule und treiben sich mehr oder weniger gelangweilt auf der Straße herum. Ein sechsjähriges schwarzes Mädchen läuft ihnen über den Weg. Leider. Denn aus einer spontanen Laune heraus nehmen sie das Mädchen mit in die Wohnung und dort verselbständigt sich die Situation.

"Dreckstück" ist wie der Titel: kurz und hart. Jugendliche, die ihren Frust und ihre Aggressionen an einem sechsjährigen, verängstigten Mädchen auslassen. Jugendliche, die dabei zusehen und nichts machen können und wollen. Eine schnell gelesene Geschichte, die zeigt, wie dicht unter der Oberfläche das Hässliche im Menschen lauert und wie wenig es braucht, dass es hervorbricht. Denn eigentlich könnte man sich mit der ein oder anderen der Figuren ja ganz gut identifizieren. Das sind keine fanatischen Skinheads. Keine perspektivlosen "Asis". Das sind eigentlich ganz lustige Jugendliche, die das Gymnasium besuchen und ein bisschen Spaß haben wollen. Und bei denen eben mal alles aus dem Ruder läuft.

Das liest sich nicht schön, weil es auch nichts Schönes zeigt, sondern in düsteren Farben an die Wand malt, wie aus Vorurteilen Monster erwachsen. Wie aus dummen Sprüchen schlimme Taten werden. Wie rassistisches Gedankengut das Hirn vernebelt. Das Ende immerhin bietet den Hoffnungsschimmer, dass Bosheit und Gleichgültigkeit nicht alles zerstören können und manchmal auch bestraft werden. 

Ein Buch, das leider traurige Aktualität hat und vor Augen führt, wie sehr man aufpassen muss, dass unsere Gesellschaft und wir selbst menschlich bleiben.

Erschienen bei Carlsen

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    Autorin / Autor: luthien - Stand: 4. Novembver 2015