Die Goldenen Wölfe

Autorin: Roshani Chokshi
Übersetzt von Hanna Fliedner und Jennifer Thomas

1889: Die ganze Welt richtet ihre Augen auf Paris, wo in wenigen Wochen die Weltausstellung eröffnet, der der Eiffelturm als damals höchstes Bauwerk der Welt als Eingangsportal und Aussichtsturm dienen soll. Dort lebt auch der Hotelier und Kunstexperte Severin Montagnet-Alarie, der sich zusammen mit seinem Team aus begabten Freunden schließlich auf die Suche nach dem Horus-Auge begibt, einem magischen Artefakt, das ihm dabei helfen soll sein rechtmäßiges Erbe anzutreten. Doch sie sind nicht die einzigen, die hinter dem Horus-Auge her sind und ihre Widersacher schrecken auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurück …

Meine Meinung
Die goldenen Wölfe ist zwar kein schlechtes Buch, allerdings auch keines, das wirklich zu begeistern vermag. Es macht vielmehr deutlich, dass gute Ideen allein nicht ausreichen, sondern auch die Umsetzung wichtig ist, die hier an manchen Stellen leider zu wünschen übrig lässt. Viele Köche verderben den Brei, sagt man, und zu viele, nicht gründlich genug ausgearbeitete Ideen verderben leider ein Buch. Weniger wäre hier also definitiv mehr gewesen.

Die Autorin Roshani Chokshi hat grundsätzlich einen schönen Schreibstil, der sich angenehm und flüssig lesen lässt. Es fehlen an vielen Stellen jedoch hilfreiche Informationen und nähere bzw. bessere Beschreibungen, was die Welt betrifft, die sie darin erschaffen hat. Bestimmte, unbekannte Begriffe werden nicht eingehend erklärt, ebenso wenig wie gewisse, vermutlich magische Vorgänge, die man sich dadurch nur schwer vorstellen kann. Bei den Abenteuerszenen übertreibt sie es wiederum hin und wieder.

Schwierigkeiten bereitet leider auch der Spannungsbogen. Anfangs reicht die generelle Faszination für die Welt und die Zeit, in der die Geschichte spielt, vielleicht noch aus, um den Leser an die Seiten zu fesseln, in der Mitte schreitet die Handlung aber viel zu langsam voran und man verliert zunehmend das Interesse an dieser Geschichte. Im letzten Drittel wird es dafür dann aber endlich richtig spannend und zu diesem Zeitpunkt kann man das Buch wirklich kaum noch aus der Hand legen.

Die interessanten, vielseitigen und vor allem erfreulich diversen Charaktere bleiben einem hingegen sehr positiv in Erinnerung. Sie sind nicht nur allesamt sehr sympathisch, sondern auch recht individuell ausgestaltet. Einige kann man zu Beginn noch nicht gut durchschauen, doch im Verlauf der Geschichte lernt man jeden von ihnen besser kennen und zusammen bilden sie ein gutes Team. Man hätte allerdings gern noch mehr über sie erfahren.

Fazit
Hätte die Autorin ihrem Weltenaufbau mehr Aufmerksamkeit geschenkt und sich auf ein paar weniger Ideen konzentriert, diese dafür aber mehr ausgearbeitet, wäre Die goldenen Wölfe wahrscheinlich ein tolles Buch geworden. So bleibt es leider nur ein mittelmäßiger Auftakt, bei dem viel Potenzial verschenkt wurde.


Erschienen bei Arctis

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    Autorin / Autor: stephie - Stand: 14. Oktober 2019