Die Gesetzlose

Autorin: Anna North
Übersetzt von Sonia Bonné

„Die Gesetzlose“ ist ein Roman der amerikanischen Journalistin und Autorin Anna North. Die Erzählung spielt 1894 im konservativen Fairchild und folgt der siebzehnjährigen Ada, die ihrer weiblichen Pflicht zu gebären nachkommen soll. Ada will mehr sein als das und ist dazu wie einige andere Frauen unfruchtbar, so verlässt sie ihren Geburtsort und kommt zuerst ins Kloster, bis sie ihren Weg zur „Hole in the Wall“-Gang findet.

Spätes 19. Jahrhundert, Wilder Westen, eine vergangene Grippewelle. Die Hauptfigur des Buches, Ada, ist gerade erst siebzehn, bereits verheiratet, und nun liegt alles daran, schwanger zu werden und das so schnell wie möglich. So abergläubisch die Bewohner_innen Fairchilds sind, halten sie bestimmte Frauen für Hexen und für verantwortlich, wenn es beispielsweise zu Fehlgeburten kommt. Infolgedessen werden die Betroffenen weggeschickt, wenn nicht sogar gehängt. Adas Mutter ist Hebamme, Ada lernt dadurch viel über die weibliche Anatomie und möchte die wahre Ursache für Unfruchtbarkeit finden, um sich und anderen Frauen zu helfen. Nachdem sie deswegen selbst von ihrem Mann verstoßen wird, soll Ada ins Kloster. Dort hilft sie beim Kopieren von Büchern, ihre Wissbegier kann durch die Inhalte jedoch nicht gestillt werden und so gelangt sie über den Buchhändler zur verrufenen „Hole in the Wall“-Gang mit dem Anführer „The Kid“.
Sie wird in diese Gruppe „Gesetzloser“ aufgenommen und bekommt von den Mitgliedern wegen ihres medizinischen Wissens die Funktion und Bezeichnung „Doc“. Ada lernt reiten, schießen und schlüpft durch neue Kleidung, kurze Haare und umgelernte Körpersprache in die Rolle eines Banditen. Gemeinsam mit der Gang erlebt sie einige gefährliche Abenteuer, die sie aber immer mehr zum vollwertigen Mitglied machen. Adas wahre Bestimmung wartet zuletzt jedoch im entfernten Pagosa Springs…

Meine Meinung
„Die Gesetzlose“ lässt sich dem Westerngenre zuordnen, aber in neu gedachter Form, indem die Leser_innen zwar in den Wilden Westen geholt werden, die Szenerie von North aber mit feministischer Note versehen wird. Es werden typische Geschlechterbilder- und rollen hinterfragt und vertauscht: unfruchtbare, von der Gesellschaft ausgeschlossene Frauen organisieren sich untereinander und sichern sich durch Überfälle ihr Überleben im Powder River Country. Die Gang und das „Hole in the Wall“-Gebiet gab bzw. gibt es gab es tatsächlich, beides wurde auch schon in anderen popkulturellen Werken thematisiert, auch „The Kid“ ist keine reine Fiktion. Aufgrund dieser historischen Bezüge, jedoch von der Realität abweichenden Erzählung, zählt Norths Roman somit als Alternativweltgeschichte, in welcher sie Aberglauben und stereotypische Bestimmungen für Frauen kritisiert.

Einmal eine etwas andere Geschichte, deren Konzept mir gut gefallen, bei welcher in der Umsetzung jedoch an manchen Stellen der Feinschliff gefehlt hat: Bis auf Ada kommt man an die übrigen Charaktere durch oft nur wenige Details nicht sehr nah heran, kann sie sich auch optisch teilweise nicht vorstellen. Ich habe mich auch gefragt, ob es nicht etwas widersprüchlich ist, eine feministische Alternative zu entwerfen, die dann jedoch Frauen zu Männern werden lässt und sie nicht in ihrem Frausein stark gemacht werden, sondern durch ihren Rollentausch und das Annehmen von männlichen Zügen. Dennoch ein spannendes Thema und fesselndes Buch, das ich einer jeden Person empfehlen würde, die sich für eine moderne Interpretation einer Western-Story interessiert! Lest es selbst und findet heraus, was es mit dem „Hole in the Wall“, der Gang und den Bewohner_innen Fairchilds auf sich hat!

Erschienen bei eichborn

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Autorin / Autor: Konstantina - Stand: 20. April 2022