Wütender Sturm (Die Farben des Blutes 4)

Autorin: Victoria Aveyard
übersetzt von Birgit Schmitz

Mit 800 Seiten präsentiert Victoria Aveyard das Finale ihrer „Rote Königin Quadrologie“.
Trotz der Länge des Buches lässt sich alles sehr flüssig lesen, der Schreibstil ist wie immer sehr angenehm, wobei besonders auffällt, wie oft die Autorin auf Details achtet, wie zum Beispiel die Tatsache, dass „Silberne“ nun mal silbern und nicht rot anlaufen. Gerade solche Details machen die beschriebene Geschichte noch glaubhafter und regen zum Weiterlesen an.

Nachdem der letzte Band recht unvermittelt und natürlich auch mit einer Art Cliffhanger geendet hat, setzt der vierte Band unmittelbar dort an, wo uns „Goldener Käfig“ zurückgelassen hat. Das ist sehr angenehm, wenn man die Handlung des Vorgängers noch im Kopf hat, ansonsten empfiehlt es sich, das letzte Kapitel einfach nochmal zu lesen.

„Wütender Sturm“ lässt sich sehr gut in zwei Handlungsstränge gliedern, die beide wirklich spannend und auch für ein gelungenes, „rundes“ Ende der Geschichte wichtig sind. Dennoch ist das Verhältnis dieser Handlungen zueinander sehr unausgewogen: der „erste“ Teil nimmt mit etwa 500 Seiten einen Großteil des Buches ein, dem zweiten Teil der Handlung bleiben damit „nur“ knapp 300 Seiten übrig obwohl er deutlich mehr verdient und auch gebraucht hätte.

Obwohl diese beiden Zahlen im ersten Moment nach sehr viel klingen, hätte ich mir im Nachhinein gewünscht, dass Victoria Aveyard statt einem besser zwei Bücher geschrieben hätte.

Der erste Teil mit 500 Seiten ist sehr ausführlich und dennoch spannend geschildert, fühlt sich aber vor allem gegen Ende hin übereilt an. Das bedeutet, dass die übliche Raffinesse, die spannenden Plottwists, fehlen. Stattdessen werden verschiedene, eigentlich interessante und komplexe Charaktere und ihre Storylines instrumentalisiert, um mit dem Plot abschließen zu können. Leider wird dabei auf die Charaktere selbst sehr wenig Rücksicht genommen- teilweise hatte ich mehr erwartet und war enttäuscht, dass meine Erwartungen hier nicht erfüllt wurden.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Cameron. In „Wütender Sturm“ ist sie keine Erzählerin mehr, kommt nur noch in vereinzelten Szenen vor. Wie sich die Beziehung zu ihrem Bruder entwickelt, was sie am Ende tut und einige andere Details, die ich hier nicht verraten möchte, bleibt im Unklaren.
Ähnlich ergeht es auch anderen Charakteren, von denen ich gerne mehr erfahren oder denen ich einfach ein runderes Ende gewünscht hätte.
Natürlich gibt es auch Charaktere, die weiterhin eine großartige Entwicklung durchmachen und mich begeistern. Habe ich Evangelina in den ersten Bänden noch regelrecht gehasst, ist sie jetzt der heimliche Star des letzten Bandes. Victoria Aveyard gelingt es hervorragend, die verschiedenen Seiten und die unterschiedliche Wahrnehmung ihrer Charaktere untereinander aufzuzeigen und hat mich damit wirklich begeistert.
Ebenso war ich fasziniert von Iris, die bereits im letzten Band einen kurzen Auftritt als Mavens neue Ehefrau hatte. Sie fungiert in diesem Band als dritte Erzählerin und ist ein wirklich spannender Charakter. Von ihr und den so oft erwähnten „Lakelands“ hätte ich gerne mehr erfahren. Aber auch hier reicht die Seitenzahl nicht aus.

Interessant waren auch die kurzen Einblicke in Cals und Mavens Inneres, die immer wieder in kürzeren Kapiteln zu lesen sind.
Trotz einiger charakterlichen und auch handlungstechnischen Schwächen ist „Wütender Sturm“ jedoch ein spannendes Buch, das ich trotz seiner Länge regelrecht verschlungen habe und das auch ruhig noch etwas länger hätte sein können. Alles in allem ein würdiger Abschluss von Victoria Aveyards Quadrologie.


Erschienen bei Carlsen

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    Autorin / Autor: Imber - Stand: 26. November 2018