Der Sandmann

Nach E. T. A. Hoffmann
Autor: Vitali Konstantinov

Die Handlung dieser Graphic Novel ist dieselbe wie die der ursprünglichen Erzählung – der Hauptcharakter Nathanael wird in seiner Kindheit vom Alchimistenfreund seines Vaters, Coppelius, geplagt, den er zunehmend mit der bösen Schauerfigur des Sandmanns verwechselt. Als Student meint er, Coppelius schließlich wieder im Glashändler Coppola wiederzuerkennen und versinkt immer tiefer in seinen Fantasien über Coppelius und den Sandmann. Die Situation spitzt sich zu, als er sich in die mysteriöse Olimpia verliebt, die gegenüberwohnende Tochter seines Professors, die er so gut beobachten kann, obwohl er doch mit der vernünftigen Clara verlobt ist. Bald kann er Realität und Wahn nicht mehr unterscheiden…

Meine Meinung:
Wem „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann bereits gefallen hat oder wer das Stück noch nicht kennt und einen sanften Einstieg in das Werk von 1816 braucht, wird mit der Graphic Novel von Vitali Konstantinov mehr als zufrieden sein. Empfehlen kann ich es auch allen Fans von Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft, Franz Kafka und allen anderen Meistern des Grusels und des Sonderbaren. „Der Sandmann“ ist eine düstere Geschichte, die Konstantinov wunderbar mit seinen Illustrationen in rot und schwarz untermalt. Es ist allerdings eine sehr schnelle Lektüre, die aber umso mehr dazu anregt, die Bilder ausführlicher zu bewundern. Es eignet sich auch besonders gut als Geschenk für Liebhaber älterer Werke, nur für junge Kinder ist es aufgrund des unheimlichen Inhalts keine gute Wahl.

Die Geschichte an sich ist wunderbar an den Haaren herbeigezogen und auf interessante Weise in Form von Briefen, Rückblicken, Dialogen und einem Erzähler geschildert. Die Charaktere sind sehr individuell und vor allem für Nathanaels Verlobte Clara und ihren Bruder Lothar entwickelt man schnell Sympathien. Mir gefällt außerdem, dass man bis zum Ende nicht wirklich 100%ig weiß, was nun genau nur Nathanaels Hirngespinsten entspringt und welches Ereignis der Wahrheit entspricht.

Konstantinovs Illustrationen fügen der Erzählung den perfekten Feinschliff hinzu, jedes Panel schließt logisch an das vorherige an und kreiert einen angenehmen Lesefluss, der die Spannung der Geschichte stets aufrechterhält.


Erschienen bei Knesebeck

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    Autorin / Autor: Simone - Stand: 26. September 2019