Der letzte Engel

Autor: Zoran Drvenkar
Ab 14 Jahren

Buchcover Der letzte Engel

Dumm gelaufen. Gerade noch überlegt der sechzehnjährige Motte, was an der merkwürdigen E-Mail, in der sein Tod prophezeit wird, dran sein könnte, da ist er auch schon tot - auch wenn er das erst nach und nach merkt. Ein starker Anfang!
Wer in Zoran Drvenkars Mehrteilerauftakt einen kitschig-pathetischen Engelsroman vermutet, liegt falsch. Auch wenn das dramatische Cover vielleicht so etwas vermuten lässt. Aber Kitsch kann Drvenkar nicht, eher ist er ein Meister vielschichtiger, oft brutaler und rasanter Geschichten mit einem phantastischem Kern. So geht es auch hier um Engel und um Menschen, die sie zurückholen oder vernichten wollen. Die einen wie die anderen kommen mal als brutale Mafiosi, mal als geheime Widerstandskämpfer daher und nie weiß man, wer eigentlich im Recht ist, wer gut, wer böse, wer beschützenswert und wer eine Gefahr für die Menscheit ist.

Ich bin ja eigentlich ein Riesen-Fan von Drvenkar, aber das ist definitiv nicht sein stärkstes Werk. Es ist vielmehr eine Art Zusammenschluss von "Sag mir was du siehst" (Hammer!) und einem seiner letzten Romane "Du" (super, super, super!).
Hier aber verzettelt sich Drvenkar und vielleicht liegt es auch daran, dass es dieses Mal unbedingt ein Mehrteiler sein muss (nerv!): Engel, Genforschung, die Brüder Grimm, verrückte Gräfinnen, die sich nach Engelsflügeln verzehren, ein Haufen toter Mädchen und eine Zehnjährige, die Erinnerungen berühren kann, ein Engel wider Willen und einer ohne Flügel, Fantasy-Massaker und historischer Roman gemischt mit Märchen und Mafia-Flair. Puh! Das war mir zu viel des Guten und so hat mein Lieblingsautor es zum ersten Mal geschafft, mich stellenweise zu überfordern und auch zu langweilen.
Auch wenn die Stimmung, die Drvenkar hervorzaubert, wie immer eine ist, der man sich nicht wirklich entziehen kann. Und seine Figuren muss man lieben, egal wie abgrundtief böse sie einem vorkommen, immer - selbst im Engelsgewand - sind sie aus Fleisch und Blut.
Ich werde den zweiten Teil  natürlich trotzdem unbedingt lesen und vielleicht meine Meinung ändern. Denn was Drvenkar auch kann, das ist zunächst verworrene Geschichten am Ende zu einem verblüffenden, stimmigen und überraschenden Ende zu führen. Ich hoffe, das gelingt ihm auch hier. Nur schade, dass man dann immer erst darauf warten muss.

Erschienen bei cbj

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Autorin / Autor: luthien - Stand: 17. Oktober 2012