Denkzettel

Autorin: Danielle Bakhuis

Als Jade an ihrer Schule nach Jahren plötzlich Zoë wiedersieht, kriegt sie den Schock ihres Lebens. Denn Zoë ist ihr ehemaliges Mobbing-Opfer. Aber Zoë ist kein Opfer mehr, sondern eine extrem gut aussehende, selbstbewusste und knallharte junge Frau, die sich ganz sicher nicht mehr von Jade einmachen lässt. Aber auch Jade ist auch nicht mehr die selbe wie früher. Sie hat nicht mehr ihre Zickenclique um sich, mit der sie scheinbar unbesiegbar war. Sie hat Phasen der Einsamkeit durchlebt, in der Familie knallt es und Jade ist sehr verletzlich geworden, vor allem seit ihr geliebter Freund mit ihr Schluss gemacht hat. Und wie es scheint, hat Zoë sich vorgenommen, Jade am Boden liegen zu sehen. Jade durchlebt schließlich, was Zoë einst durchleben musste, Ausgrenzung, Demütigungen, Gewalt, aber sie beschließt, alles zu erdulden und Zoë zu zeigen, dass sie die Vergangenheit aufrichtig bereut. Aber da ist es schon beinahe zu spät.

Bakhuis gelingt ein überzeugender Bogen von der fiesen Mobberin zur Gemobbten, mit der man furchtbares Mitleid hat. Sie zeigt, wie austauschbar Täter und Opfer und wie fließend die Übergänge sein können. Die Geschichte ist dabei spannend geschrieben und auch stellenweise wirklich gefühlsmäßig mitreißend.
Als Jugend-Krimi finde ich dieses Buch überzeugend, es gibt sogar eine überraschende Wendung, als "Mobbing-Roman" ist er mir persönlich aber zu oberflächlich. Es wird dem Thema nicht wirklich etwas Neues hinzugefügt. Die Dynamik des Mobbingprozesses wird zwar bedrückend und auch glaubwürdig beschrieben, aber viel mehr als Jades Erkenntnis "ich wollte einfach, dass sie sich endlich wehrt" und "ich habe mich geändert und bereue und büße" kommt am Ende nicht rum.

Irgendwie dreht sich in dem Roman so vieles um Lipgloss und Klamotten und Aussehen, dass ich am Ende das Gefühl hatte, der Roman hält keinen Spiegel vor, sondern ist selbst Teil dieser Ausgrenzungskultur. Müssen Mobbing-Opfer immer fettige Haare haben und schlimme Klamotten tragen? Da musste ich nach dem Lesen erst mal ganz schnell meinen Style überprüfen und gucken, ob ich nicht vielleicht selbst so einen Opfer-Look an mir herumtrage (Modesünde: weiße Leggings auf weißem Bein). Vielleicht hätte sich die Autorin entscheiden sollen, ob sie einen Zicken-Internats-Roman, einen Krimi oder einen ernsthaften Roman über Mobbing und seine Folgen verfassen will. Ich finde die Mischung in diesem Fall nicht so richtig gelungen. Trotzdem: Aufgrund seiner Spannung und seiner Identifikationsfigur (sind wir nicht alle manchmal ein bisschen fies?) ein gut zu lesender Jugendkrimi im Schul-Millieu.

Erschienen bei Arena

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Autorin / Autor: merceda - Stand: 29. September 2015