Das Gottesspiel

Autor: Danny Tobey
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski

Der siebzehnjährige Charly und seine Freunde werden zu einem geheimnisvollen Virtual-Reality-Game eingeladen und sind schnell davon fasziniert. Das Spiel scheint es gut mit ihnen zu meinen, denn zunächst läuft es rund für die Spieler_innen, die in ihrem echten Leben mit einigen Hürden zu kämpfen haben. So träumt Charlie unter anderem von der schönen Mary und seine beste Freundin Vanhi von einem Studium in Harvard - das Spiel stellt ihnen die Erfüllung all ihrer Träume in Aussicht. Doch dann werden die Aufgaben, die ihnen das Spiel stellt, immer drastischer und es wird klar, das Gottesspiel wird sie nicht einfach wieder gehen lassen. Das kommt euch schwer bekannt vor? Das ging mir beim Lesen genauso.

Gefühlte 200 Seiten habe ich gedacht, Erebos sei (schon) wieder auferstanden. Die Ähnlichkeit ist vor allem zu Beginn wirklich frappierend. Ich würde allerdings eher sagen, es ist "Erebos" für Fortgeschrittene, denn hier geht es weniger um die suchterzeugende Wirkung des Games als um philosophische Fragestellungen. Lässt sich ein künstlicher Gott erschaffen und ist er moralisch unfehlbar? Macht er Fehler, kann er bezwungen werden? Und wie verhält sich der Einzelne, wenn er vor ein moralisches Dilemma gestellt wird? Wer geht über Leichen, um seine Liebsten zu schützen oder seine Träume wahr werden zu lassen?

Das Buch hat 558 Seiten und entgegen meiner Erwartungen zog es sich beim Lesen nicht. Es ist gut geschrieben, liest sich flüssig und überwiegend spannend inklusive Showdown und der ein oder anderen überraschenden Wendung. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die ich sehr spannend fand und das Thema KI und wie sie lernt, wird auf sehr unterhaltsame Weise thematisiert. Da es sich in dem Roman aber auch viel um (amerikanische) Schule, Zukunftspläne, Außenseiter, Nerds, lieblose, problematische oder kranke Eltern, Liebe, fiese Sportskanonen, Mobbing und Konkurrenzdruck dreht, würde ich es eher als Jugendroman verorten, der aber bestimmt auch von Erwachsenen gut gelesen werden kann. Schließlich ist in diesem Roman auch der ein oder andere Psychopath am Start.

Hätte ich nicht Erebos 1 und 2 schon gelesen, wäre ich hellauf begeistert gewesen. Nun kommt mir die Idee einfach nicht neu vor, dafür ist das Buch aber vom Stil und der "Tiefe" her sicher etwas weitergehend als Erebos.

Fazit
Ein sehr unterhaltsames, schön dickes Buch, das zwar keine wirklich neue Idee bietet, aber zu fesseln weiß und das Thema Künstliche Intelligenz spannend in Szene setzt. Ein gutes Ferienbuch für alle SciFi-Fans und natürlich alle, die von Erebos begeistert waren und mehr in der Richtung lesen wollen.

Erschienen bei: Heyne

Deine Meinung zu diesem Buch
Autorin / Autor: luthien - Stand: 22. Juli 2020