Das Gehirn hat kein Geschlecht - Wie die Neurowissenschaft die Genderdebatte revolutioniert

Autorin: Daphna Joel
Mit: Luba Vikhanski
Aus dem Englischen von Johanna Wais

Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Wissenschaft hält sich der Gedanke, dass es einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Gehirnen gibt, der den grundlegenden Unterschied der Geschlechter beweist. Die Neurowissenschaftlerin Daphna Joel zitiert aktuelle Studien und ihre eigene Forschung, um diese Idee zu widerlegen und belegt dadurch, dass jedes Gehirn aus einem individuellen Mosaik besteht, dass sowohl "weibliche" als auch "männliche" Eigenschaften trägt. Auf Basis dieser Belege plädiert sie gegen ein System, in dem wir Menschen in zwei Geschlechter aufteilen.

Das Buch "Das Gehirn hat kein Geschlecht: Wie die Neurowissenschaft die Genderdebatte revolutioniert" besteht aus vier Teilen: (1) Geschlecht und Gehirn, (2) Das menschliche Mosaik, (3) Das Problem mit Gender und (4) Eine Welt ohne Gender. Auch innerhalb der vier Teile ist das Buch durchgehend gut strukturiert und nicht zuletzt dadurch, aber auch durch den angenehmen Schreibstil, leicht zu verfolgen. Die vereinfachte Darstellung der Studien ermöglicht, dass auch Personen ohne Vorwissen in den Neurowissenschaften oder im Lesen und Verstehen wissenschaftlicher Studien die genannten Beispiele ohne große Schwierigkeiten begreifen können.

Und von diesen Studien werden zahlreiche zitiert, sowohl Arbeiten anderer WissenschaftlerInnen als auch von der Autorin selber, die schon seit Jahren auf diesem Gebiet forscht, was die Überzeugungskraft der Argumente zusätzlich stärkt. Das einzige, was man hier kritisieren könnte, ist, dass das gleiche Beispiel teilweise mehrmals aufgegriffen wird und einige Metaphern und Vergleiche teils redundant sind. Jedoch stört das mitnichten den Lesefluss und die etwa 200 Seiten an neurowissenschaftlichem und gesellschaftskritischem Text sind schnell gelesen. Zuletzt gibt die Autorin einige Gedankenanstöße für eine Welt ohne Aufteilung in Geschlechter und bietet einige Punkte, welche kurz- und langfristig dafür in Angriff genommen werden könnten.

Alles in allem kann ich das Buch allen empfehlen, die gerne einen sehr interessanten Blick auf die aktuelle Gesellschaft aus dem Blickwinkel neurowissenschaftlicher Studien werfen möchten!

Erschienen bei dtv Sachbuch

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Autorin / Autor: Esma Gelis - Stand: 25. Oktober 2021