Bis ich ihn finde - Die Geschichte einer Vatersuche

Autorin: Christine Fehér

„Bis ich ihn finde“ hat mir überraschend gut gefallen. Wenn man das Cover sieht, erwartet man doch ein paar Klischees und auch eine vielleicht nicht allzu tiefgründige Story, aber Zweifler werden definitiv eines Besseren belehrt. Mein Interesse gilt aber weniger dem Cover, das in diesem Fall gar nicht der ausschlaggebende Faktor für mein Interesse war. Das Design sagt mir zwar nicht so sehr zu, ich finde es aber toll, dass es den Inhalt widerspiegelt (auch wenn Elena ihre Frisur ändert ;). Vielmehr hat mich die Thematik der Vatersuche angesprochen.

Elenas Geschichte beginnt damit, dass ihr ein Junge, Rouven, auf der Hochzeit ihrer Mutter und Co-Mutter einen Denkanstoß verpasst und Elena sich daraufhin auf die Suche nach ihrem biologischen Vater machen möchte. Da ihre Eltern als lesbisches Paar logischerweise keine eigenen Kinder bekommen können, wurde eine Samenspende herangezogen. Und auch wenn Elena glücklich mit ihrer Familie ist, so fühlt sie sich doch irgendwie unvollständig und würde gerne herausfinden, wer die zweite verantwortliche Hälfte ihres Genpools ist. Wirklich viel Unterstützung erhält sie von ihrem Freund dabei leider nicht. Mit seiner cholerischen Art war er mir auch oft nicht sehr sympathisch. Im Verlaufe des Buches begeht sie auch eine kleine Dummheit seinetwegen. Ich kann ihre Handlung aber nachvollziehen. Sie ist ein 16-jähriges, mitunter auch unsicheres Mädchen, das ihrem Freund gefallen will, auch wenn ihr klar ist, dass ihr Handeln nicht die beste Idee ist. Das fand ich menschlich und hat dementsprechend auch gepasst, auch wenn es doch einige Klischees bedient.

Meine Meinung
Ich fand es toll und interessant zu lesen, wie es für sie war, in einer Regenbogen-Familie aufzuwachsen. Und auch wenn alle ziemlich tolerant und offen sind, und sie mit ihren Müttern auch happy ist, so fehlt Elena doch hin und wieder eine männliche Bezugsperson bzw. ihr biologischer Vater. Ihre Co-Mutter, also nicht leibliche Mutter, ist anfangs nicht sehr erfreut, da sie Angst hat, Elena könnte sie für ihren Vater stehen lassen, wodurch die ganze Suche auch etwas ausgebremst wird. Anfangs reagiert Elena sehr aufbrausend, weil sie sich unverstanden fühlt, reagiert später aber auch sehr erwachsen und lernt im Laufe der Geschichte dazu. Ihre Entwicklung hat mir wirklich gut gefallen.

Ich war skeptisch in Bezug auf die kitschige Love-Story mit dem 08/15-Typ und den allseits bekannten Problemen, vor allem in Bezug auf seinen Stiefvater, die sich auch der gängigen Problematik bedient. Ich fand aber die Entwicklungen interessant und gut gelöst und bin froh, wie sich das alles entwickelt hat. Eine kleines Detail gab es da zwar noch, was ich etwas überzogen fand, aber alles in allem fand ich es sehr realistisch gelöst und auch die Liebes-Situation am Ende hat mir sehr gefallen. Ich finde, in dem Aspekt hebt sich dieses Buch deutlich von seinen Genre-Vertretern ab.

Auch das Hauptthema des Buches war sehr spannend gemacht. Man ist kontinuierlich weiter gekommen und man hat immer die nötige Menge an Information eingestreut, um neugierig gemacht zu werden, aber doch nicht gleich zuviel zu verraten. Das hatte wirklich spannende Momente zu bieten. Ich fand es auch toll, wie das Buch Sexualität behandelt hat. Generell ist das Buch sehr schön gewesen, ohne zu kitschig zu werden.

Fazit
Für ein Buch dieser Gattung fand ich das vorliegende Werk wirklich herausragend und würde es jedem empfehlen, der gerne Jugendbücher liest. Ein wirklich hervorragendes Buch.

Erschienen bei cbt

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Autorin / Autor: Lisa - Stand: 27. April 2020