Babel

Autor: Jan de Leeuw

Es ist die Zukunft unserer Gegenwart: Macht und Reichtum sind eng verwoben, auf ihrer Suche nach Orientierung und etwas, woran sie glauben können, haben die Menschen eine neue, höhere Instanz gefunden. Es sind nicht mehr Götter oder Stars, die vom Großteil der Gesellschaft angebetet werden, sondern jene Menschen, die erfolgreich sind. Denn sie sind zumeist nicht nur erfolgreich, sondern auch reich und schön, unantastbar und führen ein Leben, von dem die einfachen Menschen nur träumen können. Die Essenz dieses Lebens ist Babel, Abraham Babel. Er ist der reichste Geschäftsmann der größten Stadt der Welt. Keiner hat mehr Geld als er, bessere Beziehungen, mehr Macht, mehr Freunde oder mehr Ansehen. Er hat alles erreicht, was ein Mensch erreichen kann – und sich selbst ein Denkmal gesetzt, indem er den höchsten Turm der Stadt errichten ließ. Der Zugang zum Turm ist den Reichen und Mächtigen vorbehalten, er ist so sauber und gepflegt, wie kein anderer Ort der Stadt und strotzt vor Luxus. Neben Edelboutiquen und Büroräumen sind dort auch ausländische Botschaften und natürlich die Gemächer von Abraham Babel und seiner Enkelin Alice untergebracht. Sie ist die einzige aus seiner Familie, die einen Anschlag überlebt hat, der vor einigen Jahren auf Babel verübt wurde. Seitdem ist sie das Ein und Alles ihres Großvaters und darf den Turm nicht mehr verlassen. Auch weil sie seit dem Attentat im Rollstuhl sitzt und er sie ständig in Sicherheit wissen will. Doch Alice ist einsam und freundet sich schließlich mit einer der Angestellten an, die ihre Gesellschaftsdame wird. Doch eine Freundschaft unter solchen extremen Bedingungen ist schwierig, denn das Machtgefälle zwischen den beiden tritt zwar in den Hintergrund, doch verschwindet nie. Wie lange können die beiden jungen Frauen aneinander fest halten in einer Welt, die sich scheinbar gegen sie verschworen hat? Denn im Untergrund suchen die Menschen immer nach etwas, das sie antreibt, und jene die die Hoffnung auf Reichtum und Wohlstand aufgegeben haben, verfallen immer häufiger dem Fanatismus und anderen dunklen Mächten. Auch Abraham Babel selbst ist davor nicht gefeit. Sein Sicherheitspersonal schirmt den Turm nach außen ab, doch wer kann den mächtigsten Mann der Welt vor sich selbst schützen?

Meine Meinung
Bevor ich „Babel“ gelesen habe, hatte ich große Erwartungen. Klappentext und die gesamte Aufmachung des Buches versprechen etwas ganz Besonderes, etwas Episches, das noch nie dagewesen ist. Doch wie das nun mal so ist mit großen Erwartungen, werden diese leider auch häufig enttäuscht. Für mich konnte der Inhalt nicht halten, was das ganze Drumherum verspricht. Die Kapitelüberschriften wirken mystisch, die eingezogenen schwarzen Seiten edel. Doch leider fehlt die Magie zwischen den Zeilen. Man spürt beim Lesen, dass der Autor in seinem Kopf mehr erschaffen hat, als er zu Papier bringen kann. Obwohl die Geschichte aus vielen spannenden Elementen besteht, die das Potential haben, den Leser mitzureißen, greifen die einzelnen Teile nicht so ineinander, dass sie die Geschichte richtig in Fahrt bringen können. Zudem herrscht ständig eine Art blutleere Atmosphäre, durch die es nicht gelingt, den Leser emotional zu berühren. Dazu kommt, dass teilweise anzügliche Elemente in den Schilderungen auftauchen, die den Roman leider keinesfalls bereichern, sondern insgesamt noch weniger stimmig machen. Aus einer faszinierenden Grundidee und einem interessanten Aufbau ist hier leider kein spannendes Jugendbuch geworden, sondern eine Geschichte, die einen enttäuscht und mit unerfüllten Erwartungen zurück lässt.

Erschienen beim Verlag Freies Geistesleben

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Autorin / Autor: Romy Hoffart - Stand: 9. November 2018