Als die Stadt in Flammen stand

Autorin: Kimberly Jones, Gilly Segal
Aus dem Amerikanischen von Doris Attwood

„Als die Stadt in Flammen stand“ ist ein Roman von Kimberly Jones und Gilly Segal und handelt von Lena und Campbell, die zufälligerweise gemeinsam in gewaltsame Unruhen geraten und erst einmal nur einander haben, um da irgendwie raus und sicher nachhause zu kommen. Der Haken an der Sache ist, dass sie sich eigentlich nicht wirklich kennen, an ganz anderen Stellen in ihren Leben stehen und ganz andere Prioritäten haben. Dennoch sind sie aufeinander angewiesen und geben beide ihr bestes, die andere zu unterstützen. Dabei kommen verschiedene Themen hoch wie Rassismus, Freundschaft, Gewalt und Beziehungen im Allgemeinen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr packend, ich konnte kaum aufhören zu lesen, auch wenn ich die Handlung an manchen Stellen nicht gut nachvollziehen konnte. (Achtung Spoiler) Zum Beispiel als den beiden angeboten wird, sie nachhause zufahren, sie aber ablehnen, weil Lena unbedingt ihren Freund Black treffen will. Aber das ist auch ein großer Bestandteil des Buches: Die Fixierung von Lena auf ihren Black, die sich erst gegen Ende langsam verflüchtigt. Oder als Campbell unbedingt die Sachen ihres Vaters retten will, obwohl der sie ebenfalls andauernd im Stich lässt. Diese beiden „Versessenheiten“, fand ich etwas anstrengend und unlogisch, vermutlich aber gar nicht mal so unrealistisch.

Die Geschichte ist abwechselnd aus der Sicht der beiden Mädchen geschrieben, was gute Einblicke in die sich transformierende Gefühlswelt der beiden ermöglicht. Manchmal waren mir Entwicklungssprünge zu groß, was aber durch die Extremsituation und die allgemeine Wankelmütigkeit von Menschen gerechtfertigt werden könnte. Spannend fand ich auch die Darstellung des Ausbruchs von gewaltsamen Unruhen und wie in solchen Situationen das Schlechteste, jedoch auch das Beste in Menschen hervorkommen kann.

Schade fand ich, dass bei Lena wieder das Klischee der „starken, toughen, Schwarzen“ angewandt wurde, während Campbell, die zurückhaltende, eher schüchterne, z. T. hilflose und ängstliche Weiße sein durfte, die sogar einmal in „white fragility“ verfällt. Es muss aber auch dazu gesagt werden, dass bei den Beiden auch andere Seiten zum Vorschein kommen dürfen und die Charaktere nicht eindimensional bleiben (es kam aber kein einziger schüchterner, Schwarzer Mensch vor).

Empfehlen kann ich das Buch an Menschen ab 14 Jahren, die sich für aktuelle Geschehnisse und Coming-of-Age-Romane interessieren. Ich wünsche ein erkenntnisreiches und spannendes Lesen!


Erschienen bei cbt

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Autorin / Autor: Johanna - Stand: 6. Oktober 2021