Alle lieben Bob - Neue Geschichten vom Streuner

Autor: James Bowen
Übersetzt von Ursula Mensah
ab 12 Jahren

Die Geschichte von James und dem gefundenen Streunerkater, Bob, im orangen Garfield-Look hat weltweit unzählige Leser begeistert. Bisher hat James Bowen die autobiographischen Anekdoten aus seinem und Bobs Leben für Erwachsene veröffentlicht. Mit "Alle lieben Bob – Neue Geschichten vom Streuner" gibt es nun eine Fassung für Jugendliche, die jedoch mit Vorsicht zu genießen ist, wie eigentlich der ganze Bob-Hype.
Erst einmal sind die Geschichten in diesem Buch nicht „neu“, sondern lediglich für den jüngeren Leser vereinfacht umgeschrieben worden und so lässt es sich nicht vermeiden, dass man sich bei dem Gedanken ertappt, ob es sich hierbei nicht einfach um eine gefinkelte Marketingstrategie handelt. Schließlich lässt sich so die Geschichte von Bob und James, die nun auch verfilmt werden soll, wieder auf neue Weise verkaufen. Neben den Büchern gibt es jede Menge Merchandise-Produkte rund um Bob, die ehemalige Streunerkatze, von der Tasse bis zum T-Shirt.
Und da ist man bereits beim nächsten Problem angelangt: Die Geschichten, die im Buch erzählt werden, handeln nicht von einem Streuner, der keinen Besitzer und keine feste Bleibe hat, nein, es gibt ja James. Bob ist ihm zugelaufen, aber vom Streunerleben vor dem Zusammentreffen von James und Bob, erfahren wir logischerweise nichts. Dennoch ist Bob damit ein ehemaliger Streuner, eine ehemalige Straßenkatze, wie auch immer, aber mit einem „ehemalig“ im Titel verkauft sich das Buch wohl schlechter. Genauso ist die Vergangenheit von James nebulös und wie das restliche Buch recht widersprüchlich. James sieht sich selbst als Rebell und beendet sein Buch mit der aufgedrückten Moral, dass er nun froh ist, doch auch endlich ein Steuerzahler zu sein, denn nur so sei man als Mensch etwas wert. Er war irgendwann einmal obdachlos oder ohne feste Bleibe, was ja zwei grundverschiedene Dinge sind, aber bei James synonym verwendet werden und er war einmal drogenabhängig, aber ist nun clean, nicht zuletzt dank Bob, wie der Autor angibt.

Wie für ein Jugendbuch typisch, wird auch in „Alle lieben Bob – Neue Geschichten vom Streuner“ versucht auf sogenannte „Problemthemen“ einzugehen, das jedoch ohne jegliche Perspektive und gerne, während man mit dem Zaunpfahl winkt, zumindest, wenn es um Dinge geht, wie „Drogen sind schlecht“ und „Steuern zahlen ist gut“. Die Welt wird zum schwarz-weißen Abziehbild. Was Themen der Katzenhaltung angeht, wird der ehemalige Junkie, auch nicht untypisch, sehr schnell defensiv und betont immer wieder im Buch, dass die Katze nicht leiden muss und gut behandelt wird, wenn sie Trockenfutter bekommt oder James unachtsam den Müll rumstehen lässt, so dass sich Bob in einer alten Dose verklemmt und von den verdorbenen Futteresten Würmer bekommt oder wenn er durch London mit dem Kater auf den Schultern Fahrrad fährt oder er mit seiner Katze über Stunden in betriebsamen U-Bahn-Stationen zubringt, während er entweder Gitarre spielt oder Zeitungen verkauft. Ansonsten spielt James gerne X-Box, zu Hause, er ist nämlich nicht obdachlos, sondern lediglich ohne feste Anstellung. Das Buch ist am Ende nicht nur plump geschrieben, sondern vor allem für Jugendliche sogar bedenklicher Lesestoff, der den leichtsinnigen Umgang mit Tieren schönredet und noch dazu falsche Tierhaltungstipps, Stichwort beispielsweise: Trockenfutter – ja, rohes Fleisch – nein und mehr, gibt.

Tiere können großartige Seelenfreunde sein, einen sogar aus dem Loch einer Depression ziehen, einen gesund pflegen und so Halt geben. Daher sind Haustiere vor allem für nicht sehr wohlhabende oder obdachlose Menschen eine besondere, ideelle Bereicherung und hier sollte es noch mehr Förderprogramme geben. Bob wird bei James jedoch zum Zirkustier, dass die einst so leere Kasse mühelos füllt, hat man unweigerlich das Gefühl. Die recycleten Geschichten dieses neuen Buchs scheinen diesen Eindruck nur noch einmal zu verstärken.


Erschienen bei Boje

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    Autorin / Autor: Ronjaeva - Stand: 31. August 2015