All that's left

Autorin: Sarah Raich

Aktueller als der neue Roman von Sarah Raich könnte ein Jugendbuch gar nicht sein. Besonders nach den schrecklichen Überflutungen im Sommer, sind uns die Folgen radikaler Wetterumschwünge immer noch vor Augen. Dass diese eben auch vom Klimawandel bedingt sind, der immer weiter fortschreitet, ist schon lange kein Geheimnis mehr. In All That´s Left kämpft Mariana um das Überleben in einer völlig apokalyptischen Welt.
Der Mensch hat es durch seinen Lebensstil geschafft, die Erde vollends zu zerstören. Das Wetter spielt verrückt, es grassieren schrecklich tödliche Krankheiten und natürliche Ressourcen sind kaum noch zu finden. Die Erde ist zum Feind des Menschen geworden und die letzten Überlebenden haben sich verschanzt oder irren durch die, von den Wetterextremen gezeichnete, Landschaft.

In Mitten dieses Untergangs lebt Mariana mit ihren Eltern in einer Wohnung in der Stadt. Dank ihres Vaters, der schon sehr früh auf eine solche Katastrophe vorbereitet war, leben sie in einer sicheren Umgebung mit eigener Strom- und Wasserversorgung. Doch als ihre Eltern in der tödlichen Welt außerhalb des Hauses verschwinden und Mariana wochenlang alleine ausharrt, zeigt sich ein weiterer Feind der Menschen: Einsamkeit!
Gerade noch rechtzeitig taucht ein Junge bei Mariana auf, der sie vor dem sicheren Tod bewahren kann. Gemeinsam mit Ali sieht Mariana endlich wieder einen Sinn in Mitten dieser hoffnungslosen Apokalypse und schöpft neue Hoffnung. Doch Ali möchte wieder raus in die Natur, sich auf den Weg machen und eine Siedlung finden, in der die letzten Menschen eine neue Heimat gefunden haben. Zu ängstlich, um ihm zu folgen, bleibt Mariana zurück. Doch die Angst vor einer erneuten Einsamkeit und die Sehnsucht nach Ali treiben sie nach draußen.
Raus in die feindliche Natur, raus in die brennende Sonne, raus in eine ungewisse Zukunft, die bereits an der nächsten Biegung in den Tod führen kann.

Schon nach wenigen Seiten fesselt Sarah Raich ihre Leserschaft mit der packenden Erzählung einer Überlebenskämpferin. Der Weg der Menschheit hin zur Vernichtung der Erde erscheint dabei realistischer, als wir uns wahrscheinlich selbst eingestehen wollen. Umso dringender sollte All That´s Left nicht nur als Unterhaltungsroman gelesen werden, sondern auch als Warnung. An zu vielen Stellen erscheinen die beschriebenen Szenarien nicht mehr nur dystopisch, sondern allzu real. Über die lebensgefährliche Natur und Umwelt hinaus beschreibt Raich auch die Abgründe des menschlichen Wesens. Auch wenn wir täglich während der Corona Pandemie erleben mussten, wie Menschen in Angst und Panik reagieren, so erschrecken einen dennoch die Figuren aus dem Roman. Ob es die verzweifelte Suche nach einem Heilmittel ist oder der Versuch, eine „Gesellschaft“ wieder aufzubauen: Die verbliebenen Menschen die sie trifft, sind nicht immer so vertrauenswürdig, wie es scheint.

Letztendlich schlägt jedoch auch Raich hoffnungsvolle Töne an, wenn es um das Wiederaufblühen der Natur, den rücksichtvolleren Umgang mit der Umwelt und das Vertrauen der Menschen zueinander geht.

Am Ende bleibt man als Leser_in gefesselt aber auch nachdenklich zurück, denn mit All That´s Left hat uns Sarah Raich keinesfalls nur dystopische Fiktion geschenkt, sondern auch einen allzu realen Weckruf, den wir uns alle dringlichst zu Herzen nehmen sollten.


Erschienen bei ivi

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Autorin / Autor: Ann-Kathrin - Stand: 8. November 2021