Regisseurin

oder besser: eine Diplomdesignerin mit Schwerpunkt Film

Ich weiß selbst nicht so genau, als was ich mich nun bezeichnen soll, ich meine jetzt so rein beruflich, denn ich mache ganz viele verschiedene Dinge. Ich bin 34 Jahre alt und habe letzten Dezember mein Studium an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach abgeschlossen. Meine offizielle Berufsbezeichnung lautet: Diplomdesigner mit Schwerpunkt Film. Ich habe bisher einige Filme gemacht: einen Dokumentarfilm und einige Kurzspielfilme, aber ich habe auch einige Videoarbeiten gemacht, also Installationen und Filme, die mehr in einem künstlerischen Kontext stehen als Dokumentar- oder Spielfilm. Zur Zeit arbeite ich als Kamerafrau bei einer Produktion des Balletts Frankfurt. Mein Tätigkeitsfeld ist sehr umfangreich, was sicherlich mit dem Studium an der HfG Offenbach zu tun hat, denn dort hatte ich sehr viele Möglichkeiten, und konnte alles, wozu ich Lust hatte, mit dem Studienplan vereinbaren. Ich habe für Filme Drehbücher geschrieben, Kamera gemacht, Regie geführt, Filme geschnitten, fotografiert und vieles mehr.

Aber eigentlich ...

...wollte ich ursprünglich was ganz anderes machen. Als ich so etwa 16 Jahre alt war, wollte ich Krankenschwester werden, da habe ich aber glücklicherweise keine Lehrstelle bekommen und habe dann Abitur gemacht. In der Oberstufe bin ich das erste Mal künstlerisch tätig geworden - und zwar als Gitarristin in einer Punkrockband. Das war insofern ganz wichtig, weil ich dabei das erste Mal gespürt habe, wie es sich anfühlt, kreativ bzw. künstlerisch tätig zu sein. Durch diesen Anstoß, sind bei mir viele Interessen geweckt worden, die mit Gestaltung zu tun hatten. So beschloß ich erst mal Möbeldesignerin zu werden. Ich machte eine Schreinerlehre, um ein handwerkliches Fundament zu haben und begann im Bereich Produktgestaltung mein Studium an der HfG Offenbach. Doch dann wurde ich bereits in den ersten Wochen meines Studiums gefragt, ob ich bei einem Film mitspielen wollte. Nach dieser intensiven Berührung mit Film, war für mich klar, dass ich selbst auch Filme machen möchte. Ich wechselte in den Fachbereich Visuelle Kommunikation und habe diese Entscheidung nie bereut.

Arbeit und Familienleben

Filme zu machen beinhaltet viele sehr komplexe Arbeitsprozesse. Ich habe mich noch nicht auf einen bestimmten Bereich festgelegt - auch das finde ich noch sehr reizvoll. Ich habe beispielsweise sehr viel für Theaterproduktionen gearbeitet, indem ich Vidoefilme hergestellt habe oder auch häufig als Kamerafrau tätig war, was mir erlaubt sehr frei und künstlerisch zu arbeiten. Mit richtig langen Spielfilmen habe ich noch keine Erfahrung, auch wenn das mein eigentliches Ziel ist. Das ist sicherlich auch auf die Hochschule zurückzuführen, denn sie ist nicht darauf ausgerichtet, dass dort Kinofilme produziert werden. Ich persönlich finde das nicht schlimm, denn ich profitiere sehr von der künstlerisch orientierten Ausbildung an der HfG.
Ich finde es schwierig zu sagen, ob ein Film von einer Frau oder von einem Mann gemacht wurde und ich habe mich mit meinen Schätzungen schon oft überraschen lassen müssen. Was jedoch auffällt ist, dass es immer noch so wenige weibliche Regisseurinnen gibt. Ich wünschte mir, das würde sich ändern. Die Pläne für meine Zukunft gehen in jedem Fall dahin, Spielfilme zu machen. Ich sammele gerade Ideen für einen langen Spielfilm und hoffe, bald mit dem Drehbuchschreiben beginnen zu können, was im Moment etwas schwierig ist, weil ich zwei noch recht kleine Kinder habe. Mein persönliches Ziel ist in jedem Fall auch, meine Arbeit mit dem Familienleben zu vereinbaren.

Besessen sein!

Egal, als was man in der Filmbranche arbeitet, man muß immer damit rechnen, dass man sehr viele Konkurrenten hat und deshalb ist die wichtigste Voraussetzung meiner Meinung nach, um Filmemacher oder Regisseur zu werden, auf eine Art besessen zu sein. Mein Argument, um Filmemacherin zu werden, war und ist es, Geschichten zu erzählen. Ich glaube, es ist eine große Illusion, zu glauben, dass man mit Filmen die Gesellschaft verändern kann. Das kann man meiner Meinung nach nur mit Politik. Und wenn Filme etwas mit Politik zu tun haben, dann stimmt da etwas nicht. Filme erreichen in erster Linie die Träume und Gefühle des einzelnen Menschen und wenn man es schafft, viele Menschen mit seinen Bildern zu berühren, dann hat man schon viel erreicht.

Ursula Maurer

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 20. September 2002