Ingenieurin - Maschinenbau

Vom Fahrzeugteil zur Besprechung

Gabriela Neuhalfen arbeitet bei der Firma FORD als Diplom-Ingenieurin Maschinenbau. Während dieser Zeit hat sie in fünf verschiedenen Aufgabenbereichen gearbeitet und "nebenbei" eine Familie gegründet.

Wie sehen Ihre Tätigkeiten aus ?

Da ich mittlerweile den fünften Job innerhalb der Firma Ford innehabe, werde ich über alle 5 etwas erzählen. Als Component-Ingenieurin habe ich Teile des Automatikgetriebes entwickelt. Danach war ich als Betriebsmittelkonstrukteurin beschäftigt und konstruierte Vorrichtungsteile oder Maschinenänderungen, um Getriebe zu fertigen. Mein drittes Aufgabengebiet war Messmittelplanerin - und wie der Name schon sagt, war ich für die Planung der Messeinrichtungen (Messmaschinen...) zuständig. Eine kurze Zeit habe ich mich mit auch mit Universitätskontakten, Personalauswahl und Einstellungsgesprächen für die Bereiche Motorenentwicklung- und Fertigung beschäftigt. Und meine letzte Station ist die einer Program-office- Ingenieurin. Hier muss ich die finanzielle Situation zur Entwicklung von Motoren planen.

Wie ist so ein typischer Tagesablauf?

Vielleicht beschreibe ich meinen damaligen Tagesablauf als Messmittelplanerin, da dies noch am ehesten den typischen Tagesablauf einer Maschinenbauingenieurin darstellt: Wenn ein neues Getriebe geplant wird, ist zuerst einmal die Entwicklung gefragt. In dieser Zeit, wenn alle Abmessungen der Getriebeteile berechnet und getestet werden, finden regelmäßig Besprechungen mit allen Bereichen statt, die an der Produktion beteiligt sind. Wenn zum Beispiel ein Zahnrad hergestellt wird, müssen alle Maße dieses Teils während der Fertigung geprüft werden. Meine Aufgabe war, in Besprechungen mit den Entwicklungsabteilungen zu klären, welche Toleranzbereiche (der Bereich, in dem sich ein Maß bewegen darf "+" -> "-") messbar sind, und dann die entsprechenden Maße zu bestätigen. Ich musste mir die passenden Messmittel überlegen und sie für verschiedene Lieferanten, die diese Messmittel herstellen, ausschreiben. Dazu gehörten auch Gespräche und Besuche in den Fertigungswerken. Somit fuhr oder flog ich Montags sehr oft zu einem der verschiedenen Werke, das konnte das Achsenwerk in Düren sein, das Getriebewerk in Halewood (England) oder das Getriebewerk in Bordeaux (Frankreich), hatte dort Besprechungen mit einheimischen Lieferanten und Abteilungen, die für die laufende Produktion zuständig sind und den Qualitätsabteilungen. Mittwochs oder Donnerstags flog ich dann zurück, um Arbeiten im Büro zu erledigen. Dies waren dann: Zeichnungen der Lieferanten überprüfen und genehmigen, Besprechungen mit den Entwicklungsabteilungen (oft auch über nachträgliche Änderungen), Kostenanfragen, Bestellungen oder Bestelländerungen am Computer schreiben, Besprechungen mit den Einkaufsabteilungen und Messanweisungen für die Fertigungswerke erstellen.

Wie sind Sie denn auf den Beruf gekommen?

Nach der Schule wollte ich zuerst eine Ausbildung machen und ließ mich, da ich immer gerne Mathematik und Physik mochte, als Technische Zeichnerin ausbilden. Dabei wurde mein Interesse für "Maschinenbau" geweckt.

Wie war die Ausbildung?

Das Maschinenbaustudium war härter als erwartet. Da ich immer eine sehr gute Schülerin war (mir fiel Schule leicht), hatte ich nicht gelernt, wirklich konzentriert zu lernen. Somit musste ich mich in der ersten Zeit sehr umstellen. Aber da ich das Studium gleichzeitig auch als sehr interessant empfand war es o.k.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?

Die Kombination: Beschäftigung theoretisch und praktisch mit Fahrzeugteilen und ebenfalls sehr viel Kontakt zu anderen Menschen gefällt mir sehr. Einen großen Teil meiner Arbeit sitze ich in Besprechungen, in denen viele Dinge diskutiert, überlegt und gemeinsam entschieden werden. Das dort auch meine Meinung wichtig ist, empfinde ich als sehr reizvoll.

Und was mögen Sie gar nicht?

Wenn sich nach langen Gesprächen kein Ergebnis zeigt. Wenn Kollegen unkollegial agieren.

Haben Frauen es in dem Beruf schwerer als Männer?

Nein. Allerdings ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer gleichermaßen oft sehr schwierig.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, hat das was mit Ihrem Beruf zu tun?

Nein. Dann bin ich vollständig für meine Familie da.

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 25. November 2002