Sozialarbeiterin

Brave Mädchen kommen in den Himmel, Sozialarbeiterinnen überall hin.

Nach dem Abitur hatte ich immer noch keinen blassen Schimmer, was ich eigentlich beruflich machen wollte. Es sollte jedenfalls irgendwas mit Menschen zu tun haben und vielleicht auch noch die Möglichkeit bieten, mein künstlerisches Talent einsetzen zu können. Ich hatte immer schon eine soziale Ader und interessierte mich für kuriose Menschen mit chaotischen und unkonventionellen Lebensläufen. Nach eingehender Recherche im BIZ des Arbeitsamtes stieß ich dann auf die Sozialarbeiterin und dachte: das isses. Die Beschreibung des Berufes war furztrocken und ist es sicher auch heute noch, deshalb hier eine etwas lebensnahere und anschaulichere Beschreibung des Berufes der Sozialarbeiterin:

Sozialarbeit - was ist das überhaupt und wo arbeitet man da?
Man kennt sie vielleicht aus Krimis - die Streetworker, die sich mit der Kippe im Mundwinkel und in Klamotten, die sie nicht viel anders aussehen lassen als ihre Schützlinge -  um Drogenabhängige oder Prostituierte kümmern. Die Arbeit einer Sozialarbeiterin kann aber total unterschiedlich sein, da die Bandbreite, was man in diesem Beruf alles machen kann, unheimlich groß ist. Allen Arbeitsfeldern gemeinsam ist, dass frau mit, an und für Menschen arbeitet und zwar mit dem Ziel, die jeweilige Lebenssituation des Einzelnen oder der sogenannten "Zielgruppe" (z.B HIV-Infizierte, Arbeitslose, jugendliche StraftäterInnen oder AusländerInnen) zu verbessern. Um einen Überblick zu bekommen, stelle ich euch jetzt mal grob die Arbeitsfelder der Sozialarbeit vor:

Kinder- und Jugendarbeit
In diesem Bereich arbeiten die Sozialarbeiterinnen in Kinder- und Jugendheimen, in Jugendzentren, beim Jugendamt, in Beratungsstellen wie z.B. beim Kinderschutzbund oder bei Pro Familia. Hier geht es auch viel um Ausbildung und Beruf. Sozialarbeiterinnen arbeiten zum Beispiel in Qualifizierungsmaßnahmen wie Jugendwerkstätten oder stehen als Schulsozialarbeiterinnen direkt vor Ort zur Beratung und Begleitung der SchülerInnen zur Verfügung.

Gesundheitswesen
Wie der Name schon sagt, fallen in diese Sparte alle Stellen, die in irgendeiner Weise mit der körperlichen und psychischen Gesundheit von "Klienten" zu tun haben. Darunter fällt der ganze Bereich der Drogenarbeit, also Drogenberatung, Suchttherapie und Wiedereingliederung, AIDS-Beratung, Arbeit mit psychisch Kranken und die Krankenhaussozialarbeit, aber auch die Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Menschen in Heimen oder Werkstätten.

Gemeinwesenarbeit
Das ist ein Arbeitsfeld, das sich ein wenig von den anderen unterscheidet: hier geht es nämlich nicht um eine bestimmte Zielgruppe oder einen Einzelfall, sondern um einen ganzen Stadtteil. Man geht in der Theorie davon aus, dass die Ursache für individuelle Probleme, seien sie nun existentiell oder psychisch, im Lebensumfeld der Menschen zu suchen sind. Entsprechend versucht man die Probleme dann also von außen nach innen zu verbessern: Wenn die Kinder eines Stadtteils beispielsweise verwahrlosen, aggressiv und kriminell sind, wird erstmal das Wohnumfeld verbessert: Spielplätze müssen her, vielleicht ein Bolzplatz und eine Elterninitiative, ein Kindergarten und eine Schülerhilfe. Dabei sollen die BewohnerInnen eines Stadteils möglichst alles selber machen, das nennt man dann Hilfe zur Selbsthilfe. Die Sozialarbeiterin wird zur "Quatiersmanagerin", die den Überblick behält und als Vermittlerin z.B. zur Stadt oder zur Wohnungsbaugesellschaft fungiert und sich hauptsächlich um Organisatorisches kümmert. Diese Arbeit ist hochpolitisch und verlangt Charakterstärke und Kampfgeist.

Altenarbeit
Hier geht es um die speziellen Bedürfnisse der älteren Generation. So gibt es z.B. in Altenheimen Sozialarbeiterinnen, die Freizeitangebote organisieren und die BewohnerInnen in rechtlichen Angelegenheiten betreuen. Es gibt aber auch andere Einrichtungen für Alte, z.B. Tagesstätten und Hospize (Sterbehäuser).

Arbeit mit MigrantInnen
Wenn du dich für andere Kulturen interessierst, ist dieses Arbeitsfeld das Richtige für dich. Ob du interkulturelle Veranstaltungen organisierst, AusländerInnen in rechtlichen Fragen berätst, im interkulturellen Dienst des Sozialamtes verschiedene Geldquellen für Integrationsprojekte anzapfst oder dich speziell über die Belange und Probleme junger muslimischer Mädchen kümmerst - gegen einen Kulturschock solltest du gefeiht sein und viel Respekt für fremde Umgangsweisen mitbringen.

Betriebssozialarbeit
Was ganz anderes - die Betriebssozialarbeiterin ist nämlich in der freien Wirtschaft tätig und wird mitunter auch entsprechend besser bezahlt. Das Aufgabenfeld kann ganz unterscheidlich sein, je nach dem, welche Probleme in dem jeweiligen Betrieb zentral sind. Oft geht es um Mobbing, Alkoholprobleme oder arbeitsrechtliche Fragen.

Frauenarbeit
Sozialarbeiterinnen helfen hier bei speziell "weiblichen" Problemen. Wenn eine Frau z.B. von ihrem Ehemann misshandelt wird, findet sie in einem anonymen Frauenhaus Zuflucht. Es gibt auch entsprechende Beratungsstellen und Organisationen, die sich allgemein für die Emanzipation engagieren und Frauen unterstützen, wie der SKF (Sozialdienst katholischer Frauen) z.B. Die Mädchenarbeit fällt ebenfalls in diesen Bereich, wie z.B. Mädchentreffs, das Handwerkerinnenhaus o.ä..

Andere
Bestimmt kennt ihr die Bewährungshelferin? Sie hilft Leuten, die eine Haftstrafe (d.h. Gefängnis) absitzen mussten, wieder in den Alltag zurück zu finden. Andere Sozialarbeiterinnen sitzen direkt im "Knast" und betreuen die Leute vor Ort. Außerdem gibt es noch die gesetzliche Betreuerin. Sie managt quasi das Leben von Jugendlichen, die keine Eltern mehr haben oder von Menschen, die aus irgend einem Grund ihre Angelegenheiten (Finanzen, Erbe, Ausbildung und Beruf etc.) nicht selber regeln können. Als SozialarbeiterIn kann man auch Schuldnerberatung machen. Da hat man viel mit finanziellen Dingen zu tun und sitzt die meiste Zeit im Büro. In allen Sparten geht es je nach dem mehr oder weniger um Arbeit. Viele SozialarbeiterInnen beschäftigen sich aber auch ausschließlich mit dem Thema Arbeitsberatung und -Vermittlung, z.B. in Arbeitslosenzentren und Jobbörsen.

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Autorin / Autor: NadjaGoede - Stand: 16. Januar 2004