Künstlerin

Ich mag am liebsten, wenn ich arbeite ohne daran zu zweifeln, was ich tue. Wenn ich klar sehe und spüre, was jetzt zu tun ist.

Sonja Hellmann ist Künstlerin von Beruf. Ihr Motto ist: „Ich bin, was ich werden möchte“.

Was macht eigentlich eine Künstlerin?
Hm, so allumfassend kann ich das nicht sagen. Ich glaube ich mache etwas für mich und für andere. Etwas, was Nahrung ist für andere Organe als den Magen. Etwas was aufmerksam macht.

Bist du eine „richtige“ ausgebildete Künstlerin?

Na ja, ich hab studiert und mein Diplom gemacht.

Welche Richtung? Was machst du genau?

Malerei und Kunsttherapie. Bei der Jugendkunstschule im artefact gebe ich Kurse und mache Projekte mit Kindern und Jugendlichen (wie z.B. die Mädchenwerkstatt im Sommer), auch mit Schulen arbeite ich zusammen. Dann arbeite ich in meinem Atelier, male Bilder auf Leinwand und experimentiere mit anderen Materialien.

Kann man davon leben?

Das werde ich oft gefragt und ich antworte dann „im Herzen ja.“ Weil ich es als lebenswichtig empfinde. Geld verdiene ich mit meinen Bildern nicht, aber es kommt immer etwas zurück, eine Erkenntnis, ein Gefühl, Freiheit, die Gewissheit, dass das Bild, da wo es gerade ist, Sinn hat. Hm, tja. Mit den Kursen und Projekten verdien ich schon ein bisschen was, davon kann ich mein Atelier und das Material zahlen (mal mehr, mal weniger). Um meine Miete zahlen zu können, jobbe ich noch im Kino, ein Job, wo ich vielen Menschen begegne, manchmal inspiriert mich das für ein Bild. So gehört alles irgendwie zusammen.

Wie bist du darauf gekommen, Malerin zu werden?

Ich weiß nicht. Ich glaube ich wollte das einfach weiter machen, ich hab gemerkt, dass ich mich und andere mit Bildern glücklich machen kann.

Welche Ausbildung hast du gemacht?

Ich war auf der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Dort habe ich Malerei im Grundstudium und Kunsttherapie im Aufbaustudium studiert. In Hospitationen, Praktika, Kursen und Projekten habe ich die kunstvermittelnde Arbeit kennen gelernt.

Beschreib doch mal einen typischen Arbeitstag von dir.

Einen typischen Arbeitstag gibt’s nicht bei mir. An einem KURSTAG frühstücke ich um acht oder neun und erledige Bürokram. Dann treffe ich mich mit einer Kollegin um den gemeinsamen Kurs für den nächsten Tag vorzubereiten. Danach ist ein bisschen Zeit für Einkauf und Mittagessen. Ca. 14.00 Uhr bereite ich den Kursraum für heute vor. Für 1,5 bis 2,5 Stunden kommen die Kinder und Jugendlichen, denen ich die Materialien und den Umgang damit zeige (z.b. Ölfarbe selber gemacht) und ihnen Anregungen zur Gestaltung gebe. Danach Raum wieder aufräumen. Dann habe ich ein bisschen Pause, geh manchmal noch ins Atelier oder Tanzen oder mach Theater.

An einem MALTAG steh ich manchmal schon sehr früh auf (mit den ersten Sonnenstrahlen) und genieße in Ruhe meinen Kaffee. Dann gehe ich ins Atelier und baue eine Leinwand. Frühstück und zurück ins Atelier. Dort arbeite ich ein bis zwei Stunden intensiv an einem Bild. Dass das echt anstrengend ist, merke ich daran, dass ich nach dem Malen erst mal ne Stunde Schlafen muß. Über mehrere Tage, manchmal Wochen trete ich immer wieder vor das Bild, schau es an und arbeite – der Grad zwischen "Fertig" und "Darüber" ist schmal. Nach meinem Schläfchen habe ich Zeit zum Einkaufen, Essen machen und für Bürokram wie Beteiligungen an Ausschreibungen für Förderungen, Kunstpreise etc. Abends treffe ich gerne Freunde.

An einem KINOTAG schlaf ich oft lang und fahr mittags zur Arbeit. Dort koch ich bis Mitternacht Popcorn für die Gäste oder räum den Saal nach der Vorstellung auf. Das ist halt mein Job.

Was magst du am liebsten?

Wenn ich arbeite ohne daran zu zweifeln, was ich tue. Wenn ich klar sehe und spüre, was jetzt zu tun ist.

Was kannst du nicht so leiden an deinem Beruf?

Dass ich so sehr geschlaucht bin nach einem Kurs. Ich brauch dann Zeit, mich zu regenerieren. Ich tu ja nicht viel körperliche Arbeit, viel mehr brauche ich immer wache, klare Augen und muß mich flexibel einfühlen können und sehen in welche Richtung der/die Kursteilnehmer/in gerade geht um sie darin zu unterstützen. Diese Arbeit tu ich gerne. Was ich nicht mag, ist das Gefühl nachher, dass ich meine Reserven aufgebraucht habe. Damit umzugehen lerne ich.
Was ich überhaupt nicht leiden kann, ist wenn ich mich selbst überhöre. Wenn ich beim malen nicht achtsam bin und mir irgendwas ausdenke statt hinzusehen.

Wie kommst du auf deine Ideen? Und wie gehst du vor wenn du sie umsetzen willst?

Manchmal habe ich eine Vision, dann sehe ich etwas, was ich dann mit verschiedenen Materialien umsetze (oft klappt das erst beim vierten fünften Mal). Auch inspirieren mich Begebenheiten aus meinem Leben, Gefühle, Erkenntnisse, Ereignisse, die ich ausdrücken will. Dafür benutze ich was ich gerade finde, im Moment arbeite ich mit Pigmenten und Zucker. Und manchmal ist es das Material (z.B. Holz und Fäden) in dem ich‚ Schritt für Schritt die neue Form entdecke und gestalte.

Wolltest du auch schon als Kind den Beruf haben, oder was wolltest du werden?

Journalistin wollte ich werden und Zirkuskind. Is mir irgendwie auch gelungen, nicht?

Was würdest du einem Mädchen raten, dass am liebsten Malerin werden möchte?

Mal, mal, mal! Hör auf dein Selbst und tu was zu tun ist!

Autorin / Autor: Sonja Hellmann/ Rosi Stolz - Stand: 25. Juli 2005