Produktdesignerin

Sandra Groll ist 28 Jahre alt und Produktdesignerin. Ihr Motto: "Der Kreativität freien Lauf lassen!"

Was macht eigentlich eine Produktdesignerin?
(lacht) Tische, Stühle, Bänke - Gebrauchsgegenstände, Verpackungsmaterial, Gehäuse. Je nach dem, wo die Produktdesignerin arbeitet. Ist sie bei einer Möbelfirma angestellt, entwirft sie zum Beispiel Sofas. Arbeitet sie dagegen für eine Elektrofirma, dann muss sie Maschinengehäuse entwerfen. Zu den Aufgaben der Produktdesignerin gehört eigentlich alles, was designt werden kann. Außer Mode, Autos und Graphiken, - dafür gibt es eigene Berufe.Eine Produktdesignerin arbeitet vor allem am Computer mit dreidimensionalen Modellen. Sie erhälz einen Auftrag, das Design für ein Produkt zu entwerfen. Und dann sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Am Ende muss das Produkt aber nicht nur schön aussehen, sondern auch die Funktionalität erfüllen.

Wie wird man Produktdesignerin?
Produktdesign muss man studieren. Viele Hochschulen und Kunsthochschulen bieten Design-Studiengänge an. Voraussetzung dafür ist immer das Abitur. Wer Produktdesign studieren möchte, bewirbt sich mit einer Mappe. Die sollte sich möglichst von den der anderen Bewerber unterscheiden. Gut ist es, wenn der Mappe ein Entwurf für ein Produkdesign beiliegt. Außerdem findet an fast allen Hochschulen eine Aufnahmeprüfung statt.

Muss man sich spezialisieren?
Die meisten Produktdesinger spezialisieren sich schon während der Ausbildung auf einen Bereich (zum Beispiel Gehäuse oder Möbel). Oder sie sind schon durch die Ausrichtung des Studiengangs festgelegt. Aber man muss sich nicht spezialisieren.

Dein schönster Entwurf?

(lacht) Ein Sofa und ein Teller. Für das Sofa habe ich ein halbes Jahr gebraucht. Das klingt jetzt lustig. Das Schwierige daran war, dass das Sofa nicht aussehen sollte wie ein Sofa. Aber man sollte trotzdem bequem darauf sitzen können. Bei dem Teller war es genau anders. Das Design war eine Samstagnachmittags-Eingebung. Ich bin in die Werkstatt gelaufen und alles war innerhalb zehn Minuten genauso realisierbar, wie ich es mir vorgestellt habe. Alles hat einfach gestimmt. Das war wundervoll.

Wo arbeiten Produktdesignerinnen?

Entweder in großen Unternehmen, zum Beispiel bei Möbelherstellern. Oder in großen Designbüros. Wer mutig ist, der kann sich auch mit einem eigenen Design-Büro selbstständig machen. Selbstständige werden oft von mittelständigen Unternehmen beauftragt. Ich glaube, dort kann man sogar am kreativsten sein.

Was verdient eine Produktdesignerin?
Das hängt von ihrer Anstellung ab. In größeren Unternehmen fangen Jung-Designerinnen mit 2000 Euro Netto an. Die meisten Designer verdienen aber wesentlich mehr. Bei den selbstständigen Designern hängt es von der Auftragslage ab. Wenn man sich einen Namen gemacht hat, kann man mit Produktdesign sehr gut verdienen.

Wie sieht der Arbeitsalltag einer Produktdesignerin aus?
Sie sitzt an ihrem Computer und enwirft. Manchmal hat sie einen Leerlauf und ihr fallen keine guten Ideen ein. Das frustiert dann. Kreativität ist halt nicht planbar. Darum ist sind auch die Arbeitszeiten nicht planbar. Oft haben Designerinnen einen sehr langen Arbeitstag. Besonders in Phasen, in denen Idee, Konzept und Umsetzung einfach nur stimmig sind.

Gibt es etwas, was du an deinem Job nicht magst?

Design ist eine ungeheure Kommunikationsleistung. Als Designer muss man mit den Modellbauern sprechen und die davon überzeugen, alles genau so zu bauen, wie es auf dem Entwurf steht. Da verhandelt man manchmal stundenlang über zwei Zentimeter. Und man muss mit den Kunden sprechen und ihnen das theoretische Gerüst, das hinter der Idee steht, nahe bringen, sie überzeugen und begeistern.

Was liebst du an deinem Beruf?
Dass ich ständig Abwechslung habe. Ich arbeite mit den verschiedensten Materialien und Stoffen. Und: Ich arbeite sowohl mit dem Kopf als auch mit den Händen. Ich sorge dafür, dass normale Gebrauchsgegenstände, über die man sonst nicht nachdenkt, plötzlich bemerkt werden.

Was rätst du Mädchen, die Produktdesignerinnen werden wollen?
Sich gut zu informieren, einen Zeichenkurs zu machen und eine ungewöhnliche Mappe anzufertigen. Die Mädchen sollten die Schnuppertage an den Hochschulen besuchen, an denen sie gerne studieren möchten. Und sie sollten Design-Messen besuchen. Da haben auch die meisten Design-Studiengänge interessante Stände. Vor allem sind aber viele Jung-Designer auf den Messen. Das ist eine gute Möglichkeit, schon mal Kontakt aufzunehmen und Fragen zu stellen.

Autorin / Autor: Tina Groll - Stand: 5. Augsut 2005