Clownin

Mit Humor und Leichtigkeit durchs Leben stolpern

Hallo Ida, warst du schon immer Clownin?
Nein, in „grauer“ Vorzeit war ich Gärtnermeisterin, danach habe ich Dipl. Objekt-Design studiert und auch eine Weile in dem Beruf gearbeitet. Dann war ich eine Zeit lang Taxifahrerin. Danach habe ich eine Ausbildung zur Grafik-und Multi-Media Designerin abgeschlossen. Nach eine Pause der Arbeitslosigkeit war ich im Handwerkerinnenhaus Köln e.V. Anleiterin für Berufswahlorientierungskurse für Mädchen. Im August 2003 habe ich mich als Clownin und Raumgestalterin selbständig gemacht. Zwei von einander getrennte Berufe.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Clownin zu werden?

Vor über 25 Jahren habe ich das erste Mal einen Clowns- und Pantomimeworkshop besucht, habe dann eine zeitlang Improvisationstheater gelernt und in einer Gruppe mitgespielt. Nach langen Jahren der Pause, habe ich mit Schauspielunterricht in einer kleinen Gruppe, angeleitet von einer am freien Theater engagierten Schauspielerin den Faden zum Theater und seinem Umfeld wieder aufgenommen. Mit einer Freundin habe ich dann in einer Frauen-Kabarett-Gruppe mitgespielt. Kurze Pause. Für einen Freund habe ich nach Angeboten für Clownskursen in Köln gesucht und bin dabei auch für mich auf die Figur des Clowns, der Clownin gestoßen. Nachdem ich in Köln und in Hamburg an zwei Clowns-Schnupperwochenenden teilgenommen hatte, war es klar: ICH MÖCHTE CLOWNIN WERDEN. Erst habe ich mich langsam über ein wenig Theater und Kabarett der Clownsfigur genähert und sie für mich entdeckt.

Mein Arbeitsalltag?

Der Tag beginnt meist mit den typischen alltäglichen Dingen des Lebens, und wenn der Tag dann beruflich nur für die Clownin ist, dann beginne ich damit, dass ich mir alle kleine Geschichten, die ich als Clownin gespielt habe, durchlese oder Ideen für neue sammle. Danach kommt ein Aufwärmtraining, ähnlich wie beim Sportunterricht oder in der Gymnastikstunde. Dann beginne ich mit dem Spielen, mit dem Improvisieren der Ideen, was mir gerade so einfällt. Dabei arbeite ich oft mit irgendwelchen Objekten, vom Hut über Mülltüte bis.. was immer mir in die Finger fällt oder ich spannend finde. Das heißt, an solchen Tagen sind drei bis vier Stunden für die Clownin in meinem normalen Arbeitsablauf eingeschlossen. Je nach dem versuche ich an zwei Tagen der Woche etwas für die Clownin zu tun, sei es üben oder mich zumindest gedanklich damit intensiv beschäftigen. Da ich aber noch einen anderen Job habe, mit dem ich auch Geld verdiene, ist das mit der Zeiteinteilung nicht immer möglich.

Bringt eine Clownin Leute immer nur zum Lachen?

Ne, ne nicht immer bringe ich die Leute zum Lachen. Manche wenden sich schnell ab, manche zeigen mir den Vogel. Manchmal ist es auch nicht so wichtig, dass die Leute lachen, manchmal reicht es auch wenn sie bessere Laune bekommen :-).

Wie entstehen deine Ideen für Stücke?

Teils durch Anfrage von außen, dass ich zu einem bestimmten Thema als Clownin auftreten soll, z.B. Auftritt als Clownin im Altenheim zum Sommerfest mit dem Motto „Rund um den Lavendel“. Da habe ich mir dann eine kleine Geschichte ausgedacht, wie ich als Clownin auf die Suche nach dem Lavendel gehe, und was ich dabei so erlebe. Oder, zur Feier der Zeugnisübergabe, zur SeelsorgerIn und TrauerbegleiterIn, dazu habe ich ein ca. 40-Minuten Stück entwickelt, in dem ich als Clownin den Weg der Trauer gehe. Oder ich setze mich hin und überlege, wozu ich Lust habe, was ich spannend finde, ins Spiel umzusetzen.

Arbeitsplatz?

Ich trete auf bei Festen aller Art, von privat bis betrieblich, für Erwachsene und Kinder, auf Stadtfesten, Kindergartenfesten.... und in Altenheimen. Ich gehe aber auch mit meinem Trauerstück auf Fachtagungen im Bereich von Trauer-Seelsorge und Suizid.

Wie wird man überhaupt Clownin, und welche Voraussetzungen braucht man?

Es gibt private und staatlich anerkannte Clownsschulen. Die Ausbildung ist berufsbegleitend oder Vollzeit und dauert meist zwei bis zweieinhalb Jahre. Ich habe eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung in Hamburg gemacht. Voraussetzungen? Schwierige Frage... Offenheit für's Spiel, für's Experimentieren, für das Kindliche, Neugier, Grenzen überschreiten wollen, offen dem eigenen inneren Kind zu begegnen. Keine Angst davor haben, Dinge zu tun, die wir im "normalen" Leben nicht tun oder tun dürfen. Offen für alles Neue und Alte ....?????

Was ich liebe an meinem Beruf?

Als Clownin darf das Kind in mir sichtbar werden. Dieses Kind ist neugierig und gespannt auf alles Neue. Und alles Neue ist interessant. Es spolpert unbedarft durchs Leben, probiert tausend Ideen aus und setzt sie um, ohne zu überlegen, ob es geht oder nicht und ohne vorher in gut oder schlecht zu sortieren. Der Clownin in meinem Leben einen Raum geben, bedeutet für mich mehr Heiterkeit, Lebenslust, Humor und Lebens-Über-Mut in mein Leben zu integrieren. Diese Sätze sind die Einleitung zu Aphrodite´s Philosophie, und sie drücken für mich aus, was mir besonderen Spaß macht. Nicht immer überlegen "Darf ich das sagen oder tun?", sondern es einfach tun oder sagen.

Was kannst du gar nicht leiden?

Wenn man Clowns als oberflächlich bezeichnet.

Man denkt ja über Clowns, dass sie auch privat witzig sind, stimmt das? Kannst du auch arbeiten, wenn es dir schlecht geht?

Ich kann auch, wenn es mir nicht so gut geht als Clownin arbeiten, ich muss mich jedoch vorher stärker vorbereiten, mehr auf die Arbeit einstimmen. Dann genügt es nicht nur, mich zu schminken und mein Kostüm anzuziehen, ich muss mich dann bewusster sammeln, konzentrieren und mir die Freude herbeiholen durch bestimmte Übungen. Ansonsten sind Clowns genauso witzig oder nicht wie andere Menschen auch.

Zukunft?

Ich habe lange nach dem Beruf gesucht, der mich ausfüllt, der nicht irgendein Job ist, in dem ich arbeite, wo ich eher froh bin, wenn ich Feierabend habe. Mit der Clownin und ihrer Arbeit habe ich für mich diesen Beruf gefunden, und irgendwie ist es mein Traumjob, indem es aber auch immer wieder neue Sachen zu lernen gibt, und in dem ich nicht stehen bleiben möchte. Immer auf dem Weg sein, mal schnell mal langsam, offen sein, immer in Bewegung bleiben.

Infos im Netz

Autorin / Autor: Ida Hagemann, Rosi Stolz - Stand: 2. November 2004
 
 
 

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