Mädchen können den Beruf genauso gut machen!

Heike mag die Herausforderungen, die die Informatik mit sich bringt

Kannst du mal so einen typischen Tagesablauf in deinem Beruf darstellen?

Einen richtig typischen Tagesablauf habe ich noch gar nicht. Meist lerne ich jeden Tag etwas Neues dazu, beispielsweise Methoden um eine Lösung zu entwickeln oder probiere verschiedene Dinge in den Sprachen, die ich lerne, aus. Wenn ich in Projekten arbeite, arbeite ich meist mit einem Arbeitskollegen zusammen und entwerfe mit ihm Konzepte und entwickle dann im nächsten Schritt die Software. Natürlich wird diese auch getestet und am Ende präsentiert. Wenn ich genug Erfahrung und Wissen habe, kann ich dann auch später meine eigenen Projekte machen.

Welche Tätigkeiten magst du am liebsten?
Ich mag es, mich vor ein Problem zu setzen und eine Strategie zu finden, wie ich dieses Problem lösen kann. Jedes Mal steckt dahinter eine neue Herausforderung und man muss sich immer wieder Ideen einfallen lassen und sie durchdenken. Wenn man einmal die richtige Lösung gefunden hat, ist die Umsetzung nicht mehr all zu kompliziert, es sei denn, es finden sich dort Probleme, die vorher nicht bedacht wurden. Wenn das entwickelte Programm am Ende funktioniert, fehlerfrei und lauffähig ist, dann hat man natürlich als Entwickler ein Erfolgserlebnis. Außerdem mag ich an der Tätigkeit, dass ich etwas Eigenes schaffe, was ich mit meinen gegebenen Mitteln und meinem Wissen umgesetzt habe. Wenn dann noch die Zufriedenheit des Kunden hinzu kommt, hat man wirklich das Gefühl etwas erreicht zu haben.

Und was liegt dir so gar nicht am Herzen?
Momentan kann ich sagen, dass mir die Fehlersuche nicht besonders gefällt. Fehler treten natürlich auf, doch gerade am Anfang, wenn man noch nicht die große Erfahrung hat, sieht man nicht so schnell, wo der Fehler liegt oder kann ihn aus irgendwelchen Gründen einfach nicht finden. Aber mit der Zeit und mit der Übung findet man schneller den Fehler und lernt auch immer mehr Wege kennen, um einen Fehler schnell ausfindig zu machen und ihn auszubessern. Manchmal fühlt man sich eben wie mit einem „Brett vor dem Kopf“, aber ich merke schon eine Verbesserung.

Warum entscheiden sich deiner Meinung nach immer noch so wenig Mädchen für diesen Beruf?
Ich glaube, dass die meisten Mädchen einfach kein Interesse für diesen technischen Bereich haben. Jedoch würde ich sagen, dass Mädchen genauso gute Voraussetzungen für diesen Beruf mitbringen wie Jungs auch, also keine Frage des Geschlechtes. Vielleicht können sich auch viele Mädchen nicht vorstellen, in so einem Beruf zu arbeiten oder trauen sich diese Arbeit nicht zu. Es könnte auch sein, dass vielen Mädchen gar nicht richtig klar ist, was hinter diesem Beruf steckt, denn oftmals sieht man ein ganz anderes Bild vor sich, wenn man an Informatiker denkt und glaubt noch nicht mal daran, dass diese wirklich mit Kunden in Kontakt kommen. Durch dieses falsche Bild werden viele Mädchen bestimmt abgeschreckt oder entwickeln erst gar kein Interesse für solche Berufe. Ich sehe dort aber überhaupt keinen Grund, warum ein Mädchen diesen Beruf nicht ausüben sollte.

Hast du einen Vorschlag, wie man das ändern könnte?
Von der Seite der Mädchen aus sollten sich diese mehr für neue Dinge und Perspektiven öffnen, denn vielleicht ist es auch gerade ein Anreiz, einen nicht für sie typischen Beruf zu ergreifen oder mal dort rein zuschnuppern, ob es vielleicht etwas gibt, das ihnen auch liegt, worüber sie sich vorher noch gar nicht bewusst waren. Außerdem wäre es eine Möglichkeit, dass Mädchen mehr über diesen Beruf informiert werden. Aber nur reine Informationen bringen noch keinen dazu, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Am besten wäre es, mit Informatik in Berührung zu kommen, z.B. durch die Schule, denn durch praktische Erfahrungen merkt man ja am besten, ob einem so etwas liegt oder interessieren könnte. Über die Unternehmen kann ich viel Positives sagen, denn nach meiner Erfahrung unterstützen viele Unternehmen schon Frauen in diesem Beruf. Ich denke, dass diese Entwicklung sehr positiv verläuft und man schon eine Zunahme sieht an Frauen, die sich für einen solchen Beruf entscheiden. Und es können, dürfen und sollten noch mehr werden!

Autorin / Autor: Heike Beckmann, Rosi Stolz - Stand: 2. April 2008