Handschellen, Laserpistolen und Schnüffelhunde

Stillergirl erzählt von ihrem Praktikum bei der Bayerischen Polizei

Nunja, zuerst stellt man sich natürlich hier die Frage: Wie kommt man eigentlich an ein Praktikum bei der Polizei? Ich hätte bis vor vier Monaten auch nicht gedacht, dass es so was überhaupt gibt, geschweige denn, dass man an so etwas teilnehmen kann. Aber nun der Reihe nach.

Gesund, straffrei und nicht klein
Alles fing damit an, dass ein gewisser Herr Wild in unsere Schule kam und ungefähr 20 Schülerinnen (wir sind eine Mädchen-Realschule), die sich für die Polizei interessierten, über den Polizeiberuf informierte. Was für Tätigkeiten auf einen zukommen, wie das Gehalt ist und natürlich welche Bedingungen es gibt, damit man auch angenommen wird. Diese wären z.B. keine Vorstrafen haben (is ja logisch, oder?), keine schwereren Krankheiten (Asthma, Diabetes ...) und eine Mindestgröße von 1,65m bei Frauen. Nach diesem ca. eineinhalbstündigen Vortrag, der überhaupt nicht langweilig war, gab uns Herr Wild Anmeldebögen für ein Praktikum. Diesen Bogen hab ich sogleich am übernächsten Tag ausgefüllt (Name, Klasse ...) und mit den letzten zwei Zeugnissen an die Polizei Kempten geschickt. Einen Monat später bekam ich die Zusage für die Schnupperlehre, ich sollte am 21./22. Februar 2007 zur Polizei kommen. Wie mir dann bekannt wurde, konnte nur ein Drittel der Praktikum-Bewerberinnen angenommen werden, und zwar nur das Drittel mit dem besten Zeugnis, das waren in diesem Fall, Schülerinnen mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,0 oder besser. Herr Wild meinte dazu: „Ihr seid die Crème de la Crème!“ Ok, und nun zu den Tagesabläufen.

Handschellen und Fingerabdrücke
Am Mittwoch, den 21.02. sollten wir um 8 Uhr in der Polizeiinspektion Kempten sein. Der Tag fing schon sehr "polizeimäßig" an, kurz vor Beginn, als schon ein paar Leute da waren, wurde eine Frau in Handschellen an uns vorbeigeführt. Als schließlich alle 10 Praktikanten (man erwähne die Geschlechterverteilung: neun Mädchen und ein Junge) da waren, begrüßte uns ein Polizist und erzählte uns eine Stunde lang, was wir an diesem Tag zu erwarten haben und nochmals etwas Allgemeines über den Polizeiberuf. Um 9 Uhr wurde uns alles gezeigt, was mit den Dienstgruppen zu tun hat. Dienstgruppen, dort sind die Polizisten dabei, die eigentlich überall sind, sozusagen das Mädchen für alles. Zuerst das Büro, wo jeder seinen eigenen Schreibtisch hat und die auch gleichzeitig die Vernehmungsräume sind. Danach wurden wir in den Keller geführt, zu den Zellen. Es waren auch zwei Männer in den Zellen, sagte man uns, diese zwei hatte man in der Nacht zuvor betrunken aufgegriffen, mit je 3,0 Promille Alkohol im Blut. Anschließend ging es zur Kriminalpolizei im ersten Stock. Dort wurden wir von einem älteren Polizisten begrüßt, der aber ausnahmsweise in Zivil war. Er erzählte uns nicht nur staubtrocken, sondern auch sehr detailliert, was er so alles macht: vom DNS-Muster über Lichtminuten bis hin zu Speichelproben. Als „Praxis-Übung“ zeigte uns der Polizist, wie man seit neuestem Fingerabdrücke abnimmt. Nur im Notfall noch mit Druckerschwärze, jetzt gibt es ein Gerät dafür, das so ähnlich wie ein Scanner funktioniert.

Im Entengang hinter dem Polizisten her
Danach machten wir einen kurzen Abstecher zur Einsatzzentrale, also dort, wo die ganzen Anrufe eingehen. Die Polizisten zeigten uns, wie man auch vom PC aus die Meldung an die Radiosender abschicken kann usw. Leider gibt es aber viele Falschanrufe, also einfach nur zum Veräppeln, das nervt schon ganz schön, wie wir eigens bemerkt haben. Eine halbe Stunde später, liefen wir zehn mit unsrem „Betreuungspolizisten“ eigentlich fast quer durch die Stadt zu dem Gebäude der Verkehrspolizei. Es ist schon erstaunlich, wie langsam die Autos fahren können, wenn sie einen Polizisten am Straßenrand sehen, oder wie schön manche Fahrer an der roten Ampel halten können. Naja, es muss auch schon ein lustiger Anblick gewesen sein. Vorne ein Polizist und dahinter 10 Jugendliche ... wahrscheinlich wie so eine Straßengang die sich ergeben hat ;-).

Videos und Laserschüsse bei der Verkehrspolizei
Bei der Verkehrspolizei angekommen, zeigte uns der Leiter dieser Abteilung einen kurzen Film, den die Videogruppe aufgenommen hat. Es wurden unter anderem Verkehrssünder der ganz besonderen Art gefilmt. Autos, die mit 100 durch den Ort preschten, waren da nicht ganz selten. Einmal filmte die Videogruppe sogar, wie ein Autofahrer ein Schulkind angefahren hat und danach Fahrerflucht begehen wollte. Anschließend durften wir auch mal mit einer Laserpistole „schießen“. Eine Laserpistole wird zur Geschwindigkeitsermittlung verwendet, sie kann einfach so in die Hand genommen werden oder auf ein Stativ gestellt werden. Damit es spannender wird, sollten wir (natürlich jeder einzeln) auf eine Kugel zielen, die ca. 800 m entfernt war, nämlich auf einem Kirchturm direkt unter dem Kreuz. Da wir aber zu sehr wackelten (ist ja kein Wunder, die Pistole ist auch schwer und die Kugel war klein), konnte uns die Geschwindigkeit nicht angezeigt werden, die die Kugel hat (naja, 0 km/h ;-)). Der Verkehrspolizist konnte es aber auch nicht, woraufhin er fand, dass dies doch ein handfester Beweis sei, warum man auf weitere Entfernungen das Stativ verwenden sollte. Anschließend verabschiedeten wir uns und liefen wieder zu der „normalen“ Polizeiinspektion Kempten.

Junkie auf Spurensuche
Als letzter Punkt an diesem Tag stand die Hundestaffel auf dem Programm, die mir am besten gefiel. Zu jeder Theorie, die uns der Hundeführer erzählte, gab es eine kleine, dazu passende Vorführung mit dem Hund. Der Hund war auf Drogensuche ausgebildet sowie auf Sprengstoffe, er hatte sogar den passenden Namen, er hieß nämlich „Junkie“. Diese Vorführungen waren schon sehr cool, z.B. zeigte uns der Hundeführer, wie Junkie die Verbrecher – wenn notwendig – angreift und auch beißen soll (natürlich nicht direkt an ihm, sondern er hatte einen Schutzanzug an). Danach erklärte er uns, dass „sein“ Hund den Gangster auch aus einer Menge von Leuten heraus erkennen kann, indem er ihm tief in die Augen schaut, was ein „normaler“ Hund ja nicht kann. Die Demonstration war gigantisch, wir sollten uns in einer Reihe aufstellen, am Ende der Reihe stand Herr Wild, der jetzt der Verbrecher sein sollte. Junkie schaute jeden aus der Reihe genau an. Mich auch. Dieser Blick ist einfach nur unbeschreiblich, man kommt nicht mehr davon los, man kann einfach nicht mehr wegschauen! Naja, zum Schluss hat er dann Herrn Wild erkannt, er hatte (wie immer gg) ein Päckchen Koks in der Tasche ... tztztz ;-). Um ca. 15:30 Uhr war der erste Praktikumstag auch leider schon vorbei, aber es gab ja auch noch einen zweiten. =)

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Autorin / Autor: stillergirl - Stand: 8. März 2007