Klimabilanz von Online- und Ladenkauf

UBA-Studie: Mehrweg-Versandverpackungen, bessere Produktinformationen und Elektromobilität können Onlinehandel klimafreundlicher machen

Ok, Eierlieferungen werden eher selten online abgewickelt ;-) [Bild: Luise Weber]

Im jetzigen Moment des vorweihnachtlichen Lockdowns bleibt für viele, die noch kein Weihnachtsgeschenk für ihre Liebsten besorgt haben, nicht viel anderes übrig als  einen Gutschein zu basteln oder das Geschenk bei einem Online-Händler zu bestellen. Wer umwelt- und klimabewusst shoppen will, sollte aber weitgehend auf Online-Käufe verzichten, oder? Eine Studie für das Umweltbundesamt (UBA) hat das Thema mal genauer unter die Lupe genommen und unterschiedliche Einkaufvarianten und ihre ökologischen Auswirkungen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass der Löwenanteil, nämlich bis zu drei Viertel der Treibhausgas-Emissionen im Leben eines Produkts bereits bei der Herstellung entstehen. Der Anteil von Handel und Transport macht demnach nur zwischen einem und zehn Prozent an den Gesamt-Treibhausgasemissionen aus. „Ob wir online oder im Geschäft einkaufen ist nicht so entscheidend für unsere Klimabilanz. Die größte Stellschraube für den ökologischen Einkauf sind langlebige Produkte, die umweltfreundlich hergestellt sind. Bestenfalls bekomme ich diese auch im Geschäft um die Ecke, das ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut erreichen kann“, schlussfolgert UBA-Präsident Dirk Messner.

Zum Shopping mit Auto, Bus oder Fahrrad?
Wie man zu seinem Lieblingsgeschäft kommt, macht beim Einkaufen in der Stadt den Unterschied aus: Fahre ich zum Beispiel 5 km im eigenen PKW werden 600 bis 1.100 g CO2, ausgestoßen, nehme ich das Fahrrad ist meine CO2-Bilanz neutral. Lasse ich mir ein im Internet bestelltes Paket liefern, fallen dafür im Schnitt zwischen 200 und 400 g CO2 an, also weniger als bei einer Fahrt mit dem eigenen Auto. Das liegt unter anderem daran, dass  der Paketwagen nicht nur ein Paket, sondern ganz viele geladen hat, die Lieferrouten effizienter gestaltet sind und immer häufiger Elektrofahrzeuge eingesetzt werden. Kaufe ich mein Geschenk hingegen vor Ort, kommt es darauf an, wieviel Energie zum Beispiel der Laden verbraucht, in dem ich einkaufe und welches Verkehrsmittel ich benutze, um dorthin zu kommen. Zusätzlich fallen beim Online-Versand aber auch umweltbelastende Faktoren wie Versandverpackungsabfälle und der Lieferabschnitt bis zur Haustür, die so genannte „letzte Meile“ ins Gewicht.

Mehr Kennzeichnung erforderlich
Eine weitere UBA-Studie („Förderung des nachhaltigen Konsums durch digitale Produktinformationen“) zeigt, dass Umweltsiegel im Online-Handel bisher nur unzureichend abgebildet werden. Auch gibt es bisher kaum Informationen darüber, ob mein Wahlprodukt reparierbar ist. Kein Wunder, dass diese Eigenschaften weniger bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden als der Preis oder das Design. Eine Ausnahme ist die Energieverbrauchskennzeichnung, die ist ja auch gesetzlich vorgeschrieben. Eine Empfehlung des UBA lautet deshalb, dass Hersteller dazu verpflichtet werden, Aussagen zu Garantie oder zur durchschnittlichen Lebensdauer der Produkte einzuführen. Bestehende Siegel wie das EU-Ecolabel oder der Blaue Engel sollten direkt bei den Produktinfos angezeigt werden, diese Informationen außerdem in Preisvergleichs- und Verkaufsplattformen integriert werden.

Problem Versandverpackungen
Auch bei den Versandverpackungen ist in Punkto Umweltschutz noch viel Luft nach oben. Viele Produkte ließen sich zum Beispiel ohne Schaden in der Originalverpackung – ohne zusätzliche Versandverpackung – verschicken. Auch Mehrwegverpackungen, die von den Kund_innen leer zurückgeschickt werden, sind eine sinnvolle Akternative. Laut der Studie könnten bei den Versandhandelsverpackungen pro Jahr zwischen 180.000 und 370.000 Tonnen Verpackungsabfall (fast so viel wie das Empire State Building!) eingespart werden.

Was wir als Kund_innen tun können
Aber auch wir Verbraucher_innen können unsere Umweltbilanz verbessern, indem wir umweltfreundliche Produkte kaufen, beim Online-Einkauf möglichst das Passende wählen und nicht ständig alles zurückschicken und beim Händler nach Mehrwegsystemen oder den Verzicht auf Versandverpackungen fragen. „Es muss nicht immer der Neukauf sein. Oft sind gute gebrauchte Geräte oder eine Leihe oder Miete eine gute Alternative – vor allem bei Produkten, die man ohnehin selten nutzt wie Bohrmaschine, Rasenmäher oder Heckenschere. Auch die Reparatur scheinbar defekter Haushaltsgeräte kann den Neukauf oft vermeiden“, so Dirk Messner.

Lies mehr zum Thema bei AUSGEPACKT

Quelle:

Was denkst du darüber?
Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 16. Dezember 2020