Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Autorin: Donna Freitas
Übersetzt von: Christine Gallus

„Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, deren Welt durch den Tod ihrer Mutter komplett auseinanderbricht und lange nicht mehr zusammensetzbar scheint. Der Jugendroman befasst sich zentral mit Themen wie Trauer, Verlust, aber auch Neubeginn und Vertrauen.
Am Tag der Beerdigung ihrer Mutter findet Rose das „Survival Kit“ – eine Papiertüte gefüllt mit Gegenständen, die einen Weg zurück ins Leben bilden sollen. In der Handschrift ihrer Mutter ihr Name darauf.

Doch auch dieses letzte Geschenkt kann ihr über die Trauer erst einmal nicht hinweghelfen. 
Ihr Bruder ist weit entfernt am Collage, ihr Vater ertränkt seine Gefühle im Alkohol und von ihrem Freund Chris will sie eigentlich gar nicht mehr berührt werden.

Trotzdem beschließt sie, sich auf das Survival-Kit einzulassen: das Foto einer Pfingstrose, ein iPod, ein Kristallherz, Buntstifte und ein Papierdrache werfen zunächst viele Fragen auf. Doch die Botschaft ihrer Mutter führt sie auf einen Weg, der ihr zeigt, dass auch jetzt noch Schönheit und Lebenswertes in ihrer Welt ist. Um die Pfingstrosen zu pflanzen, fragt sie Will um Hilfe, den Jungen, der der Familie bei der Gartenarbeit hilft und seinen Vater ebenfalls durch Krebs verloren hat.

Langsam lernen sich die beiden besser kennen und Rose fühlt sich endlich verstanden und geschützt. Während sie die Gegenstände nacheinander in ihr Leben einbringt, verändert sich ihre Weltansicht und sie kann nach und nach wieder zu der Person zurückfinden, die sie vor all dem gewesen ist.

Nach dem etwas langwierigen Anfang, fliegt die Geschichte nur so dahin.
Donna Freitas‘ Schreibstil ist fesselnd, direkt und spiegelt die Sicht der Protagonistin verständlich wieder. Obwohl es sich in Ansätzen um eine „typische Highschool-Geschichte“ handelt, konnte ich bald nicht mehr abwarten, was als nächstes geschieht.
Es war schön mitanzusehen, wie die abstrakten Gegenstände ein Leben verändern können und sich die zu Anfang eher undurchsichtige Bedeutung mit der Zeit klärt.

Mir hat die Verbindung ernster Themen, mit denen wohl jede_r irgendwann einmal konfrontiert wird, in Verbindung mit der Highschool-Liebesgeschichte sehr gefallen, da beide Aspekte auf keinen Fall zu kurz kommen.
Rose, Will und ihre sympathische beste Freundin Krupa sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Vor allem mit Rose konnte ich mich sehr gut identifizieren und Will ist mal nicht einer dieser Badboys, wie sie in vielen ähnlichen Büchern vorkommen.
Besonders schön fand ich außerdem, dass jedes Kapitel mit einem Lied verbunden ist, das die Szene noch einmal ganz anders ausdrückt. 
Und die Frage, wie viel Leben in eine braune Papiertüte passt, erscheint mir am Ende des Buches mehr als beantwortet.


Erschienen bei Thienemann

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Autorin / Autor: Amélie - Stand: 12. Oktober 2020