Das Jahr nach dem Abi

Autor: Paul David Bühre

„Nur weil ich eine Funktion ableiten und Nullstellen berechnen kann, komme ich mir noch lange nicht lebenstauglich vor. So blöd es sich auch anhört: Wer zur Hölle bin ich eigentlich?“ (Klappentext, außen)
„Wie will ich später leben? Was macht mich glücklich? Wie will ich Geld verdienen? Um das herauszufinden, bin ich ein Jahr durch die Welt gereist. Ich habe eine Kung-Fu Schule in China besucht. Dort lernte ich unter anderem zwei kanadische Gangster kennen, trank viel Tee aus winzigen Tassen und brach mir (SPOILER!!) den Arm in einem Kickbox-Match. Dann war ich Lehrer in einer Dorfschule in Indien, wo ich ab und zu auch eine Kakerlake oder zwei getötet habe. Auf einem Bauernhof in Schottland habe ich mich anschließend von Indien erholt und drechseln gelernt, ohne einen Finger zu verlieren. Am Ende der Reise hatte ich ein paar Antworten auf die Fragen im Gepäck, die ich mir am Anfang gestellt habe.“ (Klappentext, innen)

Rezension
Du stehst kurz vor dem Abitur, hast aber keinen Plan, was du mit deinem Leben anfangen sollst oder hast sogar tatsächlich einen? Na ja, ganz egal eigentlich. Es geht um das Jahr nach dem Abi. Studieren, eine Ausbildung machen oder einfach nur chillen? Nichts von alledem tut Paul Bühre, der Autor des Buches „Das Jahr nach dem Abi“. Paul Bühre ist gerade Student in Berlin, doch wie ist es dazu gekommen? In seinem Buch, welches auf der Realität, auf seiner eigenen Realität basiert, zeigt er, dass man sich manchmal Zeit nehmen muss, um eine Entscheidung zu treffen, erst recht, wenn es eine ist, die das vorherige Leben grundlegend verändert.
Nun ja, man wird eigentlich regelrecht in die Entscheidungsfindung reingezwungen, weil man nach dem Abi auf sich allein gestellt ist, doch Bühre fasst seinen Mut zusammen und zieht los. Nach China, Kung-Fu lernen. Nach Indien, Kinder unterrichten. Nach Schottland, drechseln lernen. Auch wenn Bühre auf diesen drei wichtigen Lebensstationen manchmal verzweifelt, aufgrund von Sprachdefiziten und unterschiedlichen Vorstellungen der Kulturen, fasst er sich ein Herz und versucht, sich mit den Kulturen und fremden Menschen auseinanderzusetzen.
Am Ende hat er zwar einen gebrochenen Arm, wie auch schlechte Erfahrungen gemacht (welche so ziemlich zum Leben dazugehören), doch er hat auch gelernt sein eigenes Leben, sein Zuhause mehr wertzuschätzen. Aber das allerwichtigste ist, dass er sich selbst kennengelernt hat. Dass er sehr abhängig vom Sport ist, ziemlich schnell ungeduldig werden kann und das Reisen liebt. Am Ende hat er also nicht nur eine ganze Menge gelernt, wie zum Beispiel, dass man nie genug lernen und an sich arbeiten kann oder dass man sein Selbstwertgefühl nicht an einem Faktor festmachen sollte (z.B. an den Noten), sondern auch entschieden, was er mal machen will (was ich jetzt hier natürlich nicht verrate 😊).
Das Buch ist super für alle, die gerade vor dem Abi stehen, oder es schon haben. Auch für alle, die schon längst was für sich nach der Schule gefunden haben und sich an den Moment der Ahnungslosigkeit erinnern wollen. Aber auch für Reiseliebhaber, eigentlich so ziemlich für jeden. Alles ist realistisch beschrieben und in Jugendsprache verfasst, also ziemlich einfach zu lesen und auch lustig. Zudem ist alles mit vielen Absätzen ausgeschmückt, die die Reflexion darstellen, die „Moral der Geschichte“, die Lehre aus jedem kleinen Abenteuer, aber auch viele Gefühlsschilderungen, weswegen man sich gut mit dem Protagonisten identifizieren kann.
Das Buch ist jedenfalls empfehlenswert, doch alle die erwarten, dass sie nach dem Lesen des Buches wissen, was sie nach dem Abi machen sollen, muss ich enttäuschen.
Es wird betont wie wichtig das Reisen für die Selbstfindung ist, doch man muss alles selbst entscheiden, damit man etwas tut was einem gefällt. Will man reisen? Wenn ja, wohin, was will man dort man machen, wieso?
Wenn man bloß reist, trägt das nicht unbedingt zur Selbstfindung bei. Man muss also unbedingt aktiv werden, aber nicht alles allein machen, denn auch Bühre wurde von seiner Familie und seinen Freunden unterstützt und hat bei seiner Heimkehr nach Deutschland noch etwas erkannt: Die Wichtigkeit der Menschen, die er liebt und die ihn lieben.

Erschienen bei Ullstein

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Autorin / Autor: Sibel - Stand: 23. September 2019
 
 
 

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