„Was junge Frauen wollen“

Neue Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Erwartungen an Familien- und Gleichstellungspolitik

Wenn junge, gut ausgebildete Frauen heute in die Arbeitswelt eintreten, sehen sie sich zu Beginn oft als selbstbewusst, emanzipiert, kompetent und unerschrocken an. Sie möchten in ihrem Job Erfüllung, Erfolg und Sinn finden, weshalb sie sich sowohl zeitlich als auch inhaltlich sehr stark auf die Arbeit einlassen und zu guten Ergebnissen kommen wollen. Doch nicht selten erleben sie nach einiger Zeit, dass ihre Leistungsbereitschaft und ihr Engagement ausgebremst werden, weil sie eine Frau sind und ihnen auch von jungen Männern immer noch tradierte Rollenzuschreibungen zugewiesen werden. Oft kämpfen sie sogar an zwei Fronten gegen Erwartungen, denen sie eigentlich nicht mehr entsprechen wollen: denen von Kollegen und Vorgesetzten und denen ihrer eigenen Partner. "Für Frauen ist es eine überraschende Feststellung, dass sie heute – viele Jahrzehnte nach den Emanzipationsbewegungen und sozusagen in der postemanzipatorischen Ära – keineswegs nur mit ihren individuellen Einstellungen und Fähigkeiten, Stärken und Schwächen, Motiven und Zielen gesehen und bewertet werden, sondern dass sie unter die Globalkategorie „Frau“ vorsortiert werden mit der Zuschreibung „frauentypischer“ klischeehafter Eigenschaften..." lautet eines der ernüchternden Ergebnisse einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Was halten junge Frauen eigentlich von der Familien- und Gleichstellungspolitik? Wo sind die Berührungspunkte in ihrem Alltag und wo sehen sie politischen Handlungsbedarf? Diesen Fragen ging Prof. Dr. Carsten Wippermann vom DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung nach. Dazu wurden acht Frauen zwischen 18 und 40 Jahren aus allen sozialen Schichten und Milieus in dreistündigen Fokusgruppeninterviews befragt und durch die Ergebnisse einer quantitativ-repräsentativen Untersuchung ergänzt. Die breite Datenbasis von 1.068 Teilnehmerinnen bietet neue Einblicke in die Lebensrealitäten und gleichstellungspolitischen Einstellungen junger Frauen.

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung
Trotz vieler Verbesserungen ist aus Sicht junger Frauen die Gleichstellung der Geschlechter noch lange nicht erreicht: Nur eine von zehn sieht die Gleichstellung von Männern und Frauen voll und ganz realisiert. Mit Blick auf das Kinderkriegen befürchten sie einen Rückfall in traditionelle Geschlechterrollen und sehen sich durch Beispiele im Freundeskreis bestätigt. Den Hauptgrund sehen die Befragten in der fehlenden Lohngerechtigkeit. Daher steht für viele das Thema Lohngerechtigkeit, Gleichstellung im Berufsleben sowie eine bessere und kostenlose Kinderbetreuung an erster Stelle. 

Ein weiteres großes Thema war die mangelnde Familienfreundlichkeit und fehlende Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Die Mehrheit der Frauen ab 30 Jahren gab an, sich eine Arbeitszeit zwischen 30 und 35 Stunden zu wünschen und mehr Flexibilität in der betrieblichen Arbeitskultur hinsichtlich Büropräsenz und
Arbeitsorten. Junge Frauen fordern aber auch mehr Unterstützung für Mütter und Familien. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, sehen sie großen Bedarf für Investitionen in den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Sie fordern: kostenlose Kita-Plätze und flexiblere Betreuungszeiten (auch zu Randzeiten).

„Im Bereich der Kinderbetreuung braucht es weitere Investitionen. Es ist eine Investition in die Zukunft, die sich auch ökonomisch rechnen wird. Für viele junge Frauen stellen die zum Teil hohen Kosten und die noch zu unflexiblen Betreuungsangebote mit Blick auf ein stärkeres berufliches Engagement ein erhebliches Hemmnis dar“, betont Dr. Stefanie Elies, Leiterin des Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Der Autor der Studie Carsten Wippermann, Professor für Soziologie, Leiter des DELTA-Instituts, und Mitglied der Sachverständigenkommission des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung betont den Zusammenhang zwischen fehlender Lohngerechtigkeit  und der Zurückhaltung vieler junger Frauen beim Thema Kinderkriegen: „Deshalb gehen junge Frauen mit gehobener Berufsqualifikation und beruflichen Ambitionen das Thema ‚Kinder bekommen‘ sehr reserviert an. Sie wollen Familie, aber sie schieben den Zeitpunkt der Familiengründung nach hinten, um nicht in die Falle von Retraditionalisierung, Teilzeitarbeit und finanzieller Abhängigkeit vom Partner zu geraten. Das Thema Kinder ist für viele junge Frauen nicht mehr selbstverständlich, sondern sorgenbehaftet.“

Dr. Stefanie Elies sieht hier einen klaren politischen Handlungsbedarf: „Das Thema Lohngerechtigkeit ist bei jungen Frauen sehr präsent. Es handelt sich um eine soziale Ungerechtigkeit, die keineswegs nur ein privates Problem ist. Die Politik muss die Frauen hier unterstützen. Das von Manuela Schwesig eingebrachte Gesetzesvorhaben zur Förderung der Lohngerechtigkeit von Frauen und Männern, wäre ohne Zweifel ein wichtiger Schritt und würde mehr Transparenz bei den Entgelten schaffen.“

Die Studie im Wortlaut

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 18. Juli 2016
 
 
 

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