Kunkku

Autor: Tuomas Kyrö

Buchcover

Mit seinem Roman Kunkku entführt der Finne Tuomas Kyrö in eine Parallelwelt, die ein wenig der unseren ähnelt, in der jedoch Finnland eine führende Rolle eingenommen hat. Auch ansonsten haben viele historische Ereignisse ein wenig anders stattgefunden als wir sie erlebt oder über sie gelernt haben. Es tauchen durchaus bekannte Namen auf, der Kontext ist nur jedes Mal ein wenig verändert.

Das umgeschriebene Zeitgeschehen bildet unaufdringlich den Rahmen für die eigentliche Geschichte über den letzten König Finnlands, von seiner Geburt bis zum Ende der Monarchie. Viel mehr sollte ich über die Handlung auch nicht verraten.

Kyrö zeichnet den König anders als man ihn erwarten würde, als gewöhnlichen, fast primitiven Menschen, der nur zufällig in die Herrscherfamilie hinein geboren wurde, ohne je darum gebeten zu haben. Die größte Leistung des Autors ist jedoch, dass er es schafft, beim Leser wechselnde Gefühle für den Protagonisten zu erzeugen. Man passt seine Meinung über den König ständig an, das Buch lebt von diesem Charakter. Dabei hatte ich hin und wieder das Gefühl, mit jeder neuen Facette des Königs eine andere Figur vor mir zu haben. Der „komplette“ ehemalige König am Ende des Buches ist so zu einem Protagonisten geworden, den man ziemlich gut einschätzen kann.

Nebenbei kritisiert der Autor die Gesellschaft, zieht alles ins Absurde, vielleicht weil man manche Dinge sich nur so wieder vor Augen führen kann. Tut er das wirklich? Oder möchte man es nur in dieses, ansonsten eher seinem Protagonisten ähnlich, locker und leicht geschriebene Buch hineindeuten? Macht Kyrö sich insgeheim über uns lustig? Oder aber verhält es sich mit der Gesellschaftskritik ebenso wie mit dem Hauptcharakter, der im Laufe der Geschichte eine Reifung durchläuft? Diese Frage zu beantworten, überlasse ich weiteren Lesern.

Teilweise kann sich die Geschichte ein wenig ziehen; wer sich schwer tut mit dem Lesen, sollte sich vermutlich lieber einen anderen Roman aussuchen. Für den Rest lohnt es sich durchaus dieses Buch zu lesen. Es bringt einen zum Schmunzeln, der Autor hat eine interessante Geschichte mit einem starken Hauptcharakter geschaffen. Was mir fehlt, um in Begeisterung auszubrechen? Es mag an der Übersetzung liegen, aber die Worte schaffen es nicht mich wirklich mitzureißen.

Erschienen bei Bastei Lübbe

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Autorin / Autor: islenski.hesturinn - Stand: 8. August 2016